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Infektionszahlen steigen: Ansturm auf Testzentren bleibt aus

08.10.2020 - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Nordrhein-Westfalen steigt weiter. Kurz vor den Herbstferien aber bleibt der große Ansturm auf die Testzentren - zumindest bislang - aus. Köln als größte NRW-Stadt bewegt sich auf den Grenzwert 50 zu.

  • Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trotz vielerorts bedenklich steigender Infektionszahlen ist kurz vor Beginn der Herbstferien ein Ansturm auf die Corona-Testzentren und Praxen in NRW bislang ausgeblieben. Mehrere Städte verhängten wegen zu vieler Neuinfektionen in der vergangenen Woche zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Dennoch gab es bei Teststationen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) nur vereinzelt in Orten mit hohen Infektionszahlen Wartezeiten. So sei eine Corona-Test-Station in Remscheid am Donnerstag von vielen Menschen besucht worden, berichtete ein dpa-Reporter. In der ersten Tageshälfte standen durchgängig zwischen 30 bis 40 Menschen für einen Abstrich in der Schlange und nahmen Wartezeiten von mehr als einer Stunde in Kauf.

Allerdings sei eine seriöse Prognose für die nächsten Tage nicht möglich, sagte Christopher Schneider von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Ähnlich äußerte sich die KV Westfalen-Lippe, die Testzentren an den Flughäfen in Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn betreibt. Es bleibe vorerst bei den derzeitigen Kapazitäten, teilte eine Sprecherin mit.

Generell stieg die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Tagen. Im Bereich zwischen 40 und 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen lagen am Donnerstag laut dem Robert Koch-Institut (RKI) Solingen mit 47,7, Gelsenkirchen mit 45,8, Köln mit 45,4 und Duisburg mit 42,1. Die landesweite Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen war in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag auf 27,0 geklettert - das ist der höchste Wert aller deutschen Flächenländer.

In Hagen und Wuppertal und im Kreis Unna ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in einer Woche über die entscheidende Schwelle von 50 gestiegen. Nach der jüngsten RKI-Übersicht beträgt der Wert im etwa 190 000 Einwohner zählenden Hagen 56,2, Wuppertal kommt nach eigenen Angaben auf eine Kennziffer von 53,2. In der RKI-Übersicht werden weiterhin Hamm (77,8) und Remscheid (59,3) mit Werten von über 50 ausgewiesen. Bei Werten oberhalb dieser Schwelle müssen die Behörden in NRW zwingend weitergehende Einschränkungen für das öffentliche Leben erlassen.

So schreibt die Landesregierung unter anderem vor, dass Feiern außer Haus dann nur noch aus besonderem Anlass und mit höchsten 25 Teilnehmern erlaubt sind. Mehrere Städte und Kreise hatten in dieser Situation außerdem die Maskenpflicht im Schulunterricht wieder eingeführt, die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen begrenzt oder bestimmt, dass sich in der Öffentlichkeit nur noch Gruppen aus maximal fünf Menschen treffen dürfen.

Auch das Gesundheitsamt von NRWs größter Stadt setzt sich angesichts der steigenden Zahlen ebenfalls mit der Möglichkeit weiterer Kontaktbeschränkungen sowie einer Maskenpflicht auf Straßen und Plätzen auseinander, sollten die Neuinfektionen die Kennziffer von 50 pro 100 000 Einwohner in einer Woche überschreiten. Die Stadt Siegburg bei Bonn schloss alle Schulen ab Freitag vorzeitig, weil so so viele Neuinfektionen gegeben hatte.

Besucher von grenznahen Einkaufzielen wie Roermond oder Venlo müssen bei der Rückfahrt nach Deutschland keinen negativen Coronatest vorweisen oder in Quarantäne. Das geht aus der seit dem 7. Oktober 2020 gültigen Einreiseverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen hervor. Das Auswärtige Amt hatte am Mittwoch auch die Region Limburg in der Nachbarschaft zu Nordrhein-Westfalen zum Corona-Risikogebiet erklärt.

Laut der in NRW gültigen Einreiseverordnung sind Personen, die sich weniger als 24 Stunden in einem Risikogebiet aufhalten, von der Meldepflicht wegen möglicher Corona-Infektionen ausgenommen.

Die stark steigenden Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus machen sich auch auf den Intensivstationen der Krankenhäuser in NRW bemerkbar. Die Kliniken sind allerdings noch weit entfernt von ihrer Kapazitätsgrenze. Nach Angaben der NRW-Landesregierung wurden am Donnerstag 535 Covid-19-Patienten in Kliniken behandelt - vor einem Monat waren es nur 190. 136 Patienten lagen auf der Intensivstation, 75 von ihnen mussten beatmet werden.

In Berlin gilt wegen des starken Anstiegs der Corona-Infektionen ab Samstag eine nächtliche Sperrstunde - im ebenfalls partyerprobten Köln wird sich am Freitag der Krisenstab mit derartigen Fragestellungen beschäftigen. «All das fließt morgen in die Sitzung des Krisenstabes ein», sagte eine Stadtsprecherin am Donnerstag. Wenn es an den bestehenden Maßnahmen Änderungsbedarf geben sollte, würden diese dort entschieden.

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