Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Hausärzte in Rheinland-Pfalz im Schnitt am ältesten

28.04.2020 - Fast jeder fünfte Hausarzt in Rheinland-Pfalz steht kurz vor der Rente - so viele wie in keinem anderen Bundesland. Landesärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung sehen Handlungsbedarf.

  • An einer Tür einer Hausarztpraxis ist der Schriftzug «Sprechzimmer 1» zu lesen. Foto: Benjamin Ulmer/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    An einer Tür einer Hausarztpraxis ist der Schriftzug «Sprechzimmer 1» zu lesen. Foto: Benjamin Ulmer/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein bundesweiter Vergleich der Ärzteschaft in den Bundesländern zeigt, dass sie in Rheinland-Pfalz im Durchschnitt gleich in mehrerlei Hinsicht am ältesten ist. Die Kassenärztliche Vereinigung sprach sich als Reaktion darauf unter anderem für eine neue Berechnung der Studienplatzzahl aus, die Landesärztekammer forderte mehr Nachwuchsförderung. Das Gesundheitsministerium in Mainz verweist auf bereits ergriffene Maßnahmen.

Grundlage der Diskussion sind Daten des Bundesarztregisters, welche die Deutsche Presse-Agentur ausgewertet hat. Demnach waren Ende vergangenen Jahres die Hausärzte in Rheinland-Pfalz im Schnitt 56,6 Jahre alt. Die im Mittel jüngsten Hausärzte, die für viele Menschen die ersten Anlaufstelle sind, praktizierten in Sachsen (53,6 Jahre).

Wie die Daten zeigen, war Rheinland-Pfalz 2019 auch beim Anteil der über 65 Jahre alten Hausärzte bundesweites Schlusslicht - kam also auf die meisten. 19,8 Prozent und damit knapp jeder fünfte Hausarzt fiel in diese Kategorie. Bezogen auf alle Praxisärzte und Psychotherapeuten in dem Bundesland waren es 12,6 Prozent. Den geringsten Anteil älterer Hausärzte im Vergleich der Länder hat Mecklenburg-Vorpommern - älter als 65 Jahre sind dort 8,4 Prozent.

Nicht nur bei den Hausärzten, auch bei den Kinderärzten war Rheinland-Pfalz hinten. Mit einem Schnitt von 53,6 Jahren teilt sich das Land die rote Laterne den Daten des Bundesarztregisters zufolge mit Bremen. 8,8 Prozent der Kinderärzte zwischen Westerwald und Pfalz waren im vergangenen Jahr älter als 65 Jahre.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz sieht das Problem deutschlandweit gegeben. «Aufgrund der gesetzlich erlassenen Zulassungsbeschränkungen in den 1990er Jahren rollt aktuell eine ärztliche Ruhestandswelle auf Deutschland zu», erklärte ein KV-Sprecher am Dienstag. Aus Sicht der KV gibt es mehrere Stellschrauben, die zur Verbesserung der Lage beitragen könnten.

Eine davon sei die sogenannte Bedarfsplanung. Diese müsse für die grundversorgenden Fachgebiete abgeschafft werden, erklärte der Sprecher. Die Planung steuere, wie viele Ärzte einer Fachrichtung sich in einer Region niederlassen dürften. Die Regelung sei mal ein Instrument gegen eine Ärzteschwemme gewesen, in Zeiten des Ärztemangels sei sie aber «ein falscher Weg». Verbessert werden müssten zudem die oft unattraktiven Arbeitsbedingungen, erläuterte der Sprecher. Er verwies unter anderem auf verpflichtende Bereitschaftsdienste in der Nacht und an Wochenenden sowie eine hohe Arbeitsbelastung.

Der Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Günther Matheis, erklärte, beim Thema Altersdurchschnitt dürften nicht nur die Hausärzte in den Blick genommen werden. Auch bei Fachärzten mache sich der demografische Wandel längst bemerkbar. «Auch hier besteht dringender Handlungsbedarf, um eine flächendeckende Versorgung aufrechtzuhalten.» Um einem Mangel in einer Region entgegenzusteuern, brauche es eine gute Lehre ebenso wie Anreize in den Kommunen für den Medizinernachwuchs. «Und ganz wichtig: eine ausreichende Erhöhung der Anzahl der Medizinstudienplätze.»

Auch die KV sieht Handlungsbedarf bei Studienplätzen. Sie plädiert dafür, mit Studien den künftigen Bedarf an Medizinern zu ermitteln und entsprechend die Zahl der Plätze zu erhöhen, wie der Sprecher sagte. Grundlage hierfür solle der Bedarf in zwölf Jahren sein - denn ein Arzt bringe sechs Jahre Studium und dann eine sechsjährige Weiterbildung zum Facharzt hinter sich. In den 1990er Jahren war die Zahl der Medizinstudienplätze laut KV bundesweit um rund 6000 auf etwa 10 000 Plätze reduziert worden.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) verwies mit Blick auf den Hausarztmangel auf dem Land auf schon gestellte Weichen. Dazu zähle die Förderung von Niederlassungen. Außerdem gebe es zum Beispiel Zuschüsse für Medizinstudierende, die einen Teil des praktischen Jahres im Bereich Allgemeinmedizin machten.

«Langfristig angelegt sind zusätzliche Medizinstudienplätze sowie die Umsetzung der Landarzt- und ÖGD-Quote in Rheinland-Pfalz.» ÖDG steht für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Über die Landarzt- und die ÖGD-Quote sollen Interessierte für die beiden Bereiche gewonnen werden. Deshalb ist für sie ab dem Wintersemester 2020/21 ein Kontingent an Medizinstudienplätzen vorgesehen.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren