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Missbrauch in Lügde: Fünf weitere Kinder in Obhut

20.03.2019 - Im Fall Lügde hat das Jugendamt mehr Kinder in Obhut genommen als bislang bekannt. Der Kreis Lippe spricht neben dem Pflegekind des Hauptverdächtigen von fünf weiteren Opfern. Das Innenministerium widerspricht.

  • Ein Polizeiauto steht vor dem versiegelten Campingwagen des mutmaßlichen Täters in Lügde. Foto: Guido Kirchner/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Polizeiauto steht vor dem versiegelten Campingwagen des mutmaßlichen Täters in Lügde. Foto: Guido Kirchner/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lügde (dpa) - Im Zusammenhang mit dem massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde hat das Jugendamt Lippe fünf weitere Kinder in Obhut genommen. Das bestätigte ein Sprecher des Kreises am Mittwoch. «Die Kinder sind auf alle Fälle Opfer. Die Eltern könnten Täter sein. Das wird ermittelt. Ein Kind lebte auch in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz», sagte der Jugendamtsleiter Karl-Eitel John dem WDR.

Das Jugendamt des Kreises Lippe habe Hinweise durch Fachkräfte sowie Anzeigen bei der Polizei jeweils mit dem Verdacht auf Missbrauch erhalten, sagte der Sprecher. Nach dem ersten Fall und der Inobhutnahme Mitte November 2018 hätten alle Mitarbeiter besonders aufmerksam hingeschaut.

Von den insgesamt sechs in Obhut genommenen Kindern würden aktuell noch fünf in stationären Jugendhilfeeinrichtungen und Pflegefamilien betreut, sagte der Kreissprecher.

Nach Angaben des NRW-Innenministeriums von Mittwoch handelt es sich um vier Kinder eines alleinerziehenden Vaters, von denen drei Opfer des massenhaften Missbrauchs auf dem Campingplatz geworden seien. Das vierte Kind sei vorsorglich in Obhut genommen worden. Damit widersprach das Innenministerium den Angaben des Kreises. Der hatte alle vier Kinder als Opfer bezeichnet. Der Vater werde schon länger der Beihilfe zum Missbrauch verdächtigt. Das fünfte in Obhut genommene Kind gehöre zu einer alleinerziehenden Mutter. Das Kind sei ebenfalls Opfer, die Mutter stehe aber nicht im Verdacht der Beihilfe.

Laut Staatsanwaltschaft und Polizei Bielefeld wird derzeit in zwei Fällen gegen jeweils ein Elternteil ermittelt. Bei dem einen Elternteil handelt es sich um den bereits bekannten 56-Jährigen Hauptbeschuldigten, bei dem ein Pflegekind wohnte. Das zweite Elternteil ist ein weiterer der bereits bekannten sieben Beschuldigten, gegen die ermittelt wird. Der Vorwurf lautet nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf Beihilfe zum sexuellen Missbrauch.

Diese bereits länger laufenden Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagt die Staatsanwalt und betont: «Es liegen derzeit keine Hinweise darauf vor, dass die Kinder den Beschuldigten 'zugeführt' wurden.» Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte sich am Mittag im WDR noch anders geäußert. «Seit gestern wissen wir, dass etwas passiert ist, dass ein Vater eigene Kinder dem Campingplatz zugeführt hat. Eigene Kinder! Da ist man ja nur noch fassungslos», sagte Reul im Mittagsmagazin.

Reuls Sprecher konkretisierte seine Aussage: «Die Äußerung des Ministers in der heutigen Live-Sendung ist dahingehend zu verstehen, dass gegen einen Kindsvater der Verdacht besteht, dass er trotz Kenntnis der Missbrauchshandlungen durch den Hauptbeschuldigten, diesem weiterhin seine Kinder anvertraute und bewusst auf die Erstattung einer Strafanzeige verzichtete. Gegen diesen Vater wurde ein Verfahren wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch zum Nachteil seiner eigenen Kinder eingeleitet.»

Nach Angaben des Innenministeriums ist die Zahl der bestätigten Opfer des Missbrauchs auf 35 gestiegen. In der Vorwoche lag diese Zahl bei 34. Die Ermittler gehen zusätzlich von 16 Verdachtsfällen aus, zwei mehr als bislang angenommen.

In dem ersten bekanntgewordenen Fall soll ein arbeitsloser Dauercamper gemeinsam mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Der 56-Jährige setzte dabei sein Pflegekind, ein kleines Mädchen, den Ermittlungen zufolge ein, um andere Opfer anzulocken. Anfang 2017 hatte der Mann auf Wunsch der im Kreis Hameln in Niedersachsen lebenden Mutter die Pflegschaft für das Mädchen erhalten, das schon länger bei ihm lebte.

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