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Sonnenstrom vom Wasser: Schwimmendes Kraftwerk in Betrieb

01.10.2020 - Die Suche nach Standorten für große Solaranlagen ist oft schwierig. Platz für schwimmende Sonnenkraftwerke wäre auf Baggerseen und den gefluteten Braunkohletagebauen. Noch steckt diese Technik in Deutschland aber in den Kinderschuhen.

  • Die rund 150 Meter mal 50 Meter große Solaranlage des Kiesproduzenten Hülskens schwimmt auf einem Baggersee. Foto: Roland Weihrauch/dpa/Aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die rund 150 Meter mal 50 Meter große Solaranlage des Kiesproduzenten Hülskens schwimmt auf einem Baggersee. Foto: Roland Weihrauch/dpa/Aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Solarparks brauchen Platz, der in einem dicht besiedelten Land oft nur schwer zu finden ist. Baggerseen kommen da als Alternative ins Spiel. Auf ihnen können schwimmende Solaranlagen zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Während im Nachbarland Niederlande schon zahlreiche solcher Kraftwerke auf dem Wasser im Betrieb sind, steht ihre Nutzung in Deutschland noch am Anfang.

Auf einem Baggersee am Niederrhein wurde am Donnerstag die bislang größte Anlage dieser Art in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Das 150 mal 50 Meter große schwimmende Kraftwerk besteht aus 90 kleinen Pontons, auf denen 2000 Solarmodule montiert sind. Es soll eine Spitzenleistung von 750 Kilowatt erreichen und fast den gesamten Energiebedarf des Sand- und Kiesproduzenten Hülskens decken. Eine ähnlich große Anlage ist seit dem vergangenen Jahr auf einem Baggersee in Baden-Württemberg im Einsatz.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagte in Weeze, die Produktion von Solarstrom dort, wo er verbraucht werde, biete viele Vorteile. Die schwimmende Solaranlage zeige, «wie Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit bei der Energieerzeugung miteinander verbunden werden können».

Schwimmende Sonnenkraftwerke haben nach Ansicht von Experten eine Reihe von Vorteilen. Es gibt kaum Konflikte mit anderen Nutzungen der Flächen. Eine intensive, ganztägige Sonneneinstrahlung sorgt dafür, dass der Stromertrag höher als bei einer gleich großen Anlage an Land ist. Zudem habe das Wasser einen kühlenden Effekt auf die Module.

Warum gibt es dann erst so wenige schwimmende Photovoltaikanlagen in Deutschland? Die Kosten für schwimmende Solaranlagen seien derzeit noch höher als bei Freiflächenanlagen am Boden, heißt es beim Solarpark-Entwickler Baywa. «Damit können sie nicht in den allgemeinen Solar-Ausschreibungen gegen diese bestehen», sagte ein Unternehmenssprecher. Daneben seien die Genehmigungsprozesse für diese neuen Anlagen in Deutschland unklar. Das bringe Unsicherheiten bei den Genehmigungsbehörden mit sich.

Im Ausland installiert Baywa schwimmende Solarparks, die vielfach größer sind als die Anlagen in Deutschland. In den Niederlanden hat das Unternehmen Anfang des Jahres eine Anlage mit einer Spitzenleistung von mehr als 27 Megawatt errichtet. Rund 73 000 Solarmodule sind dort verbaut worden - 36 Mal so viele wie in Weeze.

Auch der Energieriese RWE, der verstärkt auf grünen Strom setzt, hat das Thema schwimmende Solaranlagen entdeckt. «Das Potenzial für schwimmende Solaranlagen ist groß, und das Thema nimmt weltweit Fahrt auf», sagte ein Sprecherin. RWE prüfe auch in Deutschland derzeit Optionen, «sowohl für Forschungs- als auch kommerzielle Projekte».

Ein erster Vorstoß der Essener war allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Im vergangenen Jahr war die damalige RWE-Tochter Innogy in der Stadt Grevenbroich mit der Idee vorstellig geworden, eine Demonstrationsanlage auf dem dortigen Neurather See zu errichten, dem Restsee eines ehemaligen Braunkohletagebaus. Der Umweltausschuss der Stadt ließ sich aber nicht von dem Plan überzeugen.

Tagebauseen gelten als besonders geeignet für schwimmende Solaranlagen. Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme hat ermittelt, dass auf den knapp 500 Tagebauseen in Deutschland Solaranlagen mit einer Spitzenleistung von 2,74 Gigawatt wirtschaftlich betrieben werden könnten. Die Studie von Anfang des Jahres bezieht sich vor allem auf die Seen in Ostdeutschland. Aber auch im rheinischen Revier gebe es einiges Potenzial, heißt es bei der Energieagentur NRW mit Blick auf die in den Tagebauen Garzweiler und Hambach entstehenden großen Seen.

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