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Ex-Freundin niedergestochen: «Keine Gedanken gemacht»

12.01.2021 - Eine Studentin wird auf offener Straße niedergestochen. Der Täter ist ihr Ex-Freund. Jetzt steht er wegen Mordversuchs vor Gericht.

  • Blick auf das Gebäude, in dem sich Landgericht, Amtsgericht und Arbeitsgericht befinden. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf das Gebäude, in dem sich Landgericht, Amtsgericht und Arbeitsgericht befinden. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Angriff erfolgte auf offener Straße: Vor rund sechs Monaten hat ein Student in Essen immer wieder auf seine Ex-Freundin eingestochen. Die Stiche gingen in den Hals, den Kopf, den Körper. Die Ärzte sprachen später von akuter Lebensgefahr. Seit Dienstag steht der 25-Jährige in Essen vor Gericht. Die Anklage lautet auf Mordversuch.

«Es tut ihm über alle Maßen leid», hieß es in einer Erklärung seiner Verteidiger. «Über die Auswirkungen hat er sich keine Gedanken gemacht.» Selbst wollte sich der Angeklagte zum Prozessauftakt am Essener Landgericht nicht zu den Vorwürfen äußern.

Fünf Jahre war er mit seiner Freundin zusammen. Eine Liebe, die schon in der Schule begonnen hatte. Später, nach dem Abitur, hatten beide Maschinenbau studiert, wohnten aber weiter bei den Eltern. «Wir hatten aber auch schon über das Heiraten gesprochen», sagte die 25-jährige Essenerin bei ihrer Zeugenvernehmung. Trotz ihrer kulturellen und religiösen Unterschiede. Der Angeklagte hat tamilische Wurzeln, sie türkische. Beide Elternpaare sollen nach ihren Angaben nicht glücklich über die Beziehung gewesen sein. Sie selbst hatte den Angeklagten nie zu Hause vorgestellt.

Doch dann habe sich die Beziehung immer weiter verschlechtert. «Wir haben weniger unternommen und uns kaum noch unterhalten.» Außerdem habe der Angeklagte sie in Bezug auf seinen heimlichen Marihuana-Konsum angelogen. Das habe das Vertrauensverhältnis belastet.

Im Mai vergangenen Jahres war schließlich Schluss. «Das ging von mir aus», sagte die 25-Jährige den Richtern. «Ich war nur noch eine Hülle ohne Seele - so habe ich mich gefühlt.»

Was danach passierte, beschreibt die Staatsanwaltschaft als Stalking. Weil er die Trennung nicht akzeptierten wollte, habe der Angeklagte seiner Ex-Freundin ständig Nachrichten geschrieben, habe intime Fotos in den Briefkasten ihrer Eltern geworfen, sie auf dem Weg zur Uni abgepasst und bedrängt. «Ich hatte große Angst», sagte die Studentin den Richtern. «Ich habe geweint und gezittert.»

Zweimal hatte sie den Angeklagten angezeigt und sich auch beim Essener Amtsgericht gemeldet, um eine Annäherungsverbot zu erwirken. Richtig geholfen habe ihr aber niemand. «Von der Polizei habe ich mich im Stich gelassen gefühlt.»

Es war der 22. Juli 2020, als die Situation eskalierte. Laut Anklage lauerte der Angeklagte seiner Ex-Freundin morgens um kurz nach neun Uhr auf. Sie war auf dem Weg zu Uni, als er ihr von hinten in den Rücken geschlagen und anschließend mehrfach mit einem Küchenmesser von vorne auf sie eingestochen haben soll. Außerdem soll er die 25-Jährige gewürgt haben. Nach der Tat war der Angeklagte geflohen, hatte sich aber noch am selben Tag der Polizei gestellt.

Das Essener Schwurgericht hat für den Prozess zunächst noch vier Verhandlungstage bis zum 22. Februar vorgesehen.

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