Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Wegen Corona weniger Saisonkräfte auf Feldern

04.06.2020 - Die große Sorge der Landwirte, in der Corona-Krise ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland ernten zu müssen, hat sich nicht bestätigt. Allerdings sind weniger Saisonarbeiter auf den Feldern im Einsatz. Es geht auch um Wirtschaftlichkeit, erklären die Landwirte.

  • Ein Mann aus Rumänien arbeitet als Saisonarbeitskraft auf einem Spargelfeld. Foto: Guido Kirchner/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Mann aus Rumänien arbeitet als Saisonarbeitskraft auf einem Spargelfeld. Foto: Guido Kirchner/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auf dem Spargelhof Schulze Blasum der Familie Laurenz ist man erleichtert, dass die schlimmsten Befürchtungen nicht wahr geworden sind. Als wegen des Coronavirus die Grenzen schlossen, war die Angst, ohne Saisonarbeiter aus Rumänien auskommen zu müssen, riesig. «Es war der Horror. Ich bin auf meine Mitarbeiter angewiesen», sagt Spargelbauer Johannes Laurenz, dessen Hof in Werne am Rande des Ruhrgebiets liegt.

Spargel zum Selbststechen? Studenten oder Arbeitslose einsetzen? Alles kraftraubende und wenig erfolgreiche Versuche, zum Saisonstart sein erfahrenes Stammpersonal aus Rumänien zu ersetzen, berichtet der Landwirt. Und so ist er froh, dass er nun doch genug Mitarbeiter beschäftigt, um Spargel und Erdbeeren zu ernten - auch wenn das hohen logistischen wie finanziellen Aufwand bedeute, der in diesem Jahr mit der gesunkenen Nachfrage im Gastronomiesektor erst recht nicht aufzufangen sei.

Der Präsident der westfälisch-lippischen Bauern, Hubertus Beringmeier, betont in der schwierigen Corona-Saison: «Ohne Hilfe der langjährigen osteuropäischen Arbeitskräfte wäre eine reibungslose Ernte unmöglich.» Entsprechend dankbar seien die Landwirte, dass im April erreicht wurde, unter strengen Auflagen Arbeitskräfte einfliegen zu lassen - auch wenn es deutlich weniger sein werden als in den Vorjahren.

NRW-weit kommen normalerweise mehr als 50 000 Saisonarbeitskräfte. Überwiegend reisen sie aus Rumänien ein, ein kleinerer Teil aus Polen. In diesem Jahr fehlten zum Saisonstart zunächst 85 Prozent dieser Kräfte, berichtet der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV). Inzwischen konnte das aufgeholt werden: 10 000 Mitarbeiter sind demnach auf den 1000 Gemüse- und Obsthöfen im Verbandsgebiet im Einsatz, bis Saisonende werden es maximal 18 000 sein - statt der üblichen 25 000. Im Rheinland beklagen Landwirte nach Verbandsangaben ebenfalls das Fehlen von Saisonarbeitskräften.

Die Gemüse- und Obstbetriebe seien bisher ganz unterschiedlich von Gewinneinbrüchen betroffen, berichtet Beringmeier. Wer überwiegend den Gastronomiebereich beliefere habe «ganz, ganz große Probleme». «Wer stärker auf den Hofverkauf setzt, kommt etwas besser durch», so Beringmeier. Denn der Direktverkauf erlebe zur Zeit einen Aufschwung.

Doch während die Einnahmen eher schrumpfen, sind die Ausgaben gestiegen: Besonders ins Gewicht fallen die Mehrkosten für die Anreise und Unterbringung der Arbeitskräfte in der Corona-Krise, sagt Marion von Chamier, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes der Landwirte in Westfalen-Lippe. Rumänische Arbeiter dürfen nur noch mit dem Flugzeug ins Land. Um die Quarantänebestimmungen für Neuankömmlinge gewährleisten zu können, mussten Pensionen oder zusätzliche Unterbringungscontainer angemietet werden. Der WLV schätzt, dass dadurch Zusatzkosten von 1000 Euro pro Saisonkraft entstehen. Da sei es gut, dass die Arbeiter in diesem Jahr fünf Monate statt normalerweise nur drei am Stück da bleiben dürfen, sagt von Chamier.

Hinzu komme eine stark eingebrochene Nachfrage nach einigen Sorten, weil die Gastronomie lange geschlossen gewesen sei und nur langsam wieder anlaufe. Spargelbauern hätten daher beschlossen, einige Felder gar nicht erst abzuernten. So rechnet der Deutsche Bauernverband bis Ende der Spargelsaison am 24. Juni bundesweit in etwa mit einer Erntemenge von 100 000 Tonnen - einem knappen Drittel weniger als im Vergleich zu den Vorjahren.

Manche Höfe hätten auch Probleme gemeldet, ausreichend Personal zu rekrutieren. In den Ausgangsländern gebe es Ängste, sich in Deutschland mit dem Coronavirus zu infizieren. Insbesondere Betriebe aus dem Rheinland beklagen, dass zu wenig Saisonkräfte verfügbar seien. Genaue Zahlen würden aber nicht erfasst, heißt es beim Rheinischen Landwirtschaftsverband.

«Viele Saisonarbeitskräfte fürchten sich anzustecken, viele haben aber auch einfach Angst, ein Flugzeug zu besteigen, weil sie noch nie geflogen sind», sagt Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern. Paradoxerweise seien es dabei häufig die strengen Hygieneauflagen, die Ängste eher schüren statt abbauen. Ein Teil der Ernte werde deshalb auf den Feldern bleiben - auch dann drohen hohe Einbußen.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren