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Holzindustrie ächzt unter den gefräßigen Borkenkäfern

17.10.2019 - Borkenkäfer verursachen nicht nur im Wald Millionen-Schäden. Sie bescheren auch der Holzindustrie Qualitätseinbußen und niedrigere Erlöse. Ist doch die Fichte «der Brotbaum der Sägeindustrie».

  • Abgestorbene Fichten stehen im Wald. Foto: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Abgestorbene Fichten stehen im Wald. Foto: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neustadt an der Weinstraße/Morbach (dpa/lrs) - Der kleine Borkenkäfer macht der großen Holzindustrie zunehmend das Leben schwer. Von der Fichte, der der «Brotbaum der Sägeindustrie» sei, gebe es derzeit nur noch vom Schädling befallenes Holz auf dem Markt, sagt der Geschäftsführer des Verbandes der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie Rheinland-Pfalz, Clemens Lüken, in Neustadt an der Weinstraße. Dies bedeute Einbußen bei der Qualität. Hinzu komme, dass auch aufgrund der großen Menge an Käferholz, die derzeit zum Verkauf steht, die Preise in den Keller gingen.

«Die Rundholzpreise haben sich in den vergangenen beiden Jahren halbiert», sagt Lüken, auch Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Sägewerksverbandes. Wolf Hansel, Rundholzeinkäufer für die Elka-Holzwerke in Morbach im Hunsrück, nennt Zahlen: Von 80 bis 90 Euro pro Festmeter auf um die 40 Euro. «Die Preise sind komplett eingebrochen.» Das bedeute, dass auch die Preise für die Endprodukte sinken würden. «Einige Sortimente werden mittlerweile schon fast wertlos. Wie Hackschnitzel oder Rindenmulch», sagt er.

«Das Thema Käfer ist ein massives Problem», meint Lüken. Er richte in Rheinland-Pfalz regional verschieden große Schäden an. Besonders schlimm sei die Lage im Westerwald. «Dort sind bereits ganze Flächen «entfichtet».» Er befürchtet, dass wenn die Entwicklung so weiter geht: «Dann werden wir spätestens in fünf Jahren kein Fichtenholz mehr haben für die Industrie.» Die Fichte und andere Nadelhölzer wie Kiefer und Douglasie werden laut Lüken beim Bau stark nachgefragt.

Die Zahlen vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium zu den Schäden, die der Borkenkäfer angerichtet hat, sind alarmierend: 2018 wurden rund 600 000 Festmeter Fichtenholz wegen Befalls gefällt. Das seien rund 670 000 Bäume - und mehr als viermal so viele wie im Vorjahr. Bis Ende September dieses Jahres erhöhte sich die Zahl auf 1,5 Millionen Festmeter, also 1,8 Millionen Bäume. Dies entspreche einer Fläche von 12 000 Fußballfeldern, teilt das Ministerium mit.

Wenn man noch die Schäden durch Stürme hinzu rechne, belaufe sich der gesamte Schaden im Wald von Rheinland-Pfalz in den Jahren 2018 und 2019 auf mehr als 50 Millionen Euro. Darin eingerechnet seien auch der Preisverfall, Kosten für Wiederaufforstungen und Wegeschäden.

Vor allem in trockenen und heißen Sommern vermehren sich Borkenkäfer rasant. Sie bohren sich durch die Rinde von Fichten und legen dahinter Gänge an. Damit unterbrechen sie die Versorgung des Baumes zwischen Wurzel und Krone. Das möglichst frühzeitige Erkennen eines Befalls ist die einzige Chance, diesen aufzuhalten. Der Baum muss dann sofort entfernt werden. Denn: Auf einem Borkenkäferbaum entwickelten sich laut Experten bis zu 1600 neue Käfer, die wiederum 20 Bäume befallen können.

«Alles was an Käferholz jetzt wegfällt, ist auch Holz, dass wir später nicht mehr haben», sagt Hansel, der für seine Firma in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland Holz einkauft. Derzeit gebe es ein Überangebot an Käferholz. «Wenn man sagen würde, man könnte noch was aufnehmen, könnte man sofort zu bombardiert werden.»

So werde derzeit aus Rheinland-Pfalz auch Käferholz nach Asien vor allem nach China exportiert, «um des Problems hier Herr zu werden», sagt Lüken. Es handele sich um eine «nicht unwesentliche Menge». Denn das Holz könne man wegen seiner schlechten Qualität nicht ins Nasslager «packen» - und Trockenlager gäbe es nicht so viele.

Nach einer Erhebung von Landesforsten Rheinland-Pfalz ist die rheinland-pfälzische Forst-, Holz- und Papierwirtschaft von großer Bedeutung. Mit einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro im Jahr ist sie demnach nach der chemischen Industrie der zweitgrößte Zweig des produzierenden Gewerbes im Land. Und zählt mehr als 30 000 Beschäftigte, geht daraus hervor. Die Einschnittskapazität im Land liege bei insgesamt rund 3,5 Millionen Festmetern Holz.

Auch angesichts dieser Zahlen fordert Lüken von der Politik, den Wald als Nutzfläche nicht aus den Augen zu verlieren. «Man darf den Wald nicht nur als Urwald und Spazierwald betrachten», sagt er. Für die Industrie brauche man auch künftig einen 50-prozentigen Anteil an Nadelholz. «Man kann auch Weißtanne und Douglasie beimischen, aber wir müssen auch weiter Fichten haben.»

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