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Gürtelrose: Angeklagter im Lügde-Prozess zurück in Gefängnis

15.08.2019 - Ein Angeklagter im Prozess um den Missbrauchsfall Lügde ist krank. Das Gericht schickt ihn wegen starker Schmerzen zurück ins Gefängnis. Das bringt den Zeitplan durcheinander. Eine Gutachterin bescheinigt Mitangeklagten volle Schuldfähigkeit.

  • Der Angeklagte Andreas V. wird in den Saal des Landgerichtes geführt. Foto: Bernd Thissen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Angeklagte Andreas V. wird in den Saal des Landgerichtes geführt. Foto: Bernd Thissen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Detmold (dpa/lnw) - Der im Missbrauchsprozess Lügde angeklagte Andreas V. ist an einer Gürtelrose erkrankt. Das teilte sein Verteidiger Johannes Salmen am Donnerstag im Verfahren mit. Der 56-jährige V. hatte am Morgen sichtlich angeschlagen den Verhandlungssaal im Landgericht Detmold betreten. Er zitterte am ganzen Körper, wirkte abwesend und hatte Kratzspuren im Gesicht. Zuletzt war das Verfahren gegen ihn wegen der Viruserkrankung abgetrennt worden, da er im Gefängniskrankenhaus Fröndenberg behandelt wurde.

Weil er nach seiner Entlassung als verhandlungsfähig galt, wurde der Prozess zusammen mit dem Mitangeklagten Mario S. am Donnerstag fortgesetzt. Wegen starker Schmerzen wurde Andreas V. dann am Mittag aber zurück ins Gefängnis gebracht. Das psychiatrische Gutachten zu dem Mann, der als Hauptangeklagter gilt, wird am Freitag vorgestellt. Anschließend soll die Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers vortragen. Es folgen die Schlussworte der ersten Nebenklägervertreter. Ein Urteil will das Landgericht frühestens im September verkünden.

Weil Andreas V. frühzeitig den Gerichtssaal verließ, gab eine Gutachterin vorzeitig ihre Expertise zum Mitangeklagten Mario S. ab. Die Psychiaterin hält den 34-Jährigen für voll schuldfähig. Außerdem empfahl die Gutachterin die Sicherungsverwahrung. Sie bescheinigte dem Angeklagten eine pädophile Störung. Da er bereits seit seiner eigenen Pubertät und damit seit vielen Jahren Kinder sexuell missbraucht haben soll, gehe sie von einem Hang zu diesen Taten aus, sagte die Fachärztin aus Waltrop. «Er hat eine tiefverwurzelte Neigung und damit eine hohe Rückfallgefahr», sagte Marianne Miller.

Zuvor hatten mehrere Opfer über ihre große Angst vor den Angeklagten berichtet. In mehreren vom Gericht vorgelesenen Erklärungen äußern zwei Kinder die große Sorge, dass die Angeklagten aus dem Gefängnis ausbrechen könnten. In den Erklärungen, darunter Schilderungen von Psychologen und Opferbetreuern, ist von Alpträumen mit Killer-Clowns, schulischen Problemen und völlig verunsicherten Persönlichkeiten die Rede. Die Frage, wer gut und wer schlecht sei für die Kinder, sei nach dem Missbrauch nicht mehr zu beantworten gewesen.

Ein Beamter der Bielefelder Polizei äußerte sich als Zeuge zu den Anfängen der Ermittlungen im Februar. Damals übernahm das Polizeipräsidium Bielefeld nach Pannen bei der Polizei in Lippe. Die Aktenführung der Kollegen sei unzureichend gewesen. Alles hätte komplett neu aufgebaut werden müssen. «Die Vernehmung einiger Opfer musste wiederholt werden. Die Befragung zuvor entsprach nicht unseren Standards», sagte der 58 Jahre alte Beamte. Die Durchsuchung der Tatorte sei nicht ausreichend gewesen. «Daraufhin haben wir alles nochmals an mehreren Tagen komplett durchsucht und massenhaft Beweise sichergestellt», sagte der Beamte, der in der Ermittlungskommission «Eichwald» für die Aktenführung verantwortlich ist. Er sprach von rund 1000 Einzelstücken, darunter Wäsche und Sexspielzeug mit DNA-Spuren.

Die beiden deutschen Angeklagten sollen über Jahre auf einem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen hundertfach Kinder schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben. Verantworten müssen sich ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34 Jahre alter Komplize aus Steinheim wegen des Missbrauchs.

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