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NRW-Regionen als Standort für Atommüll-Endlager geeignet

28.09.2020 - Seit Montag ist klar, wo nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager gesucht werden soll. Auch Regionen in Nordrhein-Westfalen sind darunter. NRW-Umweltministerin Heinen-Esser sieht das Land aber nicht als «Endlager-Hotspot».

  • Warnhinweis "Radioaktiv". Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Warnhinweis "Radioaktiv". Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Fast ein Drittel von Nordrhein-Westfalen kommt als Standort für das deutsche Atommüll-Endlager infrage. Experten haben im Norden des Landes günstige geologische Voraussetzungen für die unterirdische Lagerung der strahlenden Rückstände der Atomstromproduktion ermittelt, wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervorgeht. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sieht das bevölkerungsreichste Bundesland dennoch nicht als «Endlager Hotspot».

Insgesamt 90 Gebiete in Deutschland sind laut Bericht für ein Endlager geeignet. Davon liegen acht in NRW. Die sich teilweise überlappenden Teilgebiete umfassen eine Gesamtfläche von gut 10 000 Quadratkilometern, etwa 30 Prozent von ganz NRW. Die ausgewählten Regionen seien aber «noch lange kein Endlagerstandort», sagte BGE-Geschäftsführer Stefan Studt am Montag bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.

In NRW sind nach Einschätzung der Experten das Münsterland, Teile Ostwestfalens und der Niederrhein als Standort für eine Endlagerung hoch radioaktiver Abfälle grundsätzlich geeignet. Dort kommen Tongestein oder Schichten aus Steinsalz vor. Der Süden Nordrhein-Westfalens und fast das ganze Ruhrgebiet scheiden dagegen als möglicher Standort aus. Dort gibt es keine geeigneten Gesteinsschichten, oder die Folgen des Bergbaus schließen ein Endlager aus.

Die Landesregierung werde den Zwischenbericht sorgfältig auswerten, kündigte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) an. NRW habe sich «stets zu seiner Verantwortung beim Erbe der Nutzung der Kernenergie bekannt», sagte er. Die Endlagersuche müsse weiterhin ohne Verzögerungen durchgeführt werden, «damit auch die in NRW lagernden hoch radioaktiven Abfälle wie vorgesehen ihren endgültigen Lagerort finden».

Im Zwischenlager Ahaus sind derzeit 329 Behälter mit Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken gelagert. Darunter sind 305 Behälter aus dem stillgelegten Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) in Hamm-Uentrop. Auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich sind 152 Castoren zwischengelagert. Sie enthalten abgebrannte Brennelemente des stillgelegten Jülicher Atomversuchsreaktors. Auch für sie muss ein Endlager gefunden werden.

NRW-Umweltministerin Heinen-Esser betonte im Gespräch mit dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Dienstag) sie erwarte, dass das Gros der derzeit in NRW ausgewiesenen Gebiete bereits in der nächsten Verfahrensstufe als Endlager ausgeschlossen werde. «Wenn die planungswissenschaftlichen Abwägungskriterien angewendet werden, wie zum Beispiel Besiedlungsdichte, Wasserschutzgebiete oder Kulturdenkmäler, wird die Zahl der infrage kommenden Gebiete deutlich verringert werden», sagte die Politikerin. Sie vermute daher, dass «Nordrhein-Westfalen kein Endlager-Hotspot wird».

Geologisch geeignet für den Einschluss von Atommüll sind Ton, Salz oder Kristallin, also vor allem Granit. Im Münsterland und Teilen Ostwestfalens findet sich dem Zwischenbericht zufolge eine maximal 1200 Meter dicke Schicht aus Tongestein, die in 400 bis 1500 Metern Tiefe liegt. Dieses Teilgebiet, zu dem auch der Süden Niedersachsens gehört, reicht ungefähr von der niederländischen Grenze im Westen bis in den Kreis Lippe im Osten des Landes. Im Süden geht es bis zum Rand des Ruhrgebiets.

Salzschichten finden sich dem Bericht zufolge in zwei Regionen in NRW - am Niederrhein und ganz im Osten des Landes in Wesernähe. Am Rhein hat die Salzlagerung eine maximale Dicke von 830 Metern und liegt zwischen 400 und 1500 Meter unter der Erdoberfläche. Im Osten von NRW gibt es solche Salzlagerungen in den Kreisen Lippe und Höxter. Dieses Teilgebiet reicht auch nach Niedersachsen und Hessen.

Teilgebiete liegen auch in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie in den ostdeutschen Ländern. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist nicht darunter. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 soll die Einlagerung beginnen.

Die Endlagersuche stehe noch am Anfang, viele weitere Untersuchungsschritte würden folgen, sagte die Sprecherin der Grünen im Landtag für Anti-Atompolitik, Wibke Brems. Die Grünen wollten diesen Prozess konstruktiv begleiten. «Dieses Verantwortungsbewusstsein erwarte ich auch von den anderen Fraktionen im Landtag NRW und den Verantwortlichen in allen Bundesländern», sagte Brems. Nur so kann das notwendige Vertrauen in diesen viele Jahre dauernden Prozess geschaffen werden.

Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen Widerstands gegen den Ende der 1970er Jahre ins Auge gefassten Standort im niedersächsischen Gorleben gestartet worden. Die Fachleute haben anhand von elf Kriterien die geologische Eignung für ein Endlager bewertet. Dazu haben sie mehr als eine Million Daten ausgewertet. Im weiteren Verfahren ist auch eine Bürgerbeteiligung vorgesehen.

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