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Corona: Vier Fälle in Rheinland-Pfalz und Wirtschafts-Sorgen

03.03.2020 - In Rheinland-Pfalz wurden weitere Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen. Die Ausbreitung des neuartigen Virus bereitet indes Wirtschaftsvertretern Sorgen. Sie fordern Hilfe von der Politik.

  • Medizinischer Mundschutz in einer Apotheke. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Medizinischer Mundschutz in einer Apotheke. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Zahl der nachgewiesenen Coronafälle in Rheinland-Pfalz ist gestiegen. Ein 28-Jähriger und eine 64-Jährige wurden positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet, wie die zuständigen Gesundheitsämter in Kaiserslautern und Mainz am Dienstag mitteilten. Dem Mann gehe es gut. Er habe keine Symptome und befinde sich bereits seit vergangener Woche in häuslicher Quarantäne. Eine Behandlung im Krankenhaus sei nicht notwendig. Die 64-Jährige habe leichte grippale Symptome, wurde in eine Klinik gebracht und sei ebenfalls in Quarantäne. Sie sei am 26. Februar von einer Reise aus dem Iran zurückgekehrt und habe nach eigenen Angaben keinerlei Kontakte zu anderen Personen gehabt.

Der Gesundheitszustand aller Menschen, die in häuslicher Quarantäne sind, werde jeden Tag kontrolliert. Der 28-Jährige war getestet worden, weil er zu den Kontaktpersonen eines 32-Jährigen gehört, bei dem zuerst in der Region das Virus nachgewiesen worden war. Bei anderen ebenfalls getesteten Kontaktpersonen fiel der Virustest laut Gesundheitsamt negativ aus. Der 32-Jährige sowie ein weiterer gleichaltriger Mann mit dem Virus sind derzeit im Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern untergebracht. Den beiden gehe es weiterhin gut, erklärte der Sprecher der Klinik.

Aktuell gibt es jetzt vier bestätigte Fälle. Betroffen ist außerdem noch ein 41-jähriger Soldat aus Nordrhein-Westfalen, der zur Flugbereitschaft am Militärflughafen Köln-Wahn gehört. Der Mann befand sich am Dienstag noch in der Klinik, weil ein erneuter Test positiv ausgefallen war, wie das Bundeswehrkrankenhauses Koblenz bestätigte.

Das Westpfalz-Klinikum hatte wegen der beiden Coronapatienten zwischenzeitlich auf Notversorgung umgestellt. Damit sollten für mögliche neue Corona-Patienten Isolationsmöglichkeiten vorgehalten werden. Am Dienstag wurde laut einem Kliniksprecher der Normalbetrieb wieder aufgenommen. Für Patienten bedeute das, dass wieder planbare Behandlungen vorgenommen würden. Ob bei neuen Fällen wieder auf eine Notfallversorgung umgestellt werde, könne nicht im Vorfeld gesagt werden. Das müsse je nach konkreter Situation entschieden werden.

Indes sorgen sich Wirtschaftsvertreter um die möglichen Folgen für die Betriebe durch die Ausbreitung des Coronavirus. Die Industrie in Rheinland-Pfalz sei überdurchschnittlich stark vom Export und vom Welthandel abhängig, erklärte die Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU) Rheinland-Pfalz.

Durch die Virusverbreitung drohe unter anderem eine Störung der Wertschöpfungskette.«Im schlimmsten Fall kommt es dann zu Produktionsausfällen bei uns.» Auch könnten Unternehmen Märkte verlieren, beispielsweise aus logistischen Gründen oder weil sich Verbraucher in betroffenen Ländern zurückhielten.

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann, schrieb in einem Brief an mehrere Landesministerien von Stornierungen in Betrieben aus Angst vor dem Coronavirus - vor allem im Tagungs- und Businessgeschäft. Das führe zu «nicht verkraftbaren Umsatzeinbrüchen». Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums bestätigte den Eingang des Schreibens.

«Wir haben täglich fast im Stundentakt Hilferufe von Hoteliers», sagte Haumann der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ganze Tagungen würden abgesagt. Wie groß die Einbußen in Rheinland-Pfalz ausfallen, konnte Haumann nicht sagen. Eine entsprechende deutschlandweite Erhebung laufe gerade beim Bundesverband. Im Nachbarland Österreich rechne der dortige Hotelverband mit 40 bis 59 Prozent Stornierungen innerhalb der kommenden zwei Monate. Zuvor hatte die «Allgemeinen Zeitung» über den Dehoga-Brief berichtet.

Beide Interessensverbände, die LVU und der Dehoga, pochten deshalb auf Unterstützung für die Betriebe. Es müsse kurzfristig einen erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld geben, erklärte die LVU mit Blick zur Bundesregierung. «Mittelfristig sind Entlastungen bei Steuern, Sozialabgaben und Energiekosten zwingend notwendig.»

Haumann sagte der dpa, es müsse sich was beim Thema Kurzarbeit tun, es gehe um die Stundung von Steuervorauszahlungen und -schulden, um Betriebsmittelkredite und um die Erhöhung von Kontokorrentlinien. Vor allem kleinen, familiengeführten Betrieben drohten nun massive Liquiditätsprobleme nach schwierigen Wintermonaten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Rheinland-Pfalz/Saarland sprach sich für den Fall einer weiteren Verschlechterung für einen erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld aus. Die sei «eine sinnvolle Maßnahme, mit der Betriebe kurzfristig entlastet werden können». Gut seien auch Investitionsprogramme, um die Binnennachfrage anzukurbeln. Versuche, Forderungen nach einer Absenkung von Steuern und Sozialabgaben «im Windschatten der Corona-Hysterie durchdrücken zu wollen, lehnen wir dagegen entschieden ab».

Das Wirtschaftsministerium in Mainz kündigte ein Spitzengespräch mit Vertretern der Wirtschaft am kommenden Dienstag (10. März) an. Dabei gehe es um einen Austausch zur Lage und zu möglichen Maßnahmen. Es sollten gemeinsame Vorbereitungen geben, um die Folgen der Coronaverbreitung für die Wirtschaft zu begrenzen.

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