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Laschet ist neuer CDU-Chef

16.01.2021 - Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen: zum Beispiel die Bergmannsmarke 813. Der Talisman von Heinz Laschet brachte auch seinem Sohn Armin Glück: Jetzt ist er Chef der größten Volkspartei Deutschlands.

  • NRW-Ministerpräsident und neu gewählter Parteivorsitz, Armin Laschet, spricht. Foto: Michael Kappeler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    NRW-Ministerpräsident und neu gewählter Parteivorsitz, Armin Laschet, spricht. Foto: Michael Kappeler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet wird neuer Bundesvorsitzender der CDU. Bei einem digitalen Bundesparteitag setzte sich der 59-jährige Aachener am Samstag in einer Stichwahl gegen den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch. Sollte Laschet weiter durchmarschieren und seine politische Laufbahn mit einer Kanzlerkandidatur und einem Sieg bei der Bundestagswahl am 26. September krönen, müsste der Düsseldorfer Landtag noch in diesem Jahr einen neuen Ministerpräsidenten wählen.

Die alte Bergmannsmarke seines Vaters Heinz machte möglicherweise den Unterschied im Wettbewerb der drei Kandidaten aus NRW, bei dem der Außenpolitiker Norbert Röttgen bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden war. Zumindest brachte sie Laschet Glück.

In einer emotional gefärbten Rede hielt der Steiger-Sohn die glänzende Messingmarke mit der Erkennungsnummer 813 der längst stillgelegten Alsdorfer Zeche Anna I in die Parteitagskamera. In die coronabedingt weitgehend menschenleere Halle sagte Laschet, sein Vater habe die Marke von seinem Schlüsselbund gelöst und sie ihm als Glücksbringer mitgegeben. «Er hat gesagt: "Sag den Leuten, sie können Dir vertrauen.»

Sich aufeinander verlassen zu können, sei auch für seinen später zum Lehrer fortgebildeten Vater in dessen Bergbau-Jahren bei Hitze und Dunkelheit, 1000 Meter unter der Erde das Wichtigste gewesen, erzählte Laschet. Das sei nun auch die wichtigste Frage für die Demokratie: «Wem vertrauen?» Und mit einem über mehrere Sekunden eingefrorenen Fingerzeig in die Kamera, der SPD-Vize Kevin Kühnert zu dem Tweet provozierte «Bankräubern vertraut man nicht», fügte er hinzu: «Das entscheiden heute Sie.»

Viele Delegierte überzeugte die im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern gefühlige Rede: Auf Laschet entfielen in der Stichwahl 521 der abgegebenen 991 Delegiertenstimmen, auf Merz 466. Im ersten Wahlgang um die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer an der Spitze der CDU, hatte Merz 385 Stimmen erhalten, Laschet 380 und Röttgen 224. Das Ergebnis der Online-Abstimmung muss nun noch formal durch eine Briefwahl bestätigt werden, um rechtssicher zu sein.

Sichtlich bewegt sagte Laschet nach seiner Wahl, er werde alles dafür tun, dass die CDU die bevorstehenden Landtagswahlen in Deutschland erfolgreich bestehe und nach der Bundestagswahl «die Union den nächsten Kanzler stellt». Er erhob beim Parteitags aber keinen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur. Spekuliert wird, ob diese möglicherweise auf Jens Spahn oder auf den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zulaufen könnte, die in Meinungsumfragen deutlich bessere Werte erzielen.

Der Opposition in NRW schwant bereits Böses. Die Spitzen von SPD, Grünen und AfD ermahnten Laschet, über das neue zeitaufwendige Parteiamt seine Pflichten als Regierungschef des einwohnerstärksten Bundeslands nicht zu vernachlässigen - vor allem in der Corona-Krise. «Einen Teilzeit-Ministerpräsidenten hat das Land nicht verdient und können wir uns in dieser Zeit auch nicht leisten», stichelte der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag, Thomas Kutschaty (SPD).

SPD-Landeschef Sebastian Hartmann prognostizierte, Laschet werde in den nächsten Wochen um seine Kanzlerkandidatur kämpfen müssen. Die Interessen der Menschen in NRW und die Bekämpfung der Pandemie müssten aber «absolute Priorität haben».

Derzeit trägt Laschet Verantwortung in drei Spitzenämtern, denn seit 2021 führt er auch den mit rund 122 000 Mitgliedern stärksten CDU-Landesverband. Sollte Laschet Kanzlerkandidat und am Ende tatsächlich Nachfolger von Regierungschefin Angela Merkel werden, müsste sich in NRW früher als gedacht ein «Kronprinz» warm laufen. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (51), Verkehrsminister Hendrik Wüst (45) und der Chef der CDU-Landtagsfraktion und frühere Kriminalkommissar Bodo Löttgen (61).

Alle drei gelten als Christdemokraten mit wirtschaftsliberaler Ader und wären somit auch Garanten für die Fortsetzung der bislang weitgehend reibungslos regierenden einzigen CDU/FDP-Koalition in Deutschland. Die FDP pochte unmittelbar nach Laschets Wahl zum Chef der derzeitigen Mehrheitspartei einer großen Koalition bereits darauf, an einem eigenständigen Kurs in NRW festzuhalten.

«Schon zu Beginn der Legislaturperiode haben wir gemeinsam klargemacht, dass die NRW-Koalition nicht die verlängerte Werkbank der Bundesregierung ist», unterstrich Laschets Stellvertreter im Amt des Ministerpräsidenten, FDP-Landesparteichef Joachim Stamp, in einem Glückwunschschreiben. «Das wird auch weiterhin so bleiben.» Die nächste NRW-Landtagswahl steht turnusmäßig im Frühjahr 2022 an.

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