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Vonovia: Weg zur Klimaneutralität braucht finanzielle Hilfe

22.09.2020 - Um die Klimaziele zu erreichen, muss der Kohlendioxidausstoß beim Wohnen kräftig reduziert werden. Technisch sei das möglich, sagt Deutschlands größter Vermieter Vonovia. Für die nötigen Investitionen brauche man aber Fördermittel - auch um die Mieter zu entlasten.

  • Der Schriftzug des Wohnungsunternehmens Vonovia an der Firmenzentrale. Foto: Marcel Kusch/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Schriftzug des Wohnungsunternehmens Vonovia an der Firmenzentrale. Foto: Marcel Kusch/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Wohnungsbranche benötigt nach Einschätzung des Vorstandschefs von Deutschlands größtem Vermieter Vonovia, Rolf Buch, finanzielle Unterstützung auf dem Weg zur Klimaneutralität. «Wir wissen, was wir technisch in unserem Wohnungsbestand tun müssen», sagte Buch der Deutschen Presse-Agentur. Der Umbau sei auch finanzierbar, wenn durch gesetzliche Änderungen die Stromerzeugung und Stromspeicherung in den Wohnquartieren unterstützt werde.

Es gebe eine Reihe von Programmen, «die wir als Wohnungswirtschaft aufgrund der EU-Vorgaben derzeit nicht nutzen können», betonte Buch. Wenn die Unternehmen Zugang zu diesen Finanzierungsquellen erhielten, «würde dies die Mieter deutlich entlasten und Investitionen für die Wohnungswirtschaft wirtschaftlich machen». Vonovia war in der Vergangenheit wegen starker Mietsteigerungen nach Sanierungen in die Kritik geraten. Der Konzern hatte daraufhin angekündigt, Erhöhungen nach einer Modernisierung auf 2 Euro je Quadratmeter zu begrenzen.

Keine Hilfe, den Gebäudebestand klimaneutral zu machen, seien die in der Corona-Krise aufgelegten Investitionsprogramme, sagte Buch. «Bisher wird die energetische Sanierung von Gebäuden mit bis zu 200 000 Euro bezuschusst. Bei Investitionen in Milliardenhöhe hilft das großen Unternehmen nicht wirklich weiter.» Auf das Heizen entfallen nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 60 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen im Bereich Wohnen.

Vonovia will möglichst viel Strom selbst produzieren. «Jedes Vonovia-Dach, das einigermaßen in der Sonne liegt, werden wir in den nächsten 30 Jahren mit Solarkollektoren bestücken», kündigte Buch an. Der so erzeugte Strom soll unter anderem in Wasserstoff umgewandelt und gespeichert werden. Über eine Brennstoffzelle könnten dann im Winter die Gebäude beheizt werden. In einem Wohnviertel am Firmensitz Bochum testet Vonovia dieses Verfahren. «Wir wollen damit die Blaupause für andere Wohnungsunternehmen liefern», sagte Buch.

Vonovia ist mit rund 356 000 Wohnungen der größte Vermieter in Deutschland. Weitere etwa 60 000 Wohnungen besitzt der Dax-Konzern in Schweden und Österreich. Buch will beim Wohnungsbestand auf Expansionskurs bleiben. «Im Ausland haben wir rein prozentual gesehen bessere Wachstumschancen, da wir dort noch kleiner sind», betonte er.

Vonovia war zuletzt beim niederländischen Immobilieninvestor Vesteda eingestiegen. «Wir werden Vesteda auch mit Kapital helfen, größer zu werden», kündigte Buch an. Wenn Pensionsfonds weitere Anteile verkaufen wollten, «sind wir gerne bereit, sie zu übernehmen». Auch in Schweden sehe man sich nach Zukaufsmöglichkeiten um.

In Deutschland sieht Buch ebenfalls Expansionsmöglichkeiten. Es seien noch viele Wohnungsbestände im Besitz von Finanzinvestoren. «Da würde der eine oder andere Politiker sagen, es wäre vielleicht ganz gut, wenn Vonovia die übernimmt.» Buch rechnet nicht mit einem Abflauen des Wohnungsmangels in den Großstädten. Der Trend zur Urbanisierung sei ungebrochen «und damit leider auch die Wohnungsknappheit».

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