Bahn will Rheinstrecke am 2. Mai eingleisig öffnen

16.04.2021 Auf schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Euro belaufen sich die Folgekosten des Felssturzes auf den Schienen nahe der Loreley. Die Bahn arbeitet daran, dass die Signale für die international wichtige Rheintrasse wieder auf Grün springen können.

Ein Felssturz hat die rechtsrheinische Bahntrasse zwischen St. Goarshausen und Kestert verschüttet. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eineinhalb Monate nach dem Felssturz auf Europas meistbefahrener Güterzugstrecke will die Bahn ihre rechtsrheinische Trasse nahe dem Loreley-Felsen am 2. Mai zunächst eingleisig wieder in Betrieb nehmen. Künftig sollen bei Kestert im Welterbe Oberes Mittelrheintal ein sechs Meter hoher und mindestens 100 Meter langer Schutzwall sowie riesige Hangnetze für zusätzliche Sicherheit sorgen, wie die Deutsche Bahn am Freitag mitteilte. Die gesamten Folgekosten des Hangrutsches schätzte das Unternehmen auf 20 bis 30 Millionen Euro.

«So schnell wie möglich» solle auch das zweite Gleis in den kommenden Wochen wieder regulär befahren werden - einen genauen Termin dafür nannte die Bahn vorerst noch nicht. Zunächst würden diese Schienen als «Arbeitsgleis» für den Abtransport von Geröll benötigt. Die ebenfalls gesperrte parallele rechtsrheinische Bundesstraße 42 soll bereits von diesem Montag (19. April) an tagsüber mit einer Ampelregelung wieder einspurig befahrbar sein.

Am 15. März waren bei Kestert tonnenschwere Schieferplatten und Geröll von einem Steilhang Richtung Schienen gekracht - 13 000 bis 16 000 Kubikmeter nach Schätzung der Bahn. Verletzte gab es nicht. Die rechtsrheinischen Gleise zwischen Wiesbaden und Koblenz sind nach Angaben der Deutschen Bahn Teil von Europas meistbefahrener Güterzugstrecke zwischen Genua und Rotterdam. Seit dem Felssturz sind sie bei Kestert gesperrt. Die meisten Güterzüge werden linksrheinisch umgeleitet, manche laut Bahn aber auch auf Umwegen, die bis zu vier Stunden länger dauern. Für rechtsrheinische Bahnreisende gibt es Ersatzbusse.

Volker Hentschel, Vorstand der Bahntochter DB Netz AG, betonte, die mit Seilen gesicherte Spezialisten seien in dem teils 80 Grad steilem Hang bei Kestert rund um die Uhr im Einsatz, auch an Wochenenden. Laut Deutscher Bahn hat es bereits 11 Sprengungen mit insgesamt 220 Kilogramm Sprengstoff in 80 Sprenglöchern gegeben, um gelockertes Gestein zu lösen. Weitere Sprengungen seien geplant.

Die Experten müssen noch 450 von 620 Felsanker in bis zu 12 Meter tiefe Bohrlöcher in den Schieferhang setzen. Dafür werden bis zu 12 Meter tiefe Löcher in das Gestein gebohrt. Dann sollen auf 2100 Quadratmetern Sicherheitsnetze an den Ankern befestigt werden. «550 Quadratmeter sind davon schon geschafft», hieß es. Bei dem geplanten Schutzwall zwischen Schienen und Steilhang wird laut dem beratenden Geologen Jürgen Matthesius darauf geachtet, «dass sich das Bauwerk optimal ins Landschaftsbild einfügt».

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen in Berlin kommentierte angesichts der geplanten Teilöffnung der Strecke: «Ein Gleis ist besser als keins.» Der Verein kritisierte aber auch: «Die weitere Verzögerung der Streckenöffnung ist bedauerlich und übertrifft unsere anfänglichen Befürchtungen.»

Laut Experten nimmt die Zahl von Felsstürzen und Steinschlägen zu. Ohnehin ist Rheinland-Pfalz nach Worten des Mainzer Geologen Frieder Enzmann das Bundesland mit den meisten Rutschungen. Die Häufung solcher Naturereignisse habe vermutlich zwei wesentliche Ursachen: immer mehr Versiegelung von Flächen durch den Menschen sowie Folgen des Klimawandels wie sich vergrößernde Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschiede, die womöglich Gestein lockern könnten.

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