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Patientinnen vergewaltigt? Arzt begeht Suizid in U-Haft

24.09.2020 - Der Verdacht gegen den Mediziner war schwer. Er soll Patientinnen in einer Klinik vergewaltigt und seine Taten gefilmt haben. Nun fand man ihn tot in seiner Zelle.

  • Blick auf das evangelische Klinikum Bethel. Foto: Friso Gentsch/dpa/Aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf das evangelische Klinikum Bethel. Foto: Friso Gentsch/dpa/Aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein Arzt, der zwei Patientinnen betäubt und dann vergewaltigt haben soll, hat sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen. Der Leiter der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede sagte am Donnerstag auf dpa-Anfrage, der 32-jährige Neurologe sei am Morgen tot in seiner Zelle gefunden worden. Er habe sich erstickt, wofür er seine fachlichen Kenntnisse als Mediziner genutzt habe, schilderte Uwe Nelle-Cornelsen. Das «Westfalen-Blatt» hatte zuvor über den Suizid berichtet.

Der Mann war verdächtigt worden, im Juli und September 2019 in einer Klinik zwei Frauen vergewaltigt zu haben, ein Opfer sei zweimal sexuell missbraucht worden. Der 32-Jährige habe seine mutmaßlichen Taten gefilmt, hatten die Ermittler am Mittwoch mitgeteilt. Der Mediziner war am Montag festgenommen worden, am Dienstag hatte das Amtsgericht Haftbefehl erlassen. Eine der Frauen hatte Anzeige erstattet und damit die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Der 32-Jährige habe sich innerhalb der JVA in einem Infektionsschutzbereich befunden, der wegen Corona eingerichtet worden war, sagte Nelle-Cornelsen. Dort habe man ihn leblos in seiner Zelle aufgefunden. Es sei ein «normales Todesermittlungsverfahren» aufgenommen worden, hieß es bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld. In solchen Fällen gehe es in den Untersuchungen etwa darum, eine Fremdeinwirkung vollständig auszuschließen.

Der Mann war als Assistenzarzt in der Evangelischen Klinik Bethel tätig, dort freigestellt worden und hatte das Arbeitsverhältnis später von sich aus beendet, wie das Krankenhaus gemeldet hatte. Der Mediziner soll bei einer MRT-Untersuchung zur Sedierung vorsätzlich ein Medikament verabreicht haben, das nicht den Richtlinien entsprach. Zunächst war man laut Klinik nicht von einer schweren Straftat ausgegangen. Es sei wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt worden. Das Krankenhaus hatte sich bestürzt über die offensichtlich neue Beweislage und Festnahme des Mannes gezeigt.

Laut «Westfalen-Blatt» könnte es womöglich weitere Opfer geben. Bei einer Durchsuchung seien Dokumente mit Dutzenden Namen von Frauen gefunden worden. Dazu wollte sich die Staatsanwaltschaft am Donnerstag nicht äußern.

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