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Revival der Autokinos in NRW: Sogar zum Ostergottesdienst

07.04.2020 - Im Zeitalter von Privatfernsehen und Streaming-Diensten hielten viele Autokinos für ein etwas skurriles Relikt aus der Vergangenheit. Nun erleben die Parkplätze mit Riesen-Leinwand durch die Corona-Krise ein unerwartetes Revival. Sogar beten kann man dort.

  • Der Sänger der Band Brings, Peter Brings, singt in Köln (Nordrhein-Westfalen). Foto: Daniel Naupold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Sänger der Band Brings, Peter Brings, singt in Köln (Nordrhein-Westfalen). Foto: Daniel Naupold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Autokinos erleben durch die Kontakt-Verbote in der Corona-Krise ein unerwartetes Revival. In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen eröffnen neue Autokinos, denn sie sind eines der letzten kulturellen Angebote in der Krise. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) erklärte dazu mit Blick auf die aktuellen Corona-Regeln: «Angebote, die dennoch eine Form des sozialen Miteinanders ermöglichen, sind momentan wichtiger denn je.»

So startet auch in Düsseldorf ein Angebot. Von diesem Mittwoch an (8.4.) werden am Messeparkplatz P1 täglich Filme gezeigt. Rund 500 Autos pro Vorstellung finden Platz, der Kartenvorverkauf läuft gut. Zum Auftakt soll «Lindenberg! Mach Dein Ding» laufen.

Der Besuch der großen Leinwand ist allerdings nur unter einigen Auflagen möglich. Es gibt keine Abendkasse, Tickets sind nur online erhältlich. Diese können durch die geschlossene Autoscheibe am Eingang gescannt werden. Zudem dürfen nicht mehr als zwei Leute in einem Auto sitzen, mit Ausnahme der eigenen Kinder.

Am Montag hatte bereits in Marl im Ruhrgebiet ein Autokino eröffnet. Als erstes wurde dort «Der König der Löwen» gezeigt.

Das Autokino feierte erst vor kurzem 60-jähriges Jubiläum in Deutschland, denn am 31. März 1960 eröffnete im hessischen Neu-Isenburg das deutschlandweit erste Autokino. Als Premierenfilm flimmerte damals der oscargekrönte Streifen «Der König und ich» mit Yul Brynner und Deborah Kerr über die riesige Leinwand. Bereits in den ersten fünf Monaten kamen 250 000 Besucher.

Was macht dabei den Reiz des Autokinos aus, damals wie heute? «Man ist im Kino, aber genießt eine Intimität wie im Wohnzimmer», sagt Theaterleiter Heiko Desch. Man könne rauchen, die Füße hochlegen, den Hund mitbringen und werde nicht von raschelnden Chipstüten anderer gestört.

Durch Privatfernsehen und Internet erlebte die Branche jedoch einen massiven Rückgang. 2019 gab es laut der Filmförderungsanstalt bundesweit 18 Autokinos, 15 Jahre zuvor waren es noch 38. Nun entstehen durch die Corona-Krise neue Autokinos in NRW. Doch nicht nur Hollywood-Filme schaffen es zur Zeit auf die große Leinwand. Auch Künstler und Kirchen nutzen die Autokinos, um die Menschen in NRW zu erreichen.

So tritt die Kölner Mundart-Band Brings am 17. und 18. April in einem Autokino im Stadtteil Porz auf. Die Konzerte seien als «Signal der Lebensfreude in diesen Zeiten schwerer Prüfungen» gedacht, teilte die Band mit. Das Autokino lasse 250 Fahrzeuge mit je zwei Erwachsenen und einem Kind bis 14 Jahren zu. Die Band werde live spielen und auf die Leinwand übertragen. Über eine hauseigene Frequenz werde der Ton in die Autos gesendet. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) erklärte: «Nachdem das Autokino wieder eröffnen darf, ist das Eröffnungs-Kinokonzert eine Streicheleinheit für die kölsche Seele.»

Gläubige sollen trotz der Corona-Krise in dem Düsseldorfer Autokino Ostergottesdienste besuchen können. Geplant sei ein ökumenischer Gottesdienst an Karfreitag, ein katholischer am Ostersonntag und ein evangelischer an Ostermontag, sagte ein Sprecher des Veranstalters der Deutschen Presse-Agentur. Beginnen sollen die Live-Gottesdienste jeweils um 11 Uhr. Der Düsseldorfer Stadtdechant Frank Heidkamp sagte der «Bild»-Zeitung, dass die Kirchen «den Menschen über die Osterfeiertage auf diese Weise nah sein können».

Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Düsseldorf sollen in dem Autokino ein Podest und ein Altar aufgebaut werden. Am Freitag führen demnach Stadtdechant Heidkamp und Superintendent Heinrich Fucks durch den ökumenischen Gottesdienst.

Der Ton der gut einstündigen Feierlichkeiten soll übers Autoradio empfangbar sein, wie der Veranstalter erklärte. Für die Leinwand sei es dagegen zu hell, sie werde nicht genutzt.

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