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Coronavirus in NRW: Suche nach weiteren Infizierten läuft

27.02.2020 - Breitet sich das Coronavirus weiter in NRW aus? Im bevölkerungsreichsten Bundesland gab es mindestens sechs Infektionen. Weitere Testergebnisse stehen aus.

  • Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, beantwortet Fragen. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, beantwortet Fragen. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Gangelt/Düsseldorf (dpa/lnw) - Nach den ersten bestätigten Coronavirus-Fällen in Nordrhein-Westfalen suchen die Behörden nun mit größeren Aktionen nach weiteren Infizierten. In Gangelt im Kreis Heinsberg an der niederländischen Grenze sind die rund 300 Besucher einer Karnevalsveranstaltung am 15. Februar aufgerufen, sich bei den Behörden zu melden. Alle Besucher und ihre Familien müssten für 14 Tage in häusliche Quarantäne gehen, teilte das NRW-Gesundheitsministerium in der Nacht zum Donnerstag mit.

Bei dem Coronavirus-Ausbruch ganz im Westen von Nordrhein-Westfalen wurden nach Angaben des Ministeriums insgesamt sechs Patienten infiziert. Einer von ihnen - ein 41-jähriger Bundeswehrsoldat - werde in Rheinland-Pfalz behandelt.

In Mönchengladbach läuft am Krankenhaus Maria Hilf die Suche nach Menschen, die Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Arzt hatten. Nach bisherigen Erkenntnissen der Stadt hatte er eine Karnevalsveranstaltung im Kreis Heinsberg besucht, auf der auch Kontaktpersonen des schwer erkrankten Mannes aus Gangelt anwesend gewesen sein sollen.

Alle bislang bekannten Infizierten hatten nach Erkenntnissen der Behörden Kontakt mit einem Ehepaar aus Gangelt, das im Moment an der Uniklinik Düsseldorf behandelt wird. Es sei nun entscheidend, alle Kontaktpersonen der Infizierten ausfindig zu machen, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums am Donnerstagmorgen.

Laut NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gibt es vorerst aber keinen Grund für eine Quarantäne von ganzen Städten. «Das sehe ich noch nicht. Ich glaube auch nicht, dass das die richtigen Maßnahmen am Ende sind», sagte er am Donnerstag im ZDF-«Morgenmagazin». Schritte, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, müsse man jeden Tag neu der Lage anpassen. Zur Unterstützung dabei seien in seinem Ministerium auch ein Mitarbeiter des Bundesgesundheitsministeriums sowie zwei Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts.

Im Kreis Heinsberg, in dem rund 252 000 Menschen leben, wollte am Donnerstagvormittag erneut ein rund 100-köpfiger Krisenstab seine Arbeit aufnehmen. Es werde über die weiteren Schritte im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus beraten, sagte ein Kreis-Sprecher. Zuvor war in dem westlichsten Kreis Deutschlands unter anderem beschlossen worden, dass Kindergärten und Schulen vorerst geschlossen bleiben. Etwa in den Amtsgerichten Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg wurde am Donnerstag vorerst der Publikumsverkehr eingestellt.

«Das ist das Gute, dass wir keine neue Ansteckung haben, wo wir nicht wissen, wo sich die Patienten angesteckt haben», sagte der Sprecher. «Das Gesundheitsamt arbeitet nun alle Kontaktpersonen ab. Und mit jedem Anruf weiß man wieder etwas mehr.»

Im Laufe des Tages erwarten die Behörden zudem zahlreiche weitere Testergebnisse von Kontaktpersonen, die sich möglicherweise bei dem Ehepaar angesteckt haben könnten. Dazu zählen etwa die Kinder des Paares, die rund 65 Kinder einer Kita und die Teilnehmer der Karnevalsveranstaltung. Je nach Ergebnis dieser Tests würden die Behörden entscheiden, ob für weitere Personenkreise häusliche Quarantäne angeordnet wird.

Mit den Maßnahmen wollen die Behörden erreichen, dass sich das neue Coronavirus nicht weiter ausbreitet. NRW-Gesundheitsminister Laumann hatte allerdings am Mittwoch bereits klargemacht: «Wir können nicht garantieren, dass wir die Infektionsketten gestoppt kriegen.» Unklar blieb zudem zunächst weiterhin, wo sich das Ehepaar ansteckte. In einem WDR2-Interview sagte Laumann am Donnerstag, man gehe davon aus, dass der 47-Jährige der erste Patient der bekannten Infektionskette sei. Wo und bei wem sich der Mann angesteckt habe, sei allerdings unklar. Wegen seines Zustands habe man ihn das auch noch nicht fragen können.

Gute Nachrichten gab es in der Nacht auf Donnerstag aus Köln: Bei allen getesteten Patienten und Mitarbeitern der Uniklinik habe der Test keinen Nachweis auf Coronaviren ergeben. Der schwer erkrankte 47-Jährige aus Gangelt hatte sich im Februar zweimal in der Uniklinik zu ambulanten Untersuchungen zu einer anderen Erkrankung aufgehalten. 41 Menschen waren als mögliche Kontaktpersonen ermittelt worden. Für sie gilt weiterhin eine zweiwöchige Isolation.

Der Städte- und Gemeindebund in NRW rief unterdessen zur Besonnenheit auf. «Für Panik ist absolut kein Grund. Wir sind vorbereitet», versicherte der Präsident des Kommunalverbands, Roland Schäfer, am Donnerstag im WDR5-Interview. Man müsse die wenigen bestätigten Coronavirus-Fälle im Verhältnis sehen - etwa zur viel stärker verbreiteten Influenza-Grippe: «In den letzten zwei Jahren sind jeweils pro Jahr über 20 000 Menschen gestorben an der Grippe, ohne dass wir (...) hier in der Bundesrepublik Panikkäufe oder Hamsterkäufe oder so etwas hätten», sagte Schäfer.

Bundesweit stieg in den vergangenen Tagen die Zahl bestätigter Fälle - und Experten erwarten, dass das weitergehen könnte. «Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland», sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwochabend. «Die Infektionsketten sind teilweise - und das ist die neue Qualität - nicht nachzuvollziehen.» Er komme «immer mehr zu der Überzeugung, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Epidemie an Deutschland vorbeigeht, wird sich nicht erfüllen und nicht ergeben», sagte Spahn.

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