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Glücksbringer mit Mundschutz und Handschuhen

31.03.2020 - Gemeinhin soll es Glück bringen, einen Schornsteinfeger zu berühren. In Corona-Zeiten sollte man auf enge Kontakt zwar verzichten - nicht jedoch auf die Kehr- und Kontrolltermine. Betriebs- und Brandsicherheit sind unverzichtbar.

  • Schornsteinfegermeister Pascal Weber (37) klebt eine Prüfplakette auf eine Heizung. Foto: Katja Sponholz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Schornsteinfegermeister Pascal Weber (37) klebt eine Prüfplakette auf eine Heizung. Foto: Katja Sponholz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schornsteinfegermeister Pascal Weber legt Wert auf einen guten persönlichen Kontakt zu seinen Kunden. Doch im Moment geht der 37-Jährige auf Distanz, wegen der Corona-Pandemie. Nur mit Atemschutzmaske und Handschuhen ist er momentan im Einsatz: «Um mich selbst zu schützen, aber natürlich auch die Kunden», sagt er. Doch er weiß auch, wie wichtig es ist, dass die Schornsteinfeger aktuell ihre Arbeit ausführen können.

«Die Betriebs- und Brandsicherheit sind das höchste Gut. Und wir haben den klaren Auftrag, dass wir als systemrelevanter Beruf diese Tätigkeit weiterführen müssen», sagt Heinz-Detlev Puff, stellvertretender Landesinnungsmeister der Schornsteinfegerinnung für das Saarland. Nicht zuletzt stehe man da auch als Betrieb in der Verantwortung: «Sollte es zu einer CO-Überbelastung oder zu einem Rußbrand kommen, dann stünde ich natürlich in der Verantwortung - und der Staatsanwalt würde im Zweifel fragen, warum wir in der vorgesehenen Zeit nicht da waren und unsere Arbeit gemacht haben.»

Sein Kollege in Rheinland-Pfalz, Landesinnungsmeister Michael Bauer, spricht von einem «schwierigen Spagat». Einerseits müsse man wichtige hoheitliche Sicherheitsaufgaben wahrnehmen, andererseits versuche man, «soweit wie möglich auf die Bedürfnisse und Bedenken der Kunden einzugehen».

Das tun auch Pascal Weber und sein Chef Michael Gaertner aus Heusweiler: «Selbstverständlich sind wir uns der aktuellen Situation und auch möglicher Ängste und Verunsicherungen bewusst», heißt es in einem Brief an die Kunden. Deshalb halte man sich bei der Arbeit an die Hygienemaßnahmen des Robert-Koch-Instituts und appelliere an die Kunden, den empfohlenen Sicherheitsabstand von eineinhalb bis zwei Metern einzuhalten.

Die meisten Kunden hätten Verständnis für die besondere Situation. Und auch darauf, dass die Schornsteinfeger die üblichen Kehrtermine einhalten möchten. «Natürlich haben auch einige Angst und möchten nicht, dass man bei ihnen momentan vorbeikommt», berichtet Weber, «aber die Mehrheit ist froh, dass wir noch unsere Arbeit machen.» Das wüssten die Kunden in dieser Zeit offenbar besonders zu schätzen: «Es gibt oft ein positives Feedback, und viele rufen beim Chef an, um sich zu bedanken und das Team zu loben», sagt der Schornsteinfeger.

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier weist darauf hin, dass alleine der Hinweis des Kunden, Angst vor einer Ansteckung zu haben, als Rechtfertigung nicht ausreiche, um den Schornsteinfegern keinen Zutritt zu gewähren. Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) betont, dass eine Verweigerung der Kehrpflicht nur im Ausnahmefall akzeptiert werden könne: «Gefährdungen durch fehlende Betriebs- und Brandsicherheit müssen auch in der aktuellen Situation ausgeschlossen werden.»

Schornsteinfegermeister Michael Gaertner bemüht sich, auch unter Berücksichtigung der Betriebs- und Brandsicherheit eine «akzeptable Lösung» zu finden, wenn es Bedenken gegen die Ausführung der Arbeit gäbe. Etwa dann, wenn Personen im Haushalt grippeähnliche Symptome aufwiesen, in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet waren oder Kontakt zu einem Coronavirus-Erkrankten hatten. Oder aber, wenn sie zu einer der Risikogruppen gehörten und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine Ansteckung befürchteten.

Das jedoch sei die Ausnahme: «Fünf, maximal zehn Prozent» der Kunden lehnen nach Einschätzung von Michael Bauer in Rheinland-Pfalz derzeit Schornsteinfeger-Besuche ab. Noch könnten die rund 480 Betriebe im Land ihre Arbeit ohne große finanzielle Verluste ausführen. Schwieriger könnte es jedoch werden, wenn sich zum Jahresende zum Start der Heizperiode die Termine häuften und dann nicht genug Arbeitskräfte da seien.

Heinz-Detlev Puff ist froh, dass die Ängste im Saarland nicht so groß seien wie ursprünglich in der Branche befürchtet. Gleichwohl seien wirtschaftliche Einbußen für die 129 Mitgliedsbetriebe im Saarland auch jetzt schon nicht auszuschließen: «Wenn jemand nicht acht Stunden arbeiten kann, fehlt das natürlich beim Umsatz.» Und je mehr Termine jetzt verschoben würden, umso schwieriger werde die Planung und Organisation für die nächsten Monate: «Das wird eine Herausforderung, keine Frage.»

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