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Hotspot Baesweiler: Eine Stadt kämpft gegen Corona

22.10.2020 - Der Großteil der NRW-Bevölkerung lebt mittlerweile in einem Corona-Risikogebiet. Die Stadt Baesweiler bei Aachen ragt dabei mit einem besonders hohen Infektionswert heraus. Der Bürgermeister sieht aber keinen lokalen Lockdown kommen.

  • Willi Linkens (CDU) steht vor dem Rathaus. Foto: Henning Kaiser/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Willi Linkens (CDU) steht vor dem Rathaus. Foto: Henning Kaiser/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auf die Aufmerksamkeit, die «sein» Baesweiler momentan auf sich zieht, würde Bürgermeister Willi Linkens liebend gern verzichten: Die 28 000-Einwohner-Stadt bei Aachen ist ein besonders starker Corona-Hotspot. Dort gibt es 321 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche, wie die Städteregion Aachen am Donnerstag mitteilte. Aktuell seien 92 Menschen mit dem Virus infiziert. Zum Vergleich: Im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land lag der Wert am Donnerstag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 292,6 - dort gelten seit Dienstag strikte Ausgangsbeschränkungen.

Die Ursache für den rasanten Anstieg in Baesweiler liege im Wesentlichen bei Familienfeiern, sagte Linkens (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Außerdem hätten sich mehrere Personen bei einer Beerdigung in einer anderen Stadt infiziert und dann zu Hause in Baesweiler Familienmitglieder angesteckt. Somit sei das Infektionsgeschehen nicht breit gestreut, sondern auf einige Familien begrenzt. «Wenn sich jetzt alle an die Quarantänemaßnahmen halten, gehen wir fest davon aus, dass die Zahlen bald wieder sinken werden.»

Die Einhaltung der Quarantäne werde streng kontrolliert, betonte Linkens. Mitarbeiter der Stadt rufen demnach die Betroffenen auf deren Festnetztelefon an oder suchen sie persönlich zu Hause auf.

Außerdem ergreifen die Behörden in der Stadt noch deutlich schärfere Maßnahmen, wie sie die nordrhein-westfälische Corona-Schutzverordnung ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 ohnehin vorsieht: Sportplätze und Turnhallen bleiben von diesem Freitag an geschlossen, bei Trauungen oder Beerdigungen dürfen bis zum Jahresende nur noch zehn Menschen zusammenkommen, Konzerte und andere Kulturveranstaltungen werden abgesagt. «Wir müssen jetzt in Baesweiler alle an einem Strang ziehen und unsere persönlichen Kontakte im privaten, beruflichen und sozialen Umfeld auf das absolut Notwendige reduzieren», mahnte Bürgermeister Linkens.

Einen lokalen Lockdown allein für Baesweiler wird es nach seiner Einschätzung nicht geben. Denn die hohe Inzidenzzahl dürfe nicht isoliert betrachtet, sondern müsse in die Gesamtzahl der Städteregion Aachen einberechnet werden. Diese lag am Donnerstag bei 127 - und damit über der 100er-Marke.

Auch in mehreren anderen Gebieten in NRW ist der hohe Wert von 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche überschritten, etwa in Köln, Solingen und Duisburg. Die Landesregierung wolle einen Lockdown, der Schulen, Kitas und Wirtschaft trifft, grundsätzlich verhindern, erklärte das Gesundheitsminsterium am Donnerstag erneut.

Schon jetzt regele die Corona-Schutzverordung, dass ab einem Wert von 50 - insbesondere bei fortschreitendem Infektionsgeschehen - weitergehende Maßnahmen angeordnet werden könnten. «Wenn diese Maßnahmen gezielt auf lokal eingrenzbare Infektionsgeschehen eingehen, ist das begrüßenswert. Die kommunalen Verantwortlichen in der Städteregion Aachen stehen mit dem Landeszentrum Gesundheit entsprechend in Kontakt», teilte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage mit.

Baesweilers Bürgermeister Linkens geht nächste Woche nach 35 Jahren als Verwaltungschef in den Ruhestand. «Das ist natürlich nicht der Abschluss, den man sich wünscht», sagte der 67-Jährige. «Aber mir hat schon jemand gesagt: «Dann fällt es Dir vielleicht leichter.»»

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