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Fünf Jahre Haft für tödliche Schüsse auf Sohn gefordert

05.09.2019 - Drohungen, Beleidigungen, Angriffe: Vor dem Landgericht Saarbrücken hatte ein angeklagter Vater die eskalierenden Konflikte mit seinem Sohn geschildert, den er am Neujahrstag 2018 erschossen haben soll. Die Staatsanwaltschaft wertet den Fall im Plädoyer als minderschwer.

  • Hände laden am eine Pistole "Walther P22" mit einem Magazin. Foto: Oliver Killig/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Hände laden am eine Pistole "Walther P22" mit einem Magazin. Foto: Oliver Killig/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Saarbrücken (dpa/lrs) - Im Prozess gegen einen 66-jährigen Saarländer wegen tödlicher Schüsse auf seinen Sohn hat die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von fünf Jahren für den Angeklagten gefordert. Oberstaatsanwalt Guntram Liebschner sprach am Donnerstag vor dem Landgericht Saarbrücken von einem minderschweren Fall. Mehrere Attacken des Sohnes in kurzer Zeit, seine Drohung, das Haus der Eltern anzuzünden und ständige Polizeieinsätze hätten zu einer «emotionalen Verzweiflung» bei dem Vater geführt.

Der Angeklagte hatte berichtet, seinen Sohn am 1. Januar 2018 zuhause in Beckingen (Landkreis Merzig-Wadern) mit drei Schüssen getötet zu haben, nachdem die Konflikte eskaliert waren und er sich in einer «festgefahrenen Situation» gefühlt habe. Der Sohn sei zuvor über den Balkon in das Haus eingedrungen und habe sich geweigert, zu gehen. Dadurch sei er «emotional so aufgewühlt» gewesen, dass er geschossen habe. Die Waffe habe er bereits im Sommer im Zimmer des Sohnes gefunden und behalten.

Durch seinen Drogenkonsum und persönliche Verluste habe sich der Sohn zuvor stark verändert, sei ab Herbst zunehmend aggressiver gegenüber den Eltern geworden. Er habe randaliert, sie bestohlen, beschimpft, bespuckt und bedroht. Am Tag vor der Tat hatte der 29-Jährige seine Mutter von der Couch geschubst und seinen Vater ins Gesicht geschlagen.

«Es war ein Horrorszenario, das sich da offenbart hat», sagte Verteidiger Joachim Giring. Der Sohn habe die Familie terrorisiert und Angst und Schrecken verbreitet. «Das war für meinen Begriff eine tickende Zeitbombe», so der Verteidiger. Auch ein Richter hatte wenige Tage vor der Tat seine Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet, weil bei Philipp S. eine «krankheitsbedingte Unberechenbarkeit» vorliege und ein «schadenstiftendes Ereignis» unmittelbar bevorstehe.

Anders als die Staatsanwaltschaft sah der Verteidiger angesichts der Drohung des Sohnes, das Elternhaus anzuzünden und seines Hausfriedensbruchs auch die Nähe zu einer Notwehrlage. Für seinen Mandanten fordert er eine «milde Bestrafung», auch, weil seinem umfassenden Geständnis eine bedeutende Rolle zukomme.

Der Angeklagte, der sich zuvor auch als Gemeinde- und Ortsratsmitglied für das Gemeinwohl engagiert habe und in der Familie «ruhiger Pol und helfender Vater» war, leide seit der Tat unter Depressionen.

In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte unter Tränen, sprach von einer «Katastrophe» und bat die Familie um Verzeihung. Das Urteil soll am kommenden Dienstag (10. September) gesprochen werden.

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