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Kommunen bekämpfen Gräser und Kräuter ökologisch

19.09.2020 - Pestizide gegen unerwünschte Pflanzen, die in Städten und auf Parkplätzen sprießen - eine jahrzehntelange Praxis. Inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt. Der Landesbetrieb Mobilität verwendet große Heißschaumgeräte, Städte nehmen aufwendige Handarbeit in Kauf.

  • Ein Straßenwärter beseitigt am Rand eines Radweges Unkraut mit Hilfe eines Heißschaumgeräts. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Straßenwärter beseitigt am Rand eines Radweges Unkraut mit Hilfe eines Heißschaumgeräts. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Chemische Unkrautvernichter können andere Pflanzen, Tiere und Gewässer belasten - Straßenwärter und viele Kommunen in Rheinland-Pfalz setzen inzwischen auf ökologische Mittel. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hat nach eigener Aussage für fast eine halbe Million Euro zehn spezielle Heißschaumgeräte auf Anhängern beispielsweise für Park- und Rastplätze angeschafft. Damit bringen Straßenwärter etwa 100 Grad heißes Wasser und mit Luft aufgeschäumtes Kokosextrakt auf den Boden auf. Der Schaum bewirkt laut LBM, dass die Hitze bis zu eineinhalb Minuten auf unerwünschte Pflanzen einwirkt.

Bis vor Kurzem seien neben Freischneider und Wildkrautbürsten noch Pflanzenschutzmittel eingesetzt worden. Doch auf solche Mittel wie beispielsweise das umstrittene Glyphosat solle inzwischen verzichtet werden. Dieses steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gelangen Pestizide gegen Gräser und Kräuter «dann oft in Gewässer oder die Kläranlage». Der LBM sieht sich mit seinen Heißschaumgeräten in einer Testphase. Schon jetzt könne von «positiven Tendenzen» gesprochen werden. Bei genügend Erfolg sollen landesweit 20 bis 25 Geräte eingesetzt werden.

Unkraut, Beikraut, Wildkraut - die Bezeichnungen für Wildwuchs beispielsweise zwischen Pflastersteinen variieren je nach Standpunkt. «Es sieht nicht schön aus. Es soll ja gepflegt aussehen», sagt eine LBM-Sprecherin. Der BUND in Rheinland-Pfalz urteilt: «Heißschaumgeräte sind jedenfalls schon mal besser als Glyphosat. Wir würden uns allerdings wünschen, etwas mehr Kräuter und Gräser stehen zu lassen. Sie gehören zum Ökosystem dazu. Sie sind zum Beispiel für Insekten wichtig.» Es gehe um eine Bewusstseinsänderung. Ein Mix aus intensiver und extensiver Pflege könne schön aussehen und in Städten den Erlebniswert steigern.

Ein Vergleich unterschiedlicher Maßnahmen in Rheinland-Pfalz:

BAD NEUENAHR-AHRWEILER setzt auf Wildkrautbürsten und Abflammgeräte. «Diese Vorgehensweise ist für unsere Mitarbeiter mit einem relativ hohen Arbeitsaufwand verbunden. Aber dafür können wir auf die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln verzichten», erklärt ein Stadtsprecher. BINGEN verwendet laut einer Sprecherin unter anderem ein «Wegepflegegerät am Traktor», das Pflanzen rausreißt - eine Walze verdichtet die Fläche wieder.

TRIER hat «an Wegrändern handgeführte Geräte, die mit Hitze/Infrarottechnik arbeiten». In Beeten würden «die Wildkräuter per Hand beseitigt», teilt ein Sprecher mit. Auch ANDERNACH schwört auf Muskelkraft - und auf dem Friedhof auf «ein Gerät mit rotierenden Messern», heißt es im Rathaus. Und: «Herbizide oder Ähnliches kommen in Andernach seit bestimmt 15 Jahren nicht mehr zum Einsatz.»

«In LANDAU setzen wir auf Man- und Woman-Power», berichtet eine Stadtsprecherin. «Wildaufwuchs» werde mit der Hacke entfernt. «An besonders hartnäckigen Pflasterflächen wird die Fadensense eingesetzt.» LUDWIGSHAFEN rückt unerwünschtem Bewuchs mit unterschiedlichem Werkzeug und «Kehrmaschinen mit entsprechenden Wildkrautbürsten» zu Leibe, heißt es im Rathaus. Auch eine Sprecherin von KAISERSLAUTERN spricht von fast ausschließlich mechanischen Methoden. Nur selten komme ein Heißwassergerät zum Einsatz. NEUSTADT/WEINSTRASSE setzt ebenfalls nur auf «chemiefreie Produkte».

Die Landeshauptstadt MAINZ beseitigt nach eigener Auskunft Pflanzen zwischen Pflastersteinen mechanisch. «Das Verfahren, Wildkräuter mit Wasserdampf zu bekämpfen, wurde bereits von der Fachwelt beurteilt und für ökologisch nicht sinnvoll erachtet», erklärt eine Sprecherin. Der heiße Wasserdampf müsse vor Ort mit Hilfe von Diesel oder Gas erzeugt werden. Die Methode sei auch nicht immer erfolgreich bei unterschiedlich tief wurzelnden Pflanzen.

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