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Tafel-Vorsitzender: Zu viele Lebensmittel im Müllcontainer

06.06.2019 - Massenweise Lebensmittel landen in Abfallcontainern von Supermärkten. An der Verschwendung tragen die Verbraucher eine Mitschuld, meint der Vorsitzende der Tafeln.

  • Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. Foto: Jörg Carstensen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. Foto: Jörg Carstensen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Köln (dpa/lnw) - Der Bundesvorsitzende der Tafeln, Jochen Brühl, hält eine mögliche Legalisierung des Lebensmittel-Einsammelns aus Abfallcontainern für zu kurz gegriffen. «Es ist zwar gut, das zu entkriminalisieren. Aber am Ende hat es doch einen bitteren Nachgeschmack», sagte Brühl der Deutschen Presse-Agentur in Köln. «Man muss sich doch vielmehr darüber Gedanken machen, warum diese Waren überhaupt in dem Container sind. Da geht es um unser Konsumverhalten.» Die Justizminister der Länder beraten seit Mittwoch in Lübeck unter anderem darüber, ob die Entnahme von Lebensmitteln aus Müllcontainern vor Supermärkten künftig straffrei sein soll.

Brühl sagte, beim Thema Lebensmittelverschwendung müsse jeder sein eigenes Verhalten hinterfragen. «Müssen wir denn bis 21 Uhr alle Sorten Brot in der Bäckerei finden?» Viele Kunden im Supermarkt erwarteten, dass alle Waren bis zum Ladenschluss frisch verfügbar seien und immer neu nachgelegt würden. «Natürlich haben Lebensmittelindustrie und Handel ihren Anteil daran. Aber wir brauchen insgesamt ein Umdenken in der Gesellschaft und können unseren Einfluss als Konsumenten stärker nutzen.» Erste Erfolge sehe man ja beispielsweise bei der Vermeidung von Plastikverpackungen, meinte Brühl anlässlich des Bundestafeltreffens in Köln.

Von Donnerstag bis Samstag kommen dort rund 700 Mitarbeiter von Tafeln aus ganz Deutschland zusammen, um unter anderem über Zukunftsstrategien zu diskutieren. Höhepunkt soll am Samstag eine rund 100 Meter lange öffentliche Tafel auf dem Kölner Heumarkt sein.

Die mehr als 940 Tafeln in Deutschland versorgen nach Angaben des Dachverbands regelmäßig rund 1,5 Millionen Bedürftige mit überschüssigen Lebensmitteln. Rund 60 000 Ehrenamtliche arbeiten bei den Tafeln mit.

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