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Bistum Limburg: Aufarbeitung von Missbrauchsskandal

05.04.2019 - Im Herbst wurde eine Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche vorgelegt. Als Reaktion startet nun die Limburger Diözese ein Projekt mit ambitionierten Zielen.

  • Das Foto zeigt den Dom und den Bischofssitz. Foto: Thomas Frey/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Foto zeigt den Dom und den Bischofssitz. Foto: Thomas Frey/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Limburg (dpa) - Gesprächsangebote, Arbeitsgruppen und externe Untersuchung: Mit einem umfangreichen Projekt will das Bistum Limburg den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufarbeiten und die Prävention verbessern. Es solle einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche in der Limburger Diözese «sicher leben und ihren Glauben erfahren können», sagte Bischof Georg Bätzing am Freitag. Das Bistum, das auf hessischem und rheinland-pfälzischem Gebiet liegt, sieht sich mit dem Vorhaben als Vorreiter.

«Es geht in dem Projekt um die Perspektive der Opfer und nicht, wirklich nicht, um die Perspektive der Kirche», betonte Katholikenvertreterin Ingeborg Schillai. Die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung ist zusammen mit Bischof Bätzing die Auftraggeberin des Projekts, das auf ein Jahr angelegt ist. Arbeitsgruppen sollen acht Themenfelder bearbeiten. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen sollen im kommenden Jahr vorliegen.

Zu den Zielen gehört dem Bistum zufolge, «bestmöglich» Verdachtsfälle und Taten aufzuklären sowie sexuellen Missbrauch zu verhindern. Verantwortliche sollen benannt und Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Eine «adäquate Kommunikation» mit Opfern soll «nachhaltig an die Stelle von Vertuschung und Bagatellisierung» treten.

Geplant ist unter anderem eine externe Untersuchung von Vorfällen und Verdachtsmomenten. Dafür sollen noch einmal alle Personalakten gesichtet werden. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und der Staatsanwaltschaft übergeben, wie Bätzing ankündigte. «Ich möchte wissen: Was war die Verantwortung, wie sah die aus, wo sind Fehler gemacht worden, wer trug sie?» Die Arbeitsgruppen sollen sich auch um Tabu-Themen wie die katholische Sexualmoral, den Umgang mit Homosexualität oder Machtmissbrauch kümmern. Zu den weiteren Themen gehören die Rolle der Frau oder die Aus- und Weiterbildungsordnung.

Mit dem Projekt reagiert das Bistum nach eigenen Angaben auf die im September vorgestellte Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche und daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen. Der Untersuchung zufolge sollen sich bundesweit zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 Kleriker an 3677 Kindern und Jugendlichen vergangen haben. In Limburg wurden 85 Opfer benannt, wobei bislang nicht der komplette Zeitraum untersucht worden ist.

Dem Bistum zufolge gelten derzeit 45 Limburger Priester und Diakone als Beschuldigte, zwölf weitere stammten aus anderen Diözesen. Eine Liste mit Namen, die das Bistum an die Staatsanwaltschaft übergeben hat, enthält 35 Namen. Den Unterschied erklärte ein Sprecher damit, dass in einigen Fällen Verdächtige bereits gestorben seien.

Auch andere Bistümer haben auf den Skandal reagiert: In Fulda nahm eine Missbrauchsbeauftragte ihre Arbeit auf und wurde Vorsitzende eines Arbeitsstabs. Die Expertengruppe kümmert sich um die Opfer. Außerdem wurde eine Präventionsbeauftragte ernannt und Mitarbeiter bei Präventionsschulungen für die Problematik sensibilisiert. Im September hatte das Bistum Versäumnisse im Missbrauchsskandal eingeräumt: Das Versagen der Verantwortlichen habe darin gelegen, dass Aussagen der Betroffenen nicht ernst genommen worden seien. «Das müssen wir als Versagen bekennen», sagte Generalvikar Gerhard Stanke. Das Bistum habe gelernt, Betroffene in den Vordergrund zu stellen.

Das Bistum Mainz hatte Anfang März mitgeteilt, dass es bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen auch auf die Hilfe externer Experten setzt. Konkrete Schritte sollen in einer sogenannten Beratergruppe besprochen werden, der neben Bischof Peter Kohlgraf und Weihbischof Udo Bentz auch Vertreterinnen der Kriminalpolizei, des Mädchenhauses Mainz und des Trauma-Instituts Mainz sowie eine Rechtsanwältin angehören. Außerdem gibt es einen Psychotherapeuten und eine Ordensschwester als Ansprechpartner für Betroffene.

Kritikern gehen die Maßnahmen der katholischen Kirche bislang nicht weit genug. Erst im März hatte die Deutsche Bischofskonferenz unter anderem angekündigt, künftig mit unabhängigen Beratungsstellen zusammenarbeiten zu wollen, um Opfern sexueller Gewalt schneller helfen zu können. Man wolle auch stärker auf Betroffene zugehen. Die kirchenkritische Organisation «Wir sind Kirche» meinte aber, es seien in keinem wesentlichen Punkt wirklich konkrete Fortschritte vorgestellt worden. Der Opferschutzverband Eckiger Tisch vermisste klare Worte vor allem zur Entschädigung der Opfer.

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