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Deutlich mehr Blindgänger in NRW entschärft

07.05.2020 - 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind geschätzt erst ein Drittel der explosiven Hinterlassenschaften aus dem Boden geholt. Im vergangenen Jahr kamen fast 15 000 explosive Funde dazu.

  • Eine entschärfte 250 Kilogramm Bombe hängt am Kranhaken. Foto: Bernd Settnik/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine entschärfte 250 Kilogramm Bombe hängt am Kranhaken. Foto: Bernd Settnik/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kampfmittelräumer haben in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr deutlich mehr Bomben, Granaten und andere Munition aus dem Boden geholt. Insgesamt wurden fast 15 000 Altlasten aus den Weltkriegen beseitigt, berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf. Das sei ein Plus von knapp 15 Prozent im Vergleich zu 2018.

Die Zahl der entdeckten besonders gefährlichen Bomben mit Langzeitzündern verdoppelte sich sogar von 8 auf 17. Auch die Zahl der besonders großen Blindgänger über 50 Kilogramm stieg um fast sechs Prozent auf 307 große Sprengbomben. Die Bomben seien «Mahnungen im Boden», sagte Reul. 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sei Schätzungen zufolge erst ein Drittel der Blindgänger entdeckt und unschädlich gemacht.

16 Bomben mussten 2019 gesprengt werden, weil eine Fernentschärfung nicht mehr möglich war. NRW gilt als das mit Abstand am stärksten mit Blindgängern belastete Bundesland. Schätzungen zufolge sind 75 000 Tonnen Bomben im Zweiten Weltkrieg nicht explodiert.

90 Männer und Frauen kümmern sich in NRW bei den Bezirksregierungen in Düsseldorf und Arnsberg um ihre Beseitigung. Während noch vor einigen Jahren die Zünder meist von Hand aus den Bomben geschraubt wurden, seien inzwischen die Hälfte Entschärfungen mit ferngesteuerten Geräten, sagte Kampfmittelräumer Karl-Friedrich Schröder (60).

Neben 2050 Zufallsfunden trug die systematische Auswertung von 330 000 Fotos der Luftaufklärung zu den Funden bei. Außerdem werden systematisch Baugebiete und Verdachtsflächen untersucht. Der letzte tödliche Unfall bei der Kampfmittelbeseitigung ereignete sich in NRW 2008 im Munitionszerlegebetrieb in Hünxe.

«Diese Bomben waren die Antwort auf einen von Nazi-Deutschland ausgehenden Krieg und auf eine Ideologie, die die Ermordung von Millionen zum Ziel hatte und in beispielloser Grausamkeit ausführte» sagte Reul. 22,7 Millionen Euro wurden aus dem Landeshaushalt 2019 für die Kampfmittelbeseitigung ausgegeben.

Wegen der Corona-Krise wurden die Bombenentschärfer in strikt getrennte Teams eingeteilt, um im Quarantänefall einsatzfähig zu bleiben. «Jeder, der eine Granate vor den Füßen liegen hat, möchte, dass schnell jemand vorbeischaut», sagte Schröder. Angst habe er bei der Arbeit nicht: «Man ist sehr konzentriert bei der Arbeit. Angst passt nicht dazu. Wir sind keine Hasardeure. Im ungünstigsten Fall wird halt gesprengt.»

Wichtig sei es, den Zünder zweifelsfrei zu identifizieren. «Wenn wir einen Verdachtspunkt aufgraben, ist das immer eine Wundertüte», sagte Schröder. Man wisse letztlich vorher nie genau, was tatsächlich im Boden liege.

Reul erinnerte an den Aufwand, den einzelne Entschärfungen verursachen, wie in diesem Jahr in Dortmund, als 13 000 Anwohner ihre Wohnungen verlassen und mehrere Kliniken evakuiert werden mussten. «Wenn so eine Entschärfung dann glatt abläuft, ist das ein schönes Gefühl», sagte Schröder. «Die Leute wollen ja alle zurück in ihre Wohnungen.»

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