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Albino-Känguru und Kurzkrallenotter: Tierparks gut besucht

19.09.2019 - Mit den langsam sinkenden Temperaturen ziehen in Rheinland-Pfalz die Tierparks und Zoos eine Bilanz der abgelaufenen Saison. Hat das Wetter die Besucher abgehalten - oder war das Interesse wieder groß?

  • Ein Albino-Känguru steckt im Zoo von Neunkirchen (Saarland) seinen Kopf aus dem Beutel seiner Mutter. Foto: Zoo Neunkirchen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Albino-Känguru steckt im Zoo von Neunkirchen (Saarland) seinen Kopf aus dem Beutel seiner Mutter. Foto: Zoo Neunkirchen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neuwied/Landau (dpa/lrs) - Trotz Hitze und Trockenheit im Sommer: Befragte Tierparks in Rheinland-Pfalz und im Saarland sind mit der auslaufenden Saison insgesamt zufrieden. Die Furcht mancher Betreiber, ein Zoobesuch sei altmodisch und reize die heutige Generation nicht mehr, scheint sich jedenfalls nicht zu bestätigen.

Eher im Gegenteil: Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) registriert ein ständig steigendes Interesse. So gingen 2018 in Deutschland mehr Menschen in Tierparks als im Jahr zuvor: Der VdZ zählte bei seinen Mitgliedern 34,9 Millionen Besucher (2017: 31 Mio). Und da waren die neuen Berliner Zuschauermagneten, die beiden Pandas, noch nicht einmal auf der Welt.

Gleichwohl verstummt auch nicht die Diskussion über das Tierwohl in Zoos. 2018 ergab aber eine Forsa-Umfrage, dass 81 Prozent der Deutschen zoologische Gärten und Tierparks in Deutschland gutheißen. «Zoos sind heute allein durch die weltweite Gefährdung der Artenvielfalt wichtiger als je zuvor», meinte Volker Homes vom VdZ.

Ein Beispiel dafür könnte der Zoo Neuwied sein. Hier ist der Nachwuchs der Katzenbären, einer hoch bedrohten Tierart, eine neue Attraktion. «16 Jahre haben wir darauf warten müssen», erzählte Direktor Mirko Thiel. Am 11. Juni seien dann Zwillinge geboren worden: ein Männchen und ein Weibchen. «Vormittags und nachmittags verlassen sie jetzt auch schon mal ihre Wurfhöhle.»

Auch im saarländischen Neunkirchen lockt ein Neuankömmling Besucher an: ein Albino-Känguru, das zwar 2018 geboren wurde, aber erst 2019 zum ersten Mal aus dem Beutel schaute. «Das hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt», sagte Tierpädagoge Christian Andres. Auch der erste Alpaka-Nachwuchs seit etlichen Jahren im Zoo habe Besucher begeistert. Und zwei helle Löwen, die vorübergehend in Neunkirchen untergebracht sind, locken Gäste an.

Auch Landau widmet sich dem Schutz seltener Arten. Mit Hochdruck arbeitet der dortige Zoo an der Fertigstellung einer neuen Anlage für bedrohte Tierarten der Philippinen - etwa Prinz-Alfred-Hirsche oder Visayas-Mähnenschweine. Der Zoo unterstützt Projekte wie in Ruanda und Ghana, und das kommt auch den Besuchern in der Südpfalz zu Gute: Nach Umnutzung der in die Jahre gekommenen Seebärenanlage erfreuen sich dort Asiatische Kurzkrallenotter großer Beliebtheit.

In Landau verlief die Saison insgesamt zufriedenstellend. «Die Besucherzahlen liegen über dem Vergleich der vergangenen zwei Jahre», sagte Direktor Jens-Ove Heckel. Im Bestand gebe es einige besondere Zuchterfolge. «Und die Zooschule kann mit ihrem anspruchsvollen Umweltbildungsprogramm auf mehrere tausend Nutzer verweisen», meinte Heckel. «Wir sind erfreut und glücklich über den ansteigenden Zuspruch», teilten auch Wilfried Adelfinger und Marco Mitzinger vom Tiergarten Worms mit. «Wir fühlen uns bestärkt, dass wir mit unseren Angeboten und der Weiterentwicklung auf dem richtigen Weg sind.»

Nicht leicht war es hingegen im Jahr eins nach Überschwemmungen und Verwüstungen für den Eifel-Zoo in Lünebach (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Bauarbeiten standen im Fokus, wie Ken Reise vom Zoo-Team sagte. Es seien aber auch bereits etliche Besucher auf das Gelände gekommen, das in zwei großen Teilen wieder eröffnet worden ist. Im nächsten Frühjahr soll die neue Großraubkatzen-Anlage in Betrieb genommen werden. Ein Unwetter am 1. Juni 2018 hatte den Eifel-Zoo verwüstet und einen Millionenschaden angerichtet.

Das Wetter spielte auch 2019 eine wichtige Rolle. «Zum Glück ist es nicht so lange so heiß wie letztes Jahr», sagte Direktor Thiel in Neuwied. «Bei 35 oder 38 Grad geht ja doch keiner mehr in den Zoo, und wir haben auch Hanglage.» Thiel ist nicht unzufrieden. «Wir bewegen uns bei den Zahlen im oberen Durchschnitt. Pro Jahr haben wir schätzungsweise 200 000 bis 250 000 Besucher. Bei weiterhin gutem Wetter könnten es in diesem Jahr 250 000 Besucher werden.»

Auch der Zoo Neunkirchen ist mit dem Sommer «ganz zufrieden». Die Entwicklung lasse erwarten, dass die Besucherzahl vom vergangenen Jahr mit insgesamt rund 155 000 getoppt werde, wie Tierpädagoge Christian Andres sagte. «Wir hoffen, dass wir im Herbst noch eine Schippe drauflegen können.» Neu eröffnet wurden eine Anlage für Fossa-Raubkatzen, ein Steinkauz-Zentrum und zwei Vogel-Volieren.

«Der Sommer war rückblickend eher unbeständig, dennoch blieb der Besucherandrang kontinuierlich und im Vergleich zum Vorjahr sogar außerordentlich hoch», meinte Nina Hochstrasser vom Tiergarten Worms. Und auch die Betreiber des Wild- und Wanderparks bei Silz atmen nach der Saison auf. «Wir sind zufrieden, hatten schönes Wetter und auch viele Gäste aus dem Elsass», sagte eine Sprecherin.

Bei einer Tagung in Rheinland-Pfalz vereinbarten rund 70 Zoos in Deutschland, Österreich und der Schweiz übrigens vor zwei Jahren, noch stärker zu einem außerschulischen Lernort zu werden. Nötig sei dazu aber mehr Geld vom Staat, hieß es bei dem Treffen in Landau. Immerhin würden mehr als eine Million Kinder und Jugendliche den Nachwuchsbereich der Zoos der VdZ-Mitglieder besuchen.

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