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Missbrauchsprozess: Fotografieren von Kindern zugegeben

07.10.2019 - Was geschah in einer Praxis in Bad Oeynhausen? Im Missbrauchsprozess äußerte sich erstmals der Angeklagte. Dass er Kinder fotografiert hat, gibt er zu, schweren sexuellen Missbrauch aber streitet er ab.

  • Auf der Richterbank liegt ein Richterhammer. Foto: Uli Deck/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Auf der Richterbank liegt ein Richterhammer. Foto: Uli Deck/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bielefeld (dpa/lnw) - Im Prozess um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in der Praxis eines Heilpraktikers in Bad Oeynhausen hat der Angeklagte das Erstellen und den Besitz von kinderpornografischen Fotos eingeräumt. Der 61-Jährige sagte am Montag in dem Verfahren am Landgericht Bielefeld, dass er die Fotos für sich selbst gemacht, aber nicht weiterverbreitet habe. Der Physiotherapeut räumte auch erstmals eine Neigung zur Pädophilie ein. Zuvor hatte seine Anwältin eine rund 15-minütige Erklärung ihres Mandanten vorgelesen.

Weiterhin bestreitet der Mann aus Bad Oeynhausen in Ostwestfalen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, dass er mehrfach im Rahmen seiner Praxis junge Mädchen schwer sexuell missbraucht haben soll. «Ich habe grundsätzlich kein Finger in eines der Opfer eingeführt. Ich wüsste auch nicht, wozu das bei der Therapie gut sein soll», sagte der 61-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten 44 Taten zur Last, darunter 37 Mal schweren sexuellen Kindesmissbrauch. Acht Opfer listet die Anklage auf: junge Mädchen, die zum Tatzeitpunkt zwischen sechs und zwölf Jahren alt waren. Laut Anklage nutzte der Mann die körperliche Nähe als Therapeut aus, um unter dem Deckmantel einer ordnungsgemäßen Behandlung sexuelle Handlungen vorzunehmen.

Das bestritt der Angeklagte. Der Praxisbesitzer erläuterte auf Nachfragen des Gerichts ausführlich, welche Qualifikation er hat und mit welchen Griffen und medizinischen Werkzeugen er seine Patienten, darunter nicht nur Kinder, behandelt. Dabei ging es auch um angebliche Spezialgriffe zwischen die Beine, um Fehlhaltungen der Wirbelsäule oder des Beckens zu korrigieren. Auch schilderte der Angeklagte, wie er medizinisches Gerät zum Beispiel auf Höhe des Schambeins einsetzt.

Der Vorsitzende Richter Carsten Nabel äußerte Zweifel: «Ich habe zu dieser Methode in der Literatur nichts gefunden. Wer hat Ihnen das beigebracht?». Der 61-Jährige verwies auf Fortbildungen. Bei Nachfragen musste der Physiotherapeut passen. Ein Sachverständiger für Physiotherapie und Heilpraktiker beobachtet seit Montag den Prozess. Er soll dem Gericht später erläutern, wie er die Einlassung des Angeklagten bewertet. Der Prozess wird am 28. Oktober fortgesetzt.

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