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Ablässe von Flugzeugkerosin: Messstellen werden nachgerüstet

04.04.2019 - In Notsituationen lassen Flugzeuge über Rheinland-Pfalz Treibstoff ab. Das führt zu starker Kritik in der Pfalz. Mit Zusatzgeräten soll die Luftqualität im Überfluggebiet jetzt besser überwacht werden.

  • Ein Flugzeug startet vom Flughafen aus in den Sonnenuntergang. Foto: Daniel Reinhardt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Flugzeug startet vom Flughafen aus in den Sonnenuntergang. Foto: Daniel Reinhardt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa/lrs) - Mit nachgerüsteten Messstationen und Zusatzgeräten will die Landesregierung auf die Sorgen von Einwohnern und Kommunen über das umstrittene Notablassen von Flugzeug-Kerosin eingehen. «Die Ablässe von überschüssigem Kerosin über Rheinland-Pfalz haben bei vielen Bürgerinnen und Bürgern zu großen Sorgen und in vielen Räten zu Resolutionen geführt», sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) in Mainz. Mit den Messstationen im Pfälzerwald, aber auch im Hunsrück und in der Westpfalz könne die Landesregierung die Luftqualität im möglichen Überfluggebiet besser überwachen.

«Gerade im vergangenen Jahr haben die Treibstoffablässe deutlich zugenommen», sagte Höfken. Dem Ministerium zufolge setzten Flugzeuge allein zwischen 2016 und November 2018 rund 590 Tonnen Kerosin über dem Bundesland frei. Neben der Messstation im Pfälzerwald (Hortenkopf) wurden nun die Stationen in der Westpfalz (Dunzweiler) und im Hunsrück (Leisel) nachgerüstet. Damit sind in möglichen Ablassgebieten drei Detektoren aktiv, die Kohlenwasserstoffverbindungen in der Luft messen können.

Kritik kommt von der Opposition in Mainz. «Es ist vollkommen unverständlich, warum die Umweltministerin erst jetzt einige wenige zusätzliche Meßstellen einrichten will. Wir diskutieren dieses Thema schon seit vielen, vielen Monaten» sagte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf. «Viel mehr» müsse geschehen. «Es ist zwingend erforderlich, die Vorgänge des Kerosinablassens wissenschaftlich zu analysieren. Dazu müssen veraltete Studien auf Basis neuer, aussagekräftiger Messungen aktualisiert werden.»

Der Toxikologe Prof. Dr. Bernd Kaina von der Universitätsmedizin in Mainz begrüßte den Schritt des Landesumweltministeriums. «Es ist erfreulich, dass sich hier etwas tut. Die Forderung war immer: zeitnahe Meldung an die Landesregierung und bessere und zeitnahe Messung», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Mit der Aufrüstung der Messstationen ist man sicherlich auf dem richtigen Weg.»

«Bisher sind die Messwerte unauffällig und typisch für den ländlichen Raum, das ist eine gute Nachricht. Aber wir werden das natürlich weiter beobachten», sagte Höfken. Die Landesregierung hatte im Oktober mit einer Bundesratsinitiative mehr Transparenz zum «Fuel Dumping» (Treibstoff ablassen) erreicht. «Damit soll der Informationsfluss über erfolgte Ablassereignisse für die Bürger und die Überwachungsbehörden verbessert werden», sagte Höfken.

Flugzeuge lassen in Notlagen Treibstoff ab, um mit weniger Gewicht sicher landen zu können. Die Flugsicherung teilt ihnen Flughöhen und Gebiete zu. «Fuel Dumping» ist vor allem ein Problem im südlichen Rheinland-Pfalz. Das Bundesland ist wegen der Nähe zum Frankfurter Flughafen vergleichsweise häufig von Kerosinablässen betroffen.

Kritiker fordern allgemein mehr Transparenz. So sei unklar, welche Folgen das Ablassen von Kerosin für Gesundheit und Umwelt haben. Auch veröffentlichten die verantwortlichen Flugsicherheitsdienste bislang Zahlen nur auf Anfrage und nähmen keine eigenen Messungen vor. Mehr als 78 000 Menschen haben eine Online-Petition der Initiative Pro Pfälzerwald dazu unterzeichnet. Die Landesregierung und die Deutsche Flugsicherung sollten das Ablassen von Treibstoff binnen 24 Stunden bekannt geben, lautet die zentrale Forderung der Petition.

Cornelia Hegele-Raih von der Initiative Pro Pfälzerwald zeigte sich skeptisch. «Diese Messstationen werden allenfalls zufällig einen möglichen Kerosinvorfall messen können. Dafür bräuchte es eher einen mobilen Messwagen», sagte sie. «Dafür genügt dann aber nicht die Frist von drei Tagen, innerhalb derer das gemeldet werden muss.»

«Die Nachrüstung von zwei weiteren Messstationen ist nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen wir uns dafür einsetzen, zum Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger sowie der Umwelt die Belastung durch Kerosinablässe zu verringern», meinte die Ministerin. Die Landesregierung habe bei der Umweltministerkonferenz 2017 erreicht, dass die Bundesregierung die bisherige Einschätzung von Gutachtern - dass Kerosinablässe für die Umwelt und den Menschen unbedenklich seien - neu bewerten lasse. «Ich hoffe, dass die Ergebnisse auf der Umweltministerkonferenz im Mai vorgestellt werden», sagte Höfken.

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