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Wo Adenauer auf den Teppich stieg: Der legendäre Petersberg

22.09.2019 - Konrad Adenauer betrat hier einen Teppich, der für ihn tabu war, und der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew fuhr eine deutsche Limousine zu Schrott: Der Petersberg bei Bonn atmet Geschichte - und glänzt jetzt noch etwas mehr.

  • Das Hotel auf dem Petersberg, aufgnommen aus der Luft mit einer Drohne. Foto: Henning Kaiser © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Hotel auf dem Petersberg, aufgnommen aus der Luft mit einer Drohne. Foto: Henning Kaiser © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Königswinter (dpa) - Das geschichtsträchtige Hotel auf dem Petersberg präsentiert sich künftig im neuen Gewand. Mit einer Rede von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) wird am Montag der Abschluss einer zweijährigen Modernisierung gefeiert. 40 Millionen Euro seien investiert worden, sagte Direktor Michael Kain. Das Hotel wird heute von der Deutschen Hospitality (ehemals Steigenberger) betrieben, befindet sich aber weiterhin im Bundesbesitz. Nach wie vor finden dort Staatsempfänge und politische Veranstaltungen statt.

331 Meter hoch thront das Hotel in Königswinter über dem Rhein. Bei gutem Wetter kann man bis zum Kölner Dom schauen - und der ist mit dem Auto durchaus eine Dreiviertelstunde entfernt.

Das Hotel wurde 1912 von dem Kölner Millionär Ferdinand Mülhens (1844-1928) errichtet, dem Besitzer der damals in der ganzen Welt verbreiteten Parfümmarke 4711. 1938 kam der erste Staatsgast: Der britische Premierminister Neville Chamberlain übernachtete auf dem Petersberg vor einem Treffen mit Adolf Hitler in Bad Godesberg - es ging um die Sudetenkrise.

Nach dem Krieg wurde das beschlagnahmte Hotel zum Sitz der drei Hohen Kommissare der West-Alliierten USA, Großbritannien und Frankreich. Nach seiner Wahl zum ersten deutschen Bundeskanzler wurde Konrad Adenauer hier am 21. September 1949 - also vor genau 70 Jahren - empfangen. Die drei alliierten «Vizekönige» standen dabei auf einem Teppich, die deutsche Delegation sollte davor stehen bleiben. Doch Adenauer demonstrierte seinen Anspruch auf Gleichbehandlung, indem er sich unter Missachtung des Protokolls zu ihnen auf den Teppich stellte.

Nach dem Auszug der Alliierten mietete die Bundesregierung in Bonn das Hotel als Gästehaus an. 1965 wurde hier die Queen während ihres ersten Deutschlandbesuchs empfangen. Das inzwischen in die Jahre gekommene Kurhotel genügte den Ansprüchen jedoch immer weniger, so dass es vier Jahre später geschlossen wurde. 1973 öffnete es noch einmal für den sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew. Der bekam von seinen deutschen Gastgebern einen Mercedes geschenkt, den er während einer nächtlichen Fahrt über die Serpentinenwege prompt gegen einen Baum steuerte. Der Kremlherr blieb unverletzt.

Während der 80er Jahre wurde das Hotel mit großem finanziellen Aufwand ausgebaut. Als es 1990 endlich fertig war, zeichnete sich bereits der Umzug nach Berlin ab. Bevor es 1999 soweit war, wurde das Gästehaus allerdings noch intensiv genutzt. Daneben entwickelte es sich auch zum gesellschaftlichen Treffpunkt - so heiratete hier 1995 der Rennfahrer Michael Schumacher.

Auch wenn die Regierung mittlerweile in Berlin sitzt, ist die politische Rolle des Petersbergs nicht ausgespielt. So war er 2001 Schauplatz der Afghanistan-Konferenz zur demokratischen Neuordnung des Landes nach der Entmachtung der Taliban. Heute spreche man unter anderem von den «Petersberg-Aufgaben» der Westeuropäischen Union, es gebe den «Petersberger Klima-Dialog» und den deutsch-russischen «Petersberg-Dialog», erläutert der Historiker Guido Thiemeyer. «Der Petersberg steht symbolisch für den außenpolitischen Bedeutungswandel der Bundesrepublik Deutschland.»

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