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Gusswerke stellen Betrieb Ende Juni ein

03.06.2020 - Das Aus der insolventen Gusswerke Saarbrücken ist besiegelt. Ende des Monats wird der Betrieb eingestellt. Damit geht ein jahrelanger Überlebenskampf eines Traditionsunternehmens zu Ende.

  • Anke Rehlinger (SPD), saarländische Wirtschaftsministerin. Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Anke Rehlinger (SPD), saarländische Wirtschaftsministerin. Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Immer wieder gekämpft und dann doch verloren: Die insolventen Gusswerke Saarbrücken stellen Ende Juni ihren Betrieb endgültig ein. Das gab die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) am Mittwoch in Saarbrücken vor Journalisten bekannt. Gegen Mittag wurde die Belegschaft informiert: Damit verlieren die zuletzt noch verbliebenen rund 230 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Zuvor ausgesprochene Kündigungen werden nun wirksam.

Rehlinger war sichtlich bewegt, als sie die Hiobsbotschaft verkündete - bedeutet es doch auch das Ende einer über 270-jährigen Geschichte eines Traditionsunternehmens. «Ich glaube, dass wir es hier mit einem Teil von Marktwirtschaft zu tun haben, den man nicht als soziale Marktwirtschaft beschreiben kann. Es sind eine Vielzahl von Schweinereien gelaufen», bilanzierte sie.

Man habe mit Marktakteuren zu tun gehabt, die einen Betrieb, in dem viel Knowhow steckte und zuvor über 1000 Menschen gearbeitet hätten, nicht anders benutzt hätten als ein Werkzeug, das man benutze, und wenn man es nicht mehr brauche, in die Ecke werfe. Es tue ihr «leid, dass wir den Menschen in diesem Land nicht helfen konnten».

Die Gusswerke hatten im September 2019 Insolvenz angemeldet. Ende November 2019 war bereits der Abbau der ersten 600 von 1050 Arbeitsplätzen mitgeteilt worden. Im Dezember 2019 wurde dann auch den letzten Mitarbeitern gekündigt, sie wurden aber noch nicht freigestellt. Der Betrieb war zunächst weiter gelaufen, weil der Insolvenzverwalter auf neue Kunden und Investoren hoffte.

Das Unternehmen befindet sich seit längerer Zeit in Schieflage. Ende 2018 hatte ein Konsortium um One Square Advisors die Gießerei in Saarbrücken übernommen. Das Vorgänger-Unternehmen Neue Halberg Guss (NHG) war nach monatelangem Streit zwischen dem früheren Eigentümer Prevent und dem Großkunden Volkswagen in finanzielle Nöte geraten. Die Firma hatte dabei wichtige Aufträge für Motorblöcke verloren.

Nach Ansicht der IG Metall trägt die Verantwortung für das Aus der Gusswerke «in erster Linie die Prevent-Gruppe». Sie habe die damalige NHG 2018 übernommen und «zu einem neuen Feldzug gegen den Hauptkunden VW instrumentalisiert», teilte die Gewerkschaft in Frankfurt am Main mit. Die Arbeitsplätze bei der NHG seien «zu einem Spielball der Interessen» der damaligen Gesellschafter geworden und «das Unternehmen rücksichtslos ausgeblutet worden».

Die Gusswerke seien viel zu lange «Spekulanten, sogenannten Investoren, schutzlos ausgeliefert, die nichts anderes im Sinn hatten, als den Betrieb auszuplündern und sich zu bereichern», sagte der Vorsitzende der Linke-Fraktion im Saar-Landtag, Oskar Lafontaine. Das Unternehmen hätte nur gerettet werden können, «wenn durch eine staatliche Beteiligung dieser brutalsten Form des Finanzkapitalismus ein Ende bereitet worden wäre». Die Landesregierung habe «dieses bewährte Mittel zu Rettung von Betrieben unglücklicherweise nicht eingesetzt. Sie ist damit mit verantwortlich für das endgültige Aus von Halberg Guss», sagte Lafontaine.

Nach Ansicht Rehlingers kann man wesentliche Teile der wechselvollen Übernahmegeschichte als Wirtschaftskrimi und auch als Tragödie bezeichnen. Die Landesregierung und das Wirtschaftsministerium nähmen für sich in Anspruch, wirklich nichts unversucht gelassen zu haben. Jede Möglichkeit und manches, das als unmöglich erschien, habe man verfolgt, um eine Chance zu suchen.

«Am Ende muss man einfach feststellen, dass wir insbesondere in den letzten Monaten auf verlorenem Posten gestanden haben», sagte die stellvertretende Ministerpräsidentin. Und auch, dass man mit den Beschäftigen, die bis zum letzten Tag komplett ihre Leistung gebracht hätten, «miteinander gekämpft und nun auch miteinander verloren» habe.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Commerçon kommentierte das Aus für die Gusswerke als das letzte Kapitel in einer Aneinanderreihung von Missmanagement der Eigentümer in den vergangenen Jahren. Dies sei «Kapitalismus von seiner hässlichsten Seite. Wo hier rechtliche Grenzen überschritten wurden, sind strafrechtliche Konsequenzen unbedingt geboten.»

Die Krise habe die Wichtigkeit stabiler Wertschöpfungsketten vielen erst wieder vor Augen geführt. Deshalb sei fraglich, ob sich die ehemaligen Kunden mit dem Aus für den Zuliefererstandort in Saarbrücken wirklich einen Gefallen getan hätten. «Mit den Gusswerken meldet sich ein qualitativ hochwertiger und verlässlicher Zulieferer mit hochmotivierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nun endgültig vom Markt ab. Er dürfte vielen noch fehlen», so Commerçon.

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