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Ausstellung macht quälende Stille im Foltergefängnis hörbar

16.07.2020 - «Enter the Void» heißt die neue Schau der Kunsthalle Mainz. Sie führt ihre Besucher zu Leerstellen, zu Verlusterfahrungen. Mit den Mitteln der Kunst werden diese sinnlich greifbar gemacht.

  • Blick auf den Video-Essay «Forest Law» bei der Ausstellung «Enter the Void». Foto: Norbert Miguletz/Kunsthalle Mainz/Norbert Miguletz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf den Video-Essay «Forest Law» bei der Ausstellung «Enter the Void». Foto: Norbert Miguletz/Kunsthalle Mainz/Norbert Miguletz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit der Aufforderung zum Eintritt in die Leere lotet eine Ausstellung der Kunsthalle Mainz schmerzliche Verlusterfahrungen aus: «Enter the Void». Das schon lange geplante Ausstellungsprojekt habe mit der Corona-Krise nun eine zusätzliche Brisanz erfahren, sagte Kunsthallen-Leiterin Stefanie Böttcher zu der Präsentation, die bis zum 1. November zu sehen ist. «Man hat das Gefühl, die Welt würde zusammenschrumpfen, weil überall ein gleiches Lebensgefühl herrscht.» In dieser gestiegenen Sensibilität werde eine intensivere Annäherung an die Themen der Ausstellung möglich.

Als Beispiel nennt sie eine Klanginstallation des in Jordanien geborenen Künstlers Lawrence Abu Hamdan: Die Arbeit «Saydnaya» macht deutlich, wie in diesem syrischen Gefängnis absolute Stille zur Folter werden kann. Die Besucher werden mit einem Spektrum von Geräuschen konfrontiert, die immer leiser werden, bis hin zur Abwesenheit von jeglichem Klang - angefangen bei einem landenden Flugzeug über die Arbeit eines Küchenmixers, das Stimmengewirr in einem Restaurant und quakende Frösche, hin zum Geräuschpegel in einem Lesesaal für seltene Bücher in einer Bibliothek, im Sperrgebiet von Tschernobyl und schließlich Sajdnaja, das 30 Kilometer nördlich von Damaskus gelegene Militärgefängnis. Der künstlerischen Arbeit ging eine Befragung von ehemaligen Häftlingen voraus, an der Hamdan dabei war und aus denen er zitiert.

Eindringliche Filmaufnahmen aus dem Amazonas-Regenwald zeigt die Schweizer Künstlerin Ursula Biemann, die für ihren Video-Essay «Forest Law» zusammen mit dem brasilianischen Architekt Paulo Tavares nach Ecuador gereist ist. Die Arbeit macht die Leere deutlich, die entsteht, wenn der Wald zerstört wird. Gezeigt wird ein Rechtsfall, in dem die Sarayaku, Bewohner einer Ortschaft am Río Bobonaza, verdeutlichen, wie der Wald für sie ein lebendiger ökologischer Kosmos ist, zusammen mit allen anderen in ihm lebenden Geschöpfe.

Die nach einem Bombeneinschlag entstandene Leere macht die Arbeit «The Bombing of Rafah» deutlich, die das Londoner Recherchekollektiv «Forensic Architecture» entwickelt hat, in Zusammenarbeit mit Amnesty International. Gezeigt wird unter anderem das 3D-Modell der Rauchwolke, die danach über der Stadt Rafah im Gazastreifen lag. Über die genaue Rekonstruktion der Form der Wolke zu unterschiedlichen Zeitpunkten konnten Videos und Fotos lokalisiert werden.

«Das sind eher düstere, sehr ernste Themen», sagt Stefanie Böttcher. Aber damit werde auch die eindringliche Relevanz von Kunst und Ausstellungsorten deutlich. Diese seien «Orte, an denen man sich frei und unzensiert äußern kann wie fast nirgendwo sonst».

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