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Bessere Resozialisierung: Frühere Jobberatung in allen JVAs

07.08.2019 - Nach einer Haft muss ein Entlassener plötzlich wieder der Alltag in Freiheit selbstständig bewältigen. Eine Arbeitsstelle hilft da sehr. Damit möglichst viele Ex-Häftlinge in Lohn und Brot kommen, kooperieren Arbeitsagentur und Gefängnisse fortan noch enger.

  • Handschellen liegen auf einem Tisch. Foto: Armin Weigel/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Handschellen liegen auf einem Tisch. Foto: Armin Weigel/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa/lrs) - Eine flächendeckende und zeitige Beratung durch die Arbeitsagentur soll die Jobchancen von Ex-Häftlingen in Rheinland-Pfalz erhöhen und deren Resozialisierung fördern. Am Mittwoch unterzeichneten Justizminister Herbert Mertin (FDP) und die Chefin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz, in Mainz eine Kooperationsvereinbarung. Die legt einheitliche Standards für die Zusammenarbeit vor. Fortan bieten Berater der Arbeitsagentur in sämtlichen JVAs regelmäßige Sprechstunden für Gefangene an. Diese wiederum können Dienstleistungen der Agentur bereits drei Monate vor ihrer Entlassung in Anspruch nehmen.

Der Sozialdienst in den Anstalten bereitet Häftlinge auf die Beratungsgespräche vor. Dabei geht es etwa darum, den Lebenslauf auf den neuesten Stand zu bringen, nötige Unterlagen für eine Bewerbung zusammenzustellen oder realistische Jobchancen auszuloten.

Justizminister Mertin sagte, es sei im Zuge der Resozialisierung von Strafgefangenen sehr wichtig, ihnen auch einen Arbeitsplatz zu vermitteln. «In der Vergangenheit gab es da ein gewisses Problem.» Schulz sagte, es habe in den Anstalten in Zweibrücken, Frankenthal, Trier und Wittlich zwar schon vorher feste Termine für Gefangene gegeben. Andernorts sei das lediglich sporadisch und nicht fest geregelt gewesen. Dies ändere die Vereinbarung.

Wichtig für die Betroffenen sei auch, dass die «Geldleistung» stimme, betonte die Regionalchefin der Arbeitsagentur - dass etwa ohne Verzögerung Leistungen wie Arbeitslosengeld II ausgezahlt würden. Eine rechtzeitige Vorbereitung sei wichtig, damit das Geld schnellstens da sei. «Unser Anliegen ist es, den Zugang zum Arbeits- und zum Bildungsmarkt noch weiter zu erleichtern», sagte Schulz.

Der Bund der Strafvollzugsbediensteten begrüßte die Vereinbarung. Die vertiefte Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und ein damit nochmals verbessertes «Übergangsmanagement» seien eine gute Sache, sagte der Landesvorsitzende Winfried Conrad. Letztlich sei jeder Gefangene, der wieder Fuß fasse, «ein Gewinn für die Gesellschaft». Mertin verwies auf zahlreiche weitere Angebote für Häftlinge in den Anstalten. Es gebe Haftlockerungen, um die Wohnungssuche für die Zeit nach der Haft zu erleichtern. In den JVAs könnten auch Ausbildungen oder Fortbildungen absolviert sowie ein Führerschein gemacht werden.

Dass eine Arbeit für die Zeit nach dem Gefängnis und eine Rückkehr in einen geregelten Alltag eminent wichtig ist, sieht auch der Kriminologe Rudolf Egg so: «Sie ist für die allermeisten das Zentrum.» Sie bringe Struktur, Kontakte zu Kollegen und Einkünfte. Je länger jemand in Haft sei, desto schwieriger sei es, ihn wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Selbst wenn jemand während der Haft gearbeitet habe, sei das nicht dasselbe wie in Freiheit. Im Gefängnis sei jeder Tag wie der andere, es gebe feste Rhythmen, das sei in Freiheit nicht so.

Von zentraler Bedeutung für die Aus- und Fortbildung von Gefangenen in Rheinland-Pfalz ist das Bildungszentrum der JVA Zweibrücken. Das ist eine gemeinschaftliche Einrichtung der
Justizverwaltung von Rheinland-Pfalz und des Berufsfortbildungswerks des DGB. Es bietet berufliche Aus- und Fortbildungen für Gefangene aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und in Einzelfällen auch aus anderen Bundesländern an, wie Leiterin Anja Rohr sagte.

Insgesamt gibt es ihr zufolge 220 Ausbildungsplätze in 14 Berufen, größtenteils im gewerblich-technischen Bereich. Das Spektrum reicht vom Elektroniker für Betriebstechnik bis hin zum Maurer. Gefangene können auch für eine Ausbildung hierher verlegt werden. Diejenigen mit einer eher kurzen Haftzeit können Teilqualifizierungen erlangen.

Rohr sagte, der überwiegende Teil der Gefangenen habe keine abgeschlossene Berufsausbildung. «Da sind viele Anfänge, aber auch viele Brüche.» Die «Durchhaltequote» bei den Ausbildungen im Bildungszentrum sei mit 96 Prozent sehr hoch, 98 Prozent der zu einer Prüfung antretenden Häftlinge schafften den Abschluss. In Zweibrücken gebe es schon lange eine enge Kooperation mit der Arbeitsagentur, sagte Rohr. In anderen Anstalten habe die enge Anbindung gefehlt. Hierfür sei die Kooperationsvereinbarung durchaus «ein Meilenstein».

Minister Mertin räumte ein, selbst mit den ausgefeiltesten Angeboten werde man nie alle resozialisieren können. Es sei schwieriger geworden, weil Inhaftierte zunehmend mit Drogen- und psychischen Problemen zu tun hätten. Voraussetzung sei stets, dass die Gefangenen mitmachten. Das hält auch der Kriminologe Egg für «das A und O». «Nur wer bereit ist, mitzuziehen, dem kann auch geholfen werden.»

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