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21-Jährige getötet: Freund wegen Mordes verurteilt

26.11.2019 - Ein Mann attackiert seine Freundin im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung. Die junge Frau verblutet innerhalb von Minuten. Die Richter sprechen von Mord und verminderter Schuldfähigkeit

  • Land- und Amtsgericht Mainz. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Land- und Amtsgericht Mainz. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz/Worms (dpa/lrs) - Wegen Mordes an seiner Freundin hat das Landgericht Mainz einen 28-Jährigen zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter waren am Dienstag überzeugt: Der Mann erstach im Streit die junge Frau im gemeinsamen Schlafzimmer in Worms. Die Tat sei heimtückisch und vorsätzlich gewesen, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung. Außerdem müsse der Tunesier in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden, weil er für die Allgemeinheit gefährlich sei. «Man kann nicht davon ausgehen, dass das eine singuläre Tat war.»

Der Mord passierte im März diesen Jahres zur Fastnachtszeit. Die 21 Jahre alte Freundin sei im gemeinsamen Schlafzimmer im Bett gewesen, der Angeklagte im Nebenraum, erläuterte der Richter die Situation. Beide hätten sich gestritten. Der Wortwechsel sei aber nicht so gewesen, dass die junge Frau mit Gewalt habe rechnen müssen. Vielmehr habe sie entspannt mit dem Rücken zur Schlafzimmertür gelegen. «Die dadurch bedingte Wehrlosigkeit hat der Angeklagte bewusst ausgenutzt.» Mit einem Küchenmesser habe er seine Freundin erst von hinten, später auch von vorne angegriffen und rund 30 Mal auf sie eingestochen. Die 21-Jährige habe sich noch etwa 30 Sekunden lang gewehrt, dann sei sie bewusstlos geworden und kurz darauf verblutet.

Während der Urteilsverkündigung ist auch die Mutter der getöteten Deutschen im Verhandlungssaal. Die meiste Zeit starrt sie nach unten, während der Richter spricht und ringt mit den Tränen. Schließlich verlässt sie fluchtartig und wortlos den Raum. Der Angeklagte ist die meiste Zeit seinem Übersetzer zugewandt, sein Gesichtsausdruck oft regungslos.

Was hat ihn zum Mord getrieben? Der Richter spricht von einem «Motivbündel». «Die Beziehung war von Anfang an von Problemen geprägt.» Unter anderem habe sie sich ihm nicht unterordnen wollen. Bei Auseinandersetzungen sei es beispielsweise um ihre angeblich zu freizügige Kleiderwahl gegangen. Bereits vor der Mordnacht sei die Situation immer wieder eskaliert und er habe sie teilweise beispielsweise geohrfeigt oder getreten.

Außerdem liege bei dem 28-Jährigen eine wahnhafte Störung vor, die schließlich in die Messerattacke mündete. Der Angeklagte habe geglaubt, seine Freundin habe ihn betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt. Davon sei der Mann überzeugt gewesen und dafür habe er sich rächen wollen. «Es ging dem Angeklagten selber um eine Sanktionierung.» Die Wahnvorstellungen hätten auch nach der Tat angehalten, erklärte der Richter. Der 28-Jährige sei beispielsweise im Gefängnis davon ausgegangen, dass sein Mithäftling eingeschleust worden sei, um ihn auszuhorchen.

Die Störung wirkte sich auf das Strafmaß aus. Der Richter sprach von einer verminderten Schuldfähigkeit. Auch das Geständnis habe sich strafmildernd ausgewirkt - obwohl der Täter wegen der Spuren auch ohne seine Einlassung wahrscheinlich gefunden worden wäre. Auf der anderen Seite sei die Einsicht des 28-Jährigen in der Mordnacht nicht beeinträchtigt gewesen. «Er war sich bewusst, dass ein Messerangriff tödlich sein kann», betonte der Richter. «Er wusste auch, dass er nicht töten darf.» Zudem habe er keine echte Reue gezeigt. Vielmehr bestehe bei ihm eine «erstaunliche Ich-Bezogenheit».

Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig. Es könne innerhalb von einer Woche noch Revision eingelegt werden, sagte der Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft und die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung gefordert. Die Verteidigung hatte auf acht bis zehn Jahre plädiert. Die Nebenklage hingegen hatte keine Strafmilderung gesehen und lebenslange Haft verlangt.

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