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Noch kein Alltag nach Corona in Sicht: aber Abi-Prüfungen

27.03.2020 - Vielen Menschen haben langsam genug vom Corona-Kampf. Dabei ist ein Ende noch lange nicht in Sicht. Erst mal müssen die Abiturienten verschobene Prüfungen hinnehmen und dieses Wochenende werden bei strahlendem Sonnenschein die Kontaktsperren kräftig kontrolliert.

  • Yvonne Gebauer (FDP), Bildungsministerin in NRW. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Yvonne Gebauer (FDP), Bildungsministerin in NRW. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schulen und Kindergärten seit zwei Wochen zu, die Wirtschaft zunehmend im Abwärtsstrudel und private Kontakte kaltgestellt - in Nordrhein-Westfalen wächst in der Corona-Krise der Wunsch nach Normalität. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mahnt: «Geduld muss man jetzt haben: Die Maßnahmen, die beschlossen sind, müssen wir in aller Konsequenz weiter durchhalten - auch um zu sehen, welche Maßnahmen greifen.» Keine Entspannung - im Gegenteil: Am Samstag planen viele Kommunen wegen des schönen Wetters scharfe Kontrollen in Parks und auf Plätzen.

Die knapp 90 000 Abiturienten im Land müssen mit einer Verschiebung ihrer Abi-Prüfungen um drei Wochen auf den 12. Mai als Starttermin zurechtkommen, die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf ankündigte. Damit hätten die Schüler mehr Zeit, sich auf die Prüfungen vorzubereiten, sagte die Ministerin. Sie gehe davon aus, dass die Schulen nach den Osterferien am 20. April wieder öffnen können. Sicher wissen kann das auch die Ministerin nicht.

Termin-Debatten für einen Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen hält der NRW-Regierungschef für viel zu früh - Laschet will vorher mehr über das Virus wissen. Im Corona-Hotspot, dem Kreis Heinsberg, untersuchen deshalb Forscher der Uni Bonn beispielhaft für Deutschland, was die Virus-Übertragung begünstigt. Nach den Osterferien werde man entscheiden, wie es weitergehe mit dem öffentlichem Leben, sagt Laschet.

Dabei sollen Erkenntnisse aus Heinsberg helfen - etwa zu der Frage: Was hat die Infektion dort beschleunigt: «Ist es der Griff auf die Fernbedienung, auf die Türklinke, oder muss es persönlichen Kontakt geben?» sagte Laschet am Freitag. Der Bonner Virologe und Projektleiter Professor Hendrik Streeck erhofft sich Erkenntnisse, «wie wir am besten eine Eindämmung weiterhin erreichen, ohne dass das Leben in den nächsten Jahren zum Erliegen kommt», sagte Streeck.

Landesweit ist der Zuwachs an Neuinfizierten mit mehr als 1100 weiter auf hohem Niveau und lag am Freitag bei gut 12 000 bestätigten Fällen (Stand 16.30 Uhr). Nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann werden davon rund 300 intensivmedizinisch behandelt, rund 250 beatmet - bei rund 6100 Intensivbetten, davon rund 4200 mit Beatmungsmöglichkeit. Die Zahl der Todesfälle stieg von 82 am Vortag (Stand 16.00 Uhr) auf 88.

Im Kreis Heinsberg wird der Zuwachs an Neuinfektionen mittlerweile durch Gesundungen kompensiert, wie der Heinsberger Landrat Stephan Pusch deutlich machte: Die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern stagniere. Zur Zeit wisse aber niemand, welche Maßnahmen am effektivsten seien.

Zugleich bangen immer mehr Kleinunternehmer, deren Betriebe vorübergehend schließen mussten, um ihre Existenz. Am Freitag wurde das Portal für Online-Anträge auf staatliche Soforthilfen für kleinere Betriebe in NRW gestartet. Betriebe mit bis zu fünf Angestellten können 9000 Euro beantragen, Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten 15 000 Euro.

Grundsätzlich seien Testungen der beste Weg, um Infektionsketten zu durchbrechen, sagt Virus-Forscher Streeck. NRW schafft jetzt mehr Kapazitäten zur Untersuchung von Coronavirus-Proben. Ab Montag beteiligen sich auch die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter an der Analyse von Corona-Tests, wie das NRW-Umweltministerium am Freitag mitteilte. Täglich könnten insgesamt 1500 Proben von mutmaßlich mit dem Virus infizierte Menschen ausgewertet werden. Damit sollen die überlasteten humanmedizinischen Labore unterstützt werden.

Das Land arbeitet nach Angaben des Gesundheitsministers außerdem an der Steigerung der Kapazitäten vor allem bei den Beatmungsmöglichkeiten. Auch wenn mittlerweile 800 000 Schutzmasken und Tausende Schutzkittel angekommen seien, bleibe das Land auf dem leer gefegten Markt weiter am Ball.

Immer mehr Labore und Forschungseinrichtungen helfen bei der Versorgung mit Atemschutzmasken. An der Universität Duisburg-Essen werden dafür Bauteile mit 3-D-Druckern hergestellt, wie Stefan Kleszczynski vom Lehrstuhl für Fertigungstechnik sagte. Auch beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sollen Atemschutzmasken und Ventile für Beatmungsgeräte im 3-D-Druckverfahren hergestellt werden.

Unterstützung bekommen Krankenhäuser bei der Aufnahme und Versorgung von Corona-Patienten von Medizinstudenten der Uni Münster. 1800 von 3000 Studenten werden jetzt im Schnelldurchlauf auf die Aufgabe vorbereitet. Dafür wurde nach Angaben der Uni eine einwöchige Fortbildung entwickelt, die üblicherweise ein halbes Jahr dauert.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) wandte sich entschieden gegen Vorschläge, zunächst nur noch ältere Menschen und Risikogruppen zu isolieren. Die alleinige Isolation älterer Menschen führe zu einer Spaltung der Gesellschaft, die sie zutiefst ablehne, schrieb Reker am ersten Tag nach ihrer eigenen häuslichen Quarantäne im «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitag).

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