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Kein Zug, keine Kita: Improvisieren nach Sturm «Sabine»

10.02.2020 - Leere Bahnsteige, genervte Eltern: Orkan «Sabine» hat in NRW zwar zum Glück keine allzugroßen Schäden angerichtet. Das öffentliche Leben ist am Montagmorgen trotzdem kräftig durcheinander gewirbelt.

  • Ein umgestürzter Baum liegt auf einer Straße. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein umgestürzter Baum liegt auf einer Straße. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Essen (dpa/lnw) - Der Zugverkehr steht still, Schulen und Kindergärten sind geschlossen: Pendler und Eltern kämpfen nach einer vergleichsweise ruhigen Sturmnacht am Montagmorgen mit den Folgen von Orkan «Sabine». Einige Autobahnen und viele kleinere Straßen waren wegen umgestürzter Bäume auch im Berufsverkehr noch gesperrt. An den Flughäfen in Düsseldorf und Köln fielen Dutzende Starts und Landungen aus. Doch das wichtigste war: Der schwere Sturm hat in NRW offensichtlich weniger Schäden angerichtet als im Vorfeld befürchtet.

Zwar gab es Verletzte, über Todesopfer wurde jedoch zunächst nichts bekannt. In den meisten Fällen hatten es die Einsatzkräfte mit umgestürzten Bäumen zu tun. In einigen Ortschaften fiel der Strom aus. Am Montagmorgen hatte sich die Lage in NRW weitgehend beruhigt - der Sturm war Richtung Süddeutschland abgezogen.

Vor den größten Problemen standen am Montagmorgen Bahnpendler und Eltern von Schul- und Kindergartenkindern. Etliche Städte haben den Unterricht an ihren Schulen ausfallen lassen - darunter Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Aachen, Mülheim, Gelsenkirchen und Münster. Auch etliche Kindertagesstätten blieben ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an. Viele Eltern mussten kurzfristig Alternativen organisieren oder freinehmen.

Auch Bahnpendler mussten umplanen: Lediglich das private Bahnunternehmen Abellio schickte am Montagmorgen schon wieder Züge auf einige Strecken. «Wir fahren langsam und vorsichtig», sagte eine Sprecherin. Die Deutsche Bahn und die Eurobahn wollten hingegen noch abwarten. «Bei uns gilt safety first für Fahrgäste und Mitarbeiter», sagte eine Eurobahn-Sprecherin.

Die Deutsche Bahn hatte nach der Sturmnacht nach eigenen Angaben rund 50 Einsatztrupps mit Räumgerät und Kettensägen im Einsatz. «Wir rechnen damit, dass im Laufe des Vormittags erste Stecken wieder befahrbar sind», sagte eine Bahn-Sprecherin. Der Fernverkehr steht bis mindestens 10.00 Uhr komplett still. Am Sonntagabend hatte die Bahn in mehreren Bahnhöfen sogenannte Aufenthaltszüge für gestrandete Reisende bereitgestellt. Auch Hotel- und Taxigutscheine wurden ausgegeben.

Vergleichsweise entspannt war die Lage auf den Autobahnen: Der WDR meldete um 7.50 Uhr in ganz Nordrhein-Westfalen knapp 140 Kilometer Stau - das ist eher wenig für einen Montagmorgen. «Vielleicht arbeiten heute einige von zu Hause aus oder nehmen Urlaub», spekulierte ein Sprecher der Landesleitstelle der Polizei. Auf der A4 bei Kerpen und der A45 bei Hagen blockierten am Morgen noch Bäume die Fahrbahn. Mehrere Bundes-, Landes- und Kreisstraßen waren ebenfalls gesperrt. «Wir sind glimpflich davon gekommen», sagte ein Sprecher der Verkehrsleitzentrale von Straßen.NRW. Der Sturm sei zu einem Zeitpunkt gekommen, an dem die Bäume keine Blätter mehr trugen. «Da hatte der Wind weniger Angriffsfläche als bei früheren Stürmen.»

An den Flughäfen fielen trotzdem zahlreiche Flüge aus. Am größten Airport des Landes in Düsseldorf wurden Verbindungen nach Berlin, München oder Wien annulliert. In zahlreichen anderen Maschinen etwa nach Lissabon, Amsterdam oder Fuerteventura startete das Boarding nach Angaben des Flughafens aber pünktlich. Ähnlich die Situation in Köln: Während Maschinen nach Leipzig, Mailand oder Hamburg ausfielen, wurden Passagiere für Flüge nach London, Barcelona oder Manchester wie geplant abgefertigt. Vor allem die Entscheidung von Eurowings, während des Sturms fast alle Flüge zu streichen, führte an den beiden großen NRW-Flughäfen zu rund 150 gestrichenen Starts und Landungen.

Bei zahlreichen Zeitungslesern blieb der Briefkasten wegen des Sturms am Montagmorgen leer. Dafür stellten mehrere Verlage ihre E-Paper-Ausgaben kostenlos zur Verfügung oder hoben die Bezahlschranken für ihre Onlineseite auf. So waren etwa die digitalen Ausgaben von «Glocke», «WAZ», «Westdeutscher Zeitung» und «Neuer Westfälischer» am Montagmorgen kostenlos zu lesen - und passenderweise war der Sturm überall Topthema.

Die höchste Windgeschwindigkeit in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht auf Montag auf dem Kahlen Asten (842 Meter) gemessen. Einer Grafik auf Kachelmannwetter.de zufolge war dort eine Orkanböe 137 Stundenkilometer schnell. Dies entspricht Windstärke 12. Orkanartige Böen wurden demnach unter anderem in Wuppertal (111 km/h), Aachen und Werl (beide 106 km/h) registriert.

Die Feuerwehrleute waren in der Nacht zum Montag vielerorts im Dauereinsatz, landesweit gab es Hunderte Einsätze. In Mülheim an der Ruhr hatten zwei Insassen eines Autos großes Glück: Ein 25 Meter hoher Baum erwischte ihren fahrenden Wagen im hinteren Bereich. Das Auto geriet ins Schleudern und landete im Straßengraben. Die beiden konnten sich selbst befreien. Nur leicht verletzt kamen sie in ein Krankenhaus. «Wäre das Fahrzeug nur eine Sekunde eher an der Stelle gewesen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können», berichtete die Feuerwehr.

In Dortmund kam es durch den Sturm zu einem Verkehrsunfall. Dabei wurde ein Mensch schwer verletzt. In Paderborn erlitt ein 16-Jähriger durch einen herabstürzenden Ast Kopfverletzungen. In Essen wurde eine 47 Jahre alte Frau von einer herabstürzenden Schieferplatte leicht verletzt. In Krefeld beschädigten Bäume die Oberleitungen der Straßenbahn. Die Stadtwerke stellten daraufhin am Abend den Betrieb aller vier Linien ein.

Die Einsatzkräfte waren nicht nur mit dem Zersägen von Bäumen beschäftigt, die auf Straßen, geparkte Autos oder gegen Häuser gefallen waren. So berichtete die Feuerwehr Essen, dass mehrfach Bauzäune oder Baugerüste gesichert werden mussten - ebenso Baustellentoiletten, ein Pavillon oder Trampoline. Gelockerte oder herabgewehte Dachziegel waren ebenfalls häufig.

In Viersen mussten fünf Menschen ihre Wohnungen in den oberen Etagen eines Mehrfamilienhauses verlassen. Hier hatte der Wind die Fassade und eine Decke im Haus beschädigt. Die fünf kamen bei Bekannten unter. In Hemer wurde das Dach eines Hauses teilweise abgedeckt. Abgedeckte Dächer gab es auch in Oberhausen.

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