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Corona-Hotspots an der unteren Mosel und in Rheinhessen

22.03.2020 - «Super Spreader» mit vielen Kontakten tragen dazu bei, dass sich die Pandemie in manchen Regionen besonders schnell verbreitet. In Teilen der Pfalz und im Moseltal bei Trier konnten die Infektionen bislang begrenzt werden.

  • Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sitzt im Landtag. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sitzt im Landtag. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die dramatische Zunahme von Infektionen mit dem Coronavirus schreitet auch in Rheinland-Pfalz voran. Eine Auswertung der täglichen Statistiken des Gesundheitsministeriums seit Anfang März zeigt, dass sich die Zahl der Covid-19-Fälle in der vergangenen Woche bis Sonntag versechsfacht hat - auf 1149 nach der jüngsten Übersicht mit dem Stand Sonntag 10.00 Uhr. Und das sind nur die in Tests bestätigten Fälle - das tatsächliche Ausmaß dürfte nach Einschätzung von Experten noch größer sein, lässt sich aber nicht verlässlich schätzen.

Die regionale Verteilung nach Landkreisen und Städten zeigt ein sehr uneinheitliches Bild. In einigen Teilen der Pfalz hat sich die Pandemie bislang kaum ausgebreitet. So gab es in Pirmasens bis Sonntag nur drei Fälle einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2. Nur einstellige Fallzahlen gab es auch für die pfälzischen Städte Zweibrücken (2), Landau (5) und Speyer (7). Im Kreis Südwestpfalz wurden bis Sonntag zwölf Fälle gemeldet, im Rhein-Pfalz-Kreis waren es neun. Weiter nördlich ist die Lungenkrankheit im Kreis Birkenfeld mit fünf Fällen vergleichsweise wenig verbreitet.

Die meisten Fälle in Rheinland-Pfalz weist der Kreis Mayen-Koblenz auf. Dort wurden am Sonntag 136 bestätigte Infektionen registriert. Dabei schnellte die Zahl der Fälle erst relativ spät nach oben: Am 15. März waren es 13, am 18. März bereits 90 Fälle. Danach stieg die Kurve etwas weniger steil nach oben. Die Mosel flussaufwärts nimmt die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle ab: Im Kreis Cochem-Zell waren es am Sonntag noch 40 Fälle, in Bernkastel-Wittlich 21 und in der Stadt Trier 11.

In Rheinhessen verdreifachten sich die Infektionen im Kreis Alzey-Worms in der zurückliegenden Woche von einem Tag zum anderen, am Sonntag waren es dann 68 Fälle. Auch die Landeshauptstadt Mainz (81) und der Kreis Mainz-Bingen (54) sind stärker betroffen. Deutlich gestiegen ist in der Mitte der zurückliegenden Woche das Ausmaß der Pandemie im Westerwaldkreis, zuletzt wurden dort 62 Fälle registriert.

Aber die Entwicklung sei auch bei der regionalen Verteilung sehr dynamisch und könne sich in zwei, drei Tagen schnell ändern, erklärt Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Ursache für regionale Spitzen könne ein «Super Spreader» sein, also ein Mensch mit einer großen Reichweite an Kontakten, der viele weitere infiziert hat. «Wenn einer infiziert war und viele Kontakte hatte, dann ist das Risiko sehr groß, dass sich solche Hotspots entwickeln.» Hingegen habe der erste Coronafall in Rheinland-Pfalz, ein Mann in Kaiserslautern, einen eher eingeschränkten Kontaktpersonenkreis gehabt.

Die Kurve der Ausbreitung zeigt in den mehr als zwei Wochen seit dem 5. März stetig, in der zurückliegenden Woche steil nach oben. Aber die zuletzt verfügten Einschränkungen im öffentlichen Leben, bei Versammlungen sowie in Einzelhandel und Gastronomie brauchen Zeit, bis sie wirken können. «Wir haben die Hoffnung, dass diese exponentielle Steigerung in der nächsten Woche nicht mehr so stark sein wird, dass man es schafft, die Kurve abzuflachen, nach hinten zu schieben», sagte Bätzing-Lichtenthäler am vergangenen Mittwoch, als die angeordneten Schließungen im Einzelhandel in Kraft traten. Davon hängt entscheidend ab, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, alle Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf auch versorgen zu können.

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