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Corona-Krise verschärft Situation von Obdachlosen

25.03.2020 - Etwa 8000 Obdachlose leben in Rheinland-Pfalz, ihre Lage ist ohnehin schwierig - nun kommt die Corona-Krise hinzu. Experten fordern dringend mehr Unterstützung für diese Menschen. Was kann helfen?

  • Der Sozialmediziner Gerhard Trabert sitzt auf einem Sofa. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Sozialmediziner Gerhard Trabert sitzt auf einem Sofa. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Durch die Corona-Pandemie hat sich die Lage von Obdachlosen in Rheinland-Pfalz nach Ansicht von Hilfsorganisationen drastisch zugespitzt. Die Kommunen müssten dringend Pläne zur Versorgung Wohnungsloser mit Lebensmitteln und zur Unterbringung von Infizierten erstellen, forderte der Verein «Armut und Gesundheit» in Mainz. Viele Kommunen hätten die Auszahlung von Tagessätzen an wohnungslose Hartz-IV-Empfänger eingestellt, sagte der Vorsitzende Gerhard Trabert. Tafeln und andere Hilfseinrichtungen seien geschlossen und Wohnheime überfüllt, unterstrich der Sozialmediziner.

Der Buchautor Richard Brox bezeichnete die Coronakrise als «Katastrophe» für Obdachlose. «Die großen Verlierer der Krise sind bereits klar erkennbar: Es sind die Menschen, die am Rande der Gesellschaft in Armut leben, die Menschen ohne Bleibe», sagte der 55-Jährige in Ludwigshafen. Brox hatte 30 Jahre lang keinen festen Wohnsitz. Dann schrieb er ein Buch darüber, es wurde ein Bestseller. «Kein Dach über dem Leben» verkaufte sich demnach über 40 000 Mal.

Covid-19 bringe Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe an die Grenzen der Belastbarkeit und reduziere die ohnehin geringen Kapazitäten an guten Plätzen für Obdachlose, sagte Brox. Nicht nur Hitze und Kälte seien für nicht sesshafte Menschen eine Lebensbedrohung, sondern auch das neuartige Coronavirus. «Covid-19 ist für viele Menschen zur Lebensbedrohung geworden. Doch für Obdachlose ist es altersunabhängig sogar eine akute Lebensgefahr.» Die wenigsten besäßen einen Gesichtsschutz oder Hygieneartikel wie Seife, Duschgel und Shampoo.

Viele Nichtsesshafte würden aus Schutz vor möglichen Gewalttaten in Gruppen leben und keinen Abstand halten. Gerade in dieser Lage sei es wichtig, Notleidenden und Verarmten zu helfen. «Zeigen Sie Herz und Mut! Helfen Sie Obdachlosen», appellierte der Autor.

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diakonie, Pfarrer Albrecht Bähr, sagte, er habe den Eindruck, dass alle in dieser Krise das Mögliche zu tun versuchten. «Ich werfe niemandem Verantwortungslosigkeit vor. Aber es stimmt auch, dass Obdachlose wenig Lobby haben», unterstrich er. Die Diakonie versuche unter anderem, Lebensmittel und Hygieneartikel zur Verfügung zu stellen. «Ein Riesenproblem ist die Frage der Übernachtung in diesen kalten Nächten. Im Grunde müsste man für die Nichtsesshaften eine Jugendherberge öffnen», meinte Bähr.

«Die Arbeit der Einrichtungen und Dienste der Wohnungslosenhilfe ist gerade jetzt während der Coronakrise von sehr großer Bedeutung für die Betroffenen», teilte das Gesundheitsministerium in Mainz mit. Grundsätzlich falle die Unterbringung von Obdachlosen in die Zuständigkeit der Kommunen.

Dem Ministerium zufolge haben Kommunen und freie Träger der Wohnungslosenhilfe zum Stichtag 28. September 2018 insgesamt 7931 (2017: 7901) Wohnungslose in Rheinland-Pfalz gemeldet. Die klare Mehrheit ist demnach in Obdachlosen- oder sonstigen Unterkünften untergebracht, etwa Wohnheime oder als Unterkunft genutzte Hotels.

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsloser waren 2018 rund 678 000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung, ein Anstieg um vier Prozent. Rund 41 000 Männer und Frauen bundesweit «machen Platte». Das heißt, sie kampieren etwa unter Brücken oder in Parks.

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