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Immer mehr Kalikokrebse: Katastrophe für hiesige Tiere

10.12.2019 - Ein gefräßiger Gliederfüßer aus Nordamerika fasst Fuß im Rheintal. Für die einheimische Flora und Fauna ist das gefährlich. Den Kalikokrebs wieder aus Deutschland zu entfernen erscheint unmöglich.

  • Ein Kalikokrebs, aufgenommen an einem See. Foto: Karsten Grabow/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Kalikokrebs, aufgenommen an einem See. Foto: Karsten Grabow/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa) - Tierische Globalisierung: Ein kleiner Einwanderer frisst in der Pfalz, was ihm vor die Scheren kommt - mit massiven Folgen für die einheimische Tierwelt. Im Rheintal ist der nordamerikanische Kalikokrebs (Orconectes immunis) flussaufwärts wohl schon bis zur Höhe von Worms gelangt und dürfte weiter nach Norden vordringen. «Die Art vermehrt sich in lehmigen, langsam fließenden oder stehenden Gewässern gut und kann die örtlichen Bestände der Wasserpflanzen, der Insekten, der Fische und Amphibien eliminieren», teilt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion in Mainz mit.

Nach früheren Angaben der Biologin Anne Schrimpf von der Universität Koblenz-Landau ist der nordamerikanische Kalikokrebs vermutlich vor Jahrzehnten als Angelköder bei Baden-Baden in Baden-Württemberg in den Rhein gelangt und hat sich von dort aus verbreitet. Wahrscheinlich schaffe der Allesfresser es künftig entlang des Flusses bis in die Niederlande.

Als winziger Jungkrebs steht Orconectes immunis laut Ministerin Höfken zunächst selbst auf dem Speiseplan von Fischen, Wasserkäfern und Libellenlarven. Wird er größer, dreht sich das um: Nun frisst er viele andere Arten. Beispiele aus dem Oberrheingraben zeigen laut Höfken, dass der Kalikokrebs «Kleingewässer stark schädigen kann. Die Tiere trüben das Wasser durch ihre Wühltätigkeit und entziehen sich somit dem Blick potenzieller Fressfeinde.» Die langfristigen Folgen für die heimische Flora und Fauna sind der Ministerin zufolge noch ungewiss.

«Große Populationen können die Gewässer verlassen und über Land gehend neue Gewässer erschließen», erläutert Höfken. «Sie sind sehr widerstandsfähig und können Austrocknung oder Ausfrieren
durch tiefes Vergraben überstehen.» Die Krebse in Teichen und Seen abzufangen und mit Zäunen zu isolieren wäre überaus aufwendig. Außerdem gelten laut der Ministerin Krebsvorkommen etwa in Altarmen von Flüssen «als bisher unerschöpfliches Reservoir zur ständigen Wiederbesiedlung von Kleingewässern». Fazit: «Es ist deswegen
davon auszugehen, dass die Art nicht mehr aus den heimischen Gewässern entfernt werden kann.»

Laut dem Verein «Forum Flusskrebse» ist der maximal etwa neun Zentimeter lange Kalikokrebs in den USA und in Kanada weit verbreitet. In Europa sei er bislang neben Deutschland auch in Frankreich entdeckt worden. Der Gliederfüßer kann die Krebspest übertragen. Diese rafft einheimische Krebse dahin.

Tierische Globalisierung ist nichts Neues: In Europa siedeln sich laut Ministerin Höfken seit Jahrtausenden neue Arten an - aber lediglich rund ein Prozent auf Dauer. «Nur ein geringer Prozentsatz dieser Arten entwickelt dabei invasives Potenzial und wird zu einem Problem für einheimische Arten.»

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