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Über 200 000 Privatschüler in NRW

07.08.2019 - Privatschulen erhitzen seit jeher die Gemüter: Garantieren sie mehr Vielfalt und Profil oder verschärfen sie bloß das Bildungsgefälle zwischen gut und weniger betuchten Eltern und ihren Schulkindern?

  • Mäppchen liegen vor einer Schülerin der 5. Klasse. Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mäppchen liegen vor einer Schülerin der 5. Klasse. Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Düsseldorf (dpa/lnw) - Privatschulen verschärfen aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die soziale Spaltung. Die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern forderte die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, dem «Privatschulboom» entgegenzuwirken. «Leider muss davon ausgegangen werden, dass der Zustand vieler öffentlicher Schulen zur Steigerung der Nachfrage nach Privatschulen beigetragen hat», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. An öffentlichen Schulen ist in den vergangenen Jahren oft über mangelhafte Ressourcen und Sanierungsbedarf, aber auch über unsaubere Schultoiletten geklagt worden.

Der Zulauf zur Privatschule gilt in NRW allerdings nicht für alle Schulformen. Dementsprechend vermelden das Schulministerium und das Statistische Landesamt gegenläufige Entwicklungen. Das Schulministerium spricht von einem «leicht rückläufigen Trend in den vergangenen beiden Schuljahren».

Bei der Gesamtbetrachtung aller Schulformen - inklusive privater Weiterbildungs- und Berufskollegs (fast 41 000 Schüler) sowie sämtlicher privater Förderschulen (fast 13 000 Schüler) - ergebe sich bei der Zahl der Privatschulen ein Rückgang um 13 auf 540 zwischen den Schuljahren 2016/17 und 2018/2019. An diesen sogenannten Ersatzschulen sei die Zahl der dort Angemeldeten seitdem um knapp ein Prozent auf insgesamt 208 011 gesunken.

Dagegen vermeldet das Statistische Landesamt seit Jahren steigende Privatschülerzahlen ,nimmt dabei aber vor allem die klassischen allgemeinbildenden Regelschulen in den Blick - ohne die häufig bereits von jungen Erwachsenen besuchten Weiterbildungs- und Berufskollegs. Bei der Betrachtung privater Förderschulen beschränkt sich das Landesamt zudem auf die Grund- und Hauptschulen (8418 Schüler).

Unter diesem Blickwinkel ist die Zahl der Privatschüler in NRW in den vergangenen Jahren beständig gewachsen - zuletzt um rund 500 auf fast 164 000 im soeben abgelaufenen Schuljahr. Gemessen an der Gesamtzahl der Schüler in NRW liegt der Anteil der Privaten demnach bei insgesamt 8,6 Prozent. Besonders hoch ist ihr Anteil mit 16,8 Prozent an Gymnasien. Einen Höchstwert an Privatschülern erreichte NRW den Angaben zufolge 2011/12 mit 165 230 Köpfen.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sieht keinen Handlungsbedarf. «Das Grundgesetz und die Landesverfassung garantieren die Privatschulfreiheit und gewähren das Recht zur Errichtung privater Schulen», unterstrich die FDP-Politikerin. «Eine gute und erfolgreiche Bildungsbiografie ist in Nordrhein-Westfalen an allen Schulformen möglich.» Schulen in privater Trägerschaft ergänzten das öffentliche Schulwesen und böten Eltern bei der Suche nach der passenden Schule für ihr Kind weitere Auswahlmöglichkeiten.

Das spezifische Profil - etwa bei kirchlichen oder bei Waldorfschulen - könne durchaus ein Entscheidungsgrund sein, räumte GEW-Chefin Maike Finnern ein. «Bildungspolitisch ist diese Entwicklung aber höchst problematisch. Die Existenz privater Schulen wirkt sozial selektiv.» Gerade in kleineren Kommunen sei zu befürchten, dass Träger sich künftig vermehrt für Privatschulen entscheiden könnten, weil die Gründungsbedingungen für sie leichter seien.

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