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Studenten starten ins «Hybrid-Wintersemester»

12.10.2020 - Stell dir vor, du beginnst Dein Studium und erlebst es nur vor dem Computer - Corona macht vielen jungen Leuten einen Strich durch die Rechnung. Online-Vorlesungen haben aber auch Vorteile: lernen nach dem eigenen Rhythmus mit Rückspultaste für Professoren-Sprech.

  • Die nordrhein-westfälische Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Isabel Pfeiffer-Poensgen. Foto: Roland Weihrauch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die nordrhein-westfälische Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Isabel Pfeiffer-Poensgen. Foto: Roland Weihrauch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hunderttausende Studenten starten in diesen Tagen in Nordrhein-Westfalen in ein neues Wintersemester, das weiterhin von Corona-Ausnahmebedingungen geprägt seien wird. Viele werden ihre Hochschulen wegen der Pandemie nur noch selten von innen sehen und die Vorlesungen stattdessen online verfolgen.

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) sprach am Montag in Düsseldorf von einem «Hybridsemester» mit klassischen Vorlesungen in den Hochschulen plus Online-Angeboten. Vor allem für Erstsemester solle der Campus geöffnet werden, um den Einstieg ins Studium und damit in einen neuen Lebensabschnitt zu unterstützen, betonte sie. Dies sei «ein ganz wesentlicher Erfahrungsschatz».

Generell sei das Motto: «So viel Präsenz wie möglich, so viel online wie nötig.» Die Gesundheit der Studierenden und Lehrenden behalte höchste Priorität. «Die Gefahr von Superspreading-Events - etwa durch stark nachgefragte Vorlesungen in großen Hörsälen - gilt es zu verhindern», warnte die Ministerin.

Infektionsschutz und Mindestabstand bleiben Vorschrift. Die Corona-Epidemie-Hochschulverordnung soll bis zum Ende des Wintersemesters 2020/21 entsprechend verlängert werden. Sie gebe weiterhin die rechtliche Grundlage für Prüfungen mittels elektronischer Kommunikation, erläuterte Pfeiffer-Poensgen.

Mehrere Spitzenvertreter der NRW-Hochschulen verwiesen auf positive Erfahrungen aus dem Sommersemester. «Wir haben gesehen, dass das funktioniert», bilanzierte der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Marcus Baumann. Die Studierenden hätten sich gut organisiert. «Ja wohl, da geht.»

Kunst- und Musikhochschulen planen aber wieder mehr Veranstaltungen vor Ort. «Die künstlerisch-praktische Ausbildung in Präsenz ist über einen längeren Zeitraum durch nichts zu ersetzen», unterstrich der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Kunst- und Musikhochschulen, Thomas Grosse. Neben den gestalterischen sollen auch die naturwissenschaftlichen Fächer, die auf Atelier- oder Laborräume angewiesen sind, wieder mit einem größeren Angebot vor Ort aufwarten.

Schon zum Ende des Sommersemesters war erlaubt worden, bis zu 50 Studierende wieder in einem Hörsaal zuzulassen und bis zu 20 Studierende in einem Praktikumsraum. «Man kann Organische Chemie nicht von Büchern lernen», betonte Baumann. Für solche Grenzwerte würden bereits die größten Hörsäle und Seminarräume gebraucht, erklärte Gerhard Sagerer von der Landesrektorenkonferenz der Universitäten.

Grundsätzlich sollen große Universitäten versuchen, bei Vorlesungen mit vielen Studierenden auf Online-Formate auszuweichen. Im Bereich der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften soll der Präsenzbetrieb vor allem für Erstsemester ermöglicht werden. Einige Hochschulen planen zudem Selbstlernbereiche, um den Wechsel zwischen Präsenz- und Online-Veranstaltungen ohne Ortswechsel zu erleichtern.

Trotz des Verlustes an wissenschaftlichem Diskurs und sozialen Kontakten vor Ort habe die Corona-Pandemie aber mindestens der Digitalisierung an den Hochschulen einen Schub verliehen, der sonst jahrelang nicht erreicht worden wäre, sagten mehrere Spitzenvertreter der NRW-Hochschulen. «Wenn es Covid-19 nicht mehr gibt, wird es weiter Online-Vorlesungen geben», betonte Baumann. Auch Sagerer bilanzierte: «Es gibt kein Zurück mehr. Die Digitalisierung lässt sich nicht zurückdrehen.» Allein an der Uni Bielefeld gebe es inzwischen über 1500 Videokonferenzen pro Tag.

Viele Studierende könnten dem auch Positives abgewinnen. Online-Vorlesungen könnten sie sich «nach eigenem Bio-Rhythmus anhören und auch mal zurückspulen», berichtete Sagerer aus entsprechenden Rückmeldungen. «Das trägt zur Zufriedenheit bei.»

Eine so weitreichende Öffnung wie etwa an Schulen sei an den Hochschulen in der Pandemie unmöglich. «Wir haben höhere Durchmischungsgefahren, ein heterogeneres Publikum und viel größere Einzugsgebiete.»

Zum Wintersemester 2019/20 waren in NRW rund 770 000 Studenten an einer der fast 70 Hochschulen eingeschrieben. Erste Trends zum neuen Wintersemester seien wegen der verlängerten Einschreibe- und Rückmeldungsfristen frühestens im November zu erwarten, sagte Pfeiffer-Poensgen.

Mit deutlich weniger Studierenden sei aber nicht zu rechnen, sagten die Hochschulvertreter - eher im Gegenteil. Schließlich falle das nach dem Abitur so beliebte Auslandsjahr wegen der Corona-Beschränkungen bei den meisten weg, erklärte Baumann. «Da geht man doch sicherheitshalber zur Hochschule.» Vielleicht könnte es in dem ein oder anderen Studiengang sogar «einen bisschen harmloseren NC geben», falls es doch zu Verschiebungen komme, meinte Sagerer.

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