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Betriebe klagen über Defizite bei Azubis: offene Stellen

20.08.2019 - Immer mehr Ausbildungsplätze werden nicht besetzt. Als Hauptgrund wird in einer IHK-Umfrage der Mangel an geeigneten Bewerbungen genannt. Der DGB kritisiert, dass beim Übergang von der Schule ins Berufsleben Tausende junge Menschen verloren gehen.

  • Ein Auszubildender im KFZ-Handwerk misst die Dicke einer Bremsscheibe. Foto: Felix Kästle/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Auszubildender im KFZ-Handwerk misst die Dicke einer Bremsscheibe. Foto: Felix Kästle/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa/lrs) - Die gewerblichen Betriebe in Rheinland-Pfalz suchen händeringend nach Auszubildenden und bemängeln, dass «mehr als zwei Drittel der Schüler mit Defiziten in die Arbeitswelt» starten. Nach einer am Dienstag in Mainz vorgestellten Erhebung der IHK-Arbeitsgemeinschaft konnten im vergangenen Jahr 30,6 Prozent der Betriebe nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Seit 2010 habe sich die Zahl der offenen Ausbildungsplätze auf rund 2600 verdreifacht. «Wir erwarten auch in diesem Jahr eine Zunahme unbesetzter Ausbildungsplätze», sagte der für Ausbildungsfragen zuständige Geschäftsbereichsleiter der IHK Pfalz, Michael Böffel. An der bundesweit organisierten Online-Befragung im Mai beteiligten sich 553 Unternehmen in Rheinland-Pfalz.

Fast zwei Drittel der Unternehmen (64,4 Prozent) bemängelten in dieser Befragung Leistungsbereitschaft und Motivation der Schulabgänger. Danach folgten sprachliches Ausdrucksvermögen, Belastbarkeit, Disziplin, elementare Rechenfertigkeiten und Umgangsformen (34,5 Prozent). Die Gründe dafür seien auch in den Elternhäusern zu finden, sagte Böffel.

Nahezu drei Viertel (73,6 Prozent) gaben als Grund für nicht besetzte Ausbildungsplätze an, dass keine geeigneten Bewerbungen eingegangen seien. Künftig werde die Bedeutung von IT-Kompetenzen zunehmen. Außerdem werde verstärkt auf «Soft Skills» geachtet - hier nannte Böffel Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit zu strukturierterem Arbeiten und logischem Denken sowie Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenz.

«Berufsausbildung ist die beste Medizin für den Fachkräftemangel», sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Trier, Jan Glockauer. Um den Übergang zwischen Schule und Beruf intelligent zu gestalten, habe die IHK-Arbeitsgemeinschaft bereits 2016 das Projekt durchstarter.de gegründet. Auch die Berufsschulen müssten die bestehenden Herausforderungen mit angehen. Dazu gebe es Gespräche mit dem Bildungsministerium. In die Zuständigkeit der Industrie- und Handelskammern fallen 54,9 Prozent der Ausbildungsverhältnisse in Rheinland-Pfalz, danach folgt das Handwerk mit 30,7 Prozent.

Laut DGB gibt es in Rheinland-Pfalz aktuell nahezu 80 000 Menschen zwischen 20 und 30 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die zumeist als ungelernte Kräfte arbeiten. «Jedes Jahr kommen Tausende junge Menschen dazu, die wir beim Übergang von der Schule ins Berufsleben verlieren», sagte der DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid. «Das ist eine Situation, die für die Betroffenen dramatisch ist und die wir uns angesichts des vielbeschworenen Fachkräftemangels nicht leisten können.»

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