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Köln verabschiedet erstochenen Stadt-Mitarbeiter

13.01.2020 - Im Dezember wurde ein Mitarbeiter der Stadt Köln bei einem Hausbesuch getötet. Das Entsetzen war groß, der Mann war in vielen Vereinen aktiv und sehr beliebt. Die Trauerfeier für ihn ist keine gewöhnliche - und kann in dieser Art wohl nur in Köln zelebriert werden.

  • Ein Tanzmariechen ziert die Rückseite der weißen Urne des Verstorbenen, die bei der Trauerfeier für den erstochenen Mitarbeiter der Stadt auf Narrenkappen steht. Hinter der Urne haben sich Fahnenträger von...

    Ein Tanzmariechen ziert die Rückseite der weißen Urne des Verstorbenen, die bei der Trauerfeier für den erstochenen Mitarbeiter der Stadt auf Narrenkappen steht. Hinter der Urne haben sich Fahnenträger von Karnevalsvereinen aufgestellt. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Köln (dpa/lnw) - Die Urne ziert ein fröhliches Tanzmariechen aus dem Karneval, daneben liegen die einstigen Narrenkappen des Toten. Ein Tenor trägt dazu mit Schwere in der Stimme gleich zu Beginn der Trauerfeier den Karnevalsklassiker «Ich bin ene kölsche Jung» vor, den der Kölner Säulenheilige Willy Millowitsch berühmt gemacht hat. Es ist keine gewöhnliche Beisetzung, die im Kölner Stadtteil Nippes stattfindet - selbst für diese durch und durch karnevalsverrückte Stadt am Rhein nicht.

Freunde, Familie, Kollegen, die Stadt und viele Karnevalisten nehmen am Montag Abschied von Kurt Braun, der bis zu seinem Tod Mitarbeiter der Stadt Köln war. Im Dezember wurde er bei einem Hausbesuch erstochen, als er für die Vollstreckungsstelle Geld eintreiben wollte. Das Entsetzen war groß - Braun war vielen bekannt und bei vielen beliebt. Er hatte sich in zahlreichen Vereinen engagiert, vor allem im Karneval, aber etwa auch auf dem Kölner Christopher Street Day, dem traditionellen Umzug der Schwulen und Lesben. Der Mann arbeitete nicht nur für die Stadt - er vereinte auch viele Dinge in sich, die der Stadt ihr Gesicht geben.

Die Trauerfeier ist daher in einer Form gestaltet, wie sie nur hier, an diesem Ort, stattfinden kann: als Mischung aus katholischem Gottesdienst und traurigem Karnevalsumzug. Die Familie hatte zuvor wissen lassen, dass keine Trauerbekleidung erwünscht sei. Viele Gäste kommen mit Narrenkappen, in Kostümen oder Uniform. Der Tote war zudem auch in der Fetischszene aktiv - auch das spiegelt sich in einigen Outfits wider. Sein Lebensgefährte sitzt ganz vorne im Saal. Pfarrer Stefan Ehrlich sagt: «Heute, liebe Trauergemeinde, letzter Aufzug.»

«Er war sehr bekannt, er hat viele Vereine unterstützt», sagt Heinz-Günter Weiß von der «Rheinflotte», selbst im vollen Ornat erschienen. Als man aufgefordert worden sei, «bunt» zu kommen, habe man dem natürlich Folge geleistet. Die Karnevalsgesellschaft ist überzeugt, dass es der Kurt genauso gewollt hätte. Ein Sprecher der Familie berichtet, dass sich Tenor Norbert Conrads, «der karnevalistische Star-Tenor», schon einen Tag nach der Tat gemeldet habe und angeboten habe, bei der Trauerfeier zu singen.

Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) spricht. «Das ist eine Rede, die ich nie halten wollte», sagt sie. «Den Schmerz, den ein Messer hinterlässt, kann ich gut nachvollziehen.» 2015 war sie selbst nur knapp dem Tod entkommen, als ihr ein Rechtsradikaler in den Hals stach. «Und so fühle ich mich Kurt Braun auch persönlich sehr nah.»

Zwar sei klar, dass es eine absolute Sicherheit nie geben werde. Aber es sei auch ihre Verantwortung, dass «jede und jeder, der für die Stadt Köln arbeitet, weiß, dass wir alles tun, um Sicherheit zu gewährleisten».

Der mutmaßliche Täter, der nach der Tat in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wurde, hatte nach Angaben der Ermittler bereits einige Monate zuvor Bedienstete einer anderen städtischen Behörde angegriffen - davon wusste das Opfer aber wohl nichts. Der Vorfall entfachte neue Diskussionen, ob es bessere Meldesysteme für derartige Angriffe geben müsste. Köln will nun ein solches ämterübergreifendes Register einführen. Bis Ende März.

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