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Gewerkschaft: Lehrer-Beleidigungen sind kein Einzelfall

05.02.2020 - Im Internet über Lehrer lästern - was manche Schüler für Spaß halten, überschreitet schnell die Grenze zum Mobbing. Laut Gewerkschaft sind gegen Lehrer gerichtete Beleidigungen bei weitem kein Einzelfall.

  • Ein Mann geht zum Max Planck-Gymnasium. Foto: Fabian Strauch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Mann geht zum Max Planck-Gymnasium. Foto: Fabian Strauch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Düsseldorf (dpa/lnw) - Gegen Lehrer gerichtete Beleidigungen und Diffamierungen sind nach einer Gewerkschaftseinschätzung bei weitem kein Einzelfall. «Lehrer werden gefilmt und dann heimlich ins Netz gestellt. Damit haben wir immer wieder zu tun», sagte die Vorsitzende des Philologen-Verbandes Nordrhein-Westfalen, Sabine Mistler, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Düsseldorf. Das spiele sich häufig über die sozialen Netzwerke ab und trete in allen Schulformen auf und keinesfalls nur an den Gymnasien, betonte die Verbandschefin.

Solche Situationen seien für die betroffenen Lehrer «sehr traurig und belastend», sagte Mistler. Sie forderte Unterstützung für die Pädagogen und Aufklärungsarbeit an den Schulen. Zum konkreten aktuellen Fall am Düsseldorfer Max Planck-Gymnasium könne sich der Verband nicht äußern, da keine weiteren Details bekannt seien.

Die Landesschüler*innenvertretung in NRW erklärte, Mobbing gegen Lehrer sei keine Seltenheit. «Das findet aber nicht so viel Raum», sagte eine Sprecherin. Die Folgen seien Schülern häufig nicht bewusst.

Das Düsseldorfer Max Planck-Gymnasium hatte als Reaktion auf Lehrer beleidigende und diffamierende Bilder und Fotomontagen in sozialen Medien zwei Klassenfahrten der 9. Jahrgangsstufe gestrichen. Eine diffamierende Fotomontage, die auf Instagram kursierte, wurde zur Anzeige gebracht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt.

Auch der Schulausschuss im nordrhein-westfälischen Landtag beschäftigt sich nach dem Düsseldorfer Fall mit dem Thema Lehrer-Mobbing. Einen entsprechenden Antrag hat die SPD-Fraktion gestellt. Die Regierung habe zugesagt, einen Bericht vorzulegen, wie ein Sprecher mitteilte.

Die SPD will in dem Bericht nach Angaben eines Fraktionssprechers erfahren, wie viele Fälle von Mobbing gegen Lehrer vorliegen und welche Unterstützung das Ministerium in dieser Sache den Schulen zukommen lässt. Das Schulministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, dass es bisher keine Zahlen zum Thema Mobbing von Lehrkräften habe.

Über die Anonymität des Internets vermieden die Schüler die direkte Konfrontation, sagte der Erziehungswissenschaftler Sebastian Wachs von der Universität Potsdam. Fälle von Mobbing würden zudem häufig nicht publik gemacht. Schulen fürchteten um ihren Ruf und betroffene Lehrer hätten Angst, als überfordert und inkompetent zu gelten. Betroffenen Lehrern riet der Mobbing-Forscher, sich nicht davor zu scheuen, Schwäche vor der Schulleitung einzugestehen und um Unterstützung zu bitten.

Wachs widersprach der Annahme, aus dem Mobbing spreche abnehmender Respekt gegenüber Lehrkräften. Vielmehr hätten Schulen einen immer größeren Erziehungsauftrag. Lehrkräfte würden dafür allerdings nicht ausreichend ausgebildet. Die Schule in NRW habe auf den Fall aber vorbildlich reagiert, indem sie Präventionsprogramme ankündigte.

Bildungs-Staatssekretär Mathias Richter (FDP) sagte der dpa: «Als Arbeitgeber ist es bei Mobbingfällen gegen Lehrkräfte nicht nur eine Aufgabe von Schulleitungen, die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, sondern auch von allen Schulaufsichtsebenen bis hin zum Ministerium. Wir nehmen diese Aufgabe sehr ernst und arbeiten daran, dass unsere Schulen Orte eines respektvollen und friedlichen Miteinanders sind.» Mobbing in jeglicher Form müsse an Schulen «konsequent bekämpft werden». Es gebe bereits «viele Unterstützungsmaßnahmen und einen umfangreichen Aktionsplan».

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