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37 Arten von Mosel-Wanderfischen: Durchgängigkeit angestrebt

15.10.2019 - Alte Stauwehre an der Mosel versperren vielen Wanderfischen den Weg. Künftig sollen moderne Fischtreppen ihren Aufstieg ermöglichen. Doch das dauert - bisher ist nur die Staustufe Koblenz gut durchlässig. Dort schmuggeln sich manchmal Überraschungsgäste in die Fischtreppe.

  • Die Luftaunahme mit einer Drohne zeigt die Moselstaustufe Koblenz und das MOSELLUM - Erlebniswelt - Fischpass Koblenz. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Luftaunahme mit einer Drohne zeigt die Moselstaustufe Koblenz und das MOSELLUM - Erlebniswelt - Fischpass Koblenz. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Koblenz (dpa/lrs) - 37 Arten von Wanderfischen sind in der Mosel bei Koblenz wieder nachgewiesen. Manche wie etwa Maifische galten hier viele Jahrzehnte als ausgestorben, wie die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in der Rhein-Mosel-Stadt der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Nun würden sie wieder im Rhein angesiedelt.

Gezählt werden Moselfische bei dem in Rheinland-Pfalz einmaligen Besucher- und Informationszentrum Mosellum in Koblenz nahe der Mündung der Mosel in den Rhein. Hier schwimmen Wanderfische neben drei Besichtigungsfenstern eine Fischtreppe mit vielen Wasserbecken hinauf. Langfristig soll die gesamte deutsche Mosel für diese Tiere wieder durchgängig werden. Bislang stoppen zahlreiche Staustufen viele Wanderfische.

Offiziell angestrebt wird, die deutschlandweite Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen für aufsteigende Fische bis 2027 zu erreichen. Allerdings könnte dies laut BfG mangels genügend Mitarbeitern und aus organisatorischen Gründen deutlich länger dauern. An der Mosel soll 2020 mit dem Bau einer zweiten modernen Fischtreppe an der Staustufe Lehmen begonnen werden.

Insgesamt gibt es zehn Staustufen mit Kraftwerken an der deutschen Mosel. «Die haben alle schon Fischaufstiegsanlagen. Aber die sind 60 bis 70 Jahre alt, sehr steil mit zu kleinen Becken und schwer sauber zu halten», sagte der BfG-Biologe Bernd Mockenhaupt. An allen Staustufen sollen daher moderne Fischtreppen entstehen. Die Kosten dieser Anlagen können jeweils in die Millionen gehen.

Das 2011 eröffnete Mosellum wurde bis 2018 von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord pädagogisch betreut. Seit diesem Jahr ist dafür der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Auftrag des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums zuständig. Laut BUND-Projektleiterin Helene Kraniotakes wurde das pädagogische Konzept mit mehr Personal erweitert und das Eintrittsgeld abgeschafft. Es gebe Führungen, Workshops, Vorträge und für Kinder Kreuzworträtsel. «Wir haben seit März 9500 Besucher gezählt», sagte Kraniotakes. Das sei deutlich mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Am (heutigen) Dienstag (15.10.) wollte Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne) hier eine Zwischenbilanz der Neuorientierung ziehen.

Laut dem BfG-Biologen Mockenhaupt passierten 2015 mehr als 230 000 Fische die Fenster des Mosellums. 2016 und 2017 waren es jeweils rund 80 000, für 2018 liegt noch keine Zahl vor. «Das sind natürliche Schwankungen. In manchen Jahren gibt es viele Jungfische, die dann die Fischtreppe hinaufwandern, in anderen nicht. Es können vielleicht auch mal eine Million Fische im Jahr sein», erklärte der Experte.

Manche Fischarten wandern nach seinen Worten nur wenige Dutzend Kilometer, beispielsweise Rotaugen. Andere wie Nasen, Lachse und Meerforellen bringen es auf Hunderte von Kilometern. «Im Mosellum ist eine präparierte Meerforelle ausgestellt, die von hier bis Norwegen geschwommen ist», sagte Mockenhaupt. Ein winziges Plastikschildchen an der Rückenflosse habe das nachgewiesen.

Manche Fische leben laut dem Biologen sogar ganzjährig in der Koblenzer Fischtreppe, zum Beispiel Forellen und junge Barben. «Die können sich in den Steinen am Beckengrund verstecken und finden dort auch was zu fressen.» Hin und wieder würden von den beiden montierten Unterwasserkameras auch seltene Gäste in der Fischtreppe nachgewiesen: Kormorane. «Die können lange tauchen», sagte Mockenhaupt. Ohnehin lauerten diese Vögel gerne an den Staustufen der Mosel auf Fische als Beute.

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