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Krankenpfleger soll fünf Menschen ermordet haben

30.08.2019 - Ein Pfleger aus dem Saarland soll Patienten Notfallmedikamente gegeben haben, um sie dann reanimieren zu können. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt gegen ihn wegen fünffachen Mordes. Die Ermittler prüfen nun, ob es womöglich weitere Fälle gibt.

  • Die Zufahrt zum Haupteingang der «SHG Kliniken Völklingen». Foto: Dirk Guldner © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Zufahrt zum Haupteingang der «SHG Kliniken Völklingen». Foto: Dirk Guldner © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Saarbrücken/Völklingen (dpa/lrs) - Schlimmer Verdacht gegen einen Krankenpfleger aus Völklingen: Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt gegen den 27-jährigen Mann wegen fünffachen Mordes und zweifachen Mordversuchs. Er soll Patienten nicht verordnete Notfallmedikamente gegeben habe, um diese in Lebensgefahr zu bringen. Anschließend habe er versucht, sie zu reanimieren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er sich vorerst nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zuerst hatte der Saarländische Rundfunk über den Fall berichtet.

Die mutmaßlichen Taten sollen sich zwischen März 2015 und März 2016 im Saarland ereignet haben. In dieser Zeit sei der Pfleger in der SHG-Klinik in Völklingen beschäftigt gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Die Saarland Heilstätten GmbH (SHG) zeigte sich in einer Stellungnahme erschüttert. Der Beschuldigte sei vom 1.1.2015 bis 30.4.2016 als Pfleger in der operativen Intensivstation der Klinik beschäftigt gewesen. Vorausgegangen sei eine fristlose Kündigung am 30.3.2016 wegen «illoyalen Verhaltens» gegenüber dem Arbeitgeber, teilte ein Sprecher mit. Der Pfleger habe eine Klage dagegen eingereicht, dann sei das Arbeitsverhältnis mit einem gerichtlichen Vergleich beendet worden.

«Nach Mitteilungen von Kolleginnen und Kollegen an die Stationsleitung ging es auch um das Verhalten gegenüber Patientinnen und Patienten im Zusammenhang mit Reanimationen», erklärte der Kliniksprecher. Eine medizinische Überprüfung der geschilderten Auffälligkeiten anhand von Patientenakten habe für die Kliniken jedoch keinen Verdacht ergeben.

Die Staatsanwaltschaft veranlasste jedoch die Exhumierung von sieben gestorbenen Patienten und eine toxikologische Untersuchung der sterblichen Überreste. Bei sechs von ihnen seien Wirkstoffe gefunden worden, die nicht ärztlich verordnet gewesen und potenziell tödlich seien, erklärte die Behörde. Laut Ermittlern handelt es sich um die Wirkstoffe Ajmalin, Flecainid und Midazolam.

Der Fall weckt Erinnerungen an die Mordserie des Krankenpflegers Niels Högel. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn am 6. Juni wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft. Högel war bereits zuvor zweimal verurteilt worden, 2015 unter anderem wegen zweifachen Mordes an Patienten zu lebenslanger Haft. Er hatte Patienten mit Medikamenten in lebensgefährliche Situationen gebracht, um sie dann reanimieren zu können. In zahlreichen Fällen gelang das nicht mehr.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft begannen die Ermittlungen gegen den heute 27-jährigen Pfleger im Juni 2016. Damals sei er in den frühen Morgenstunden auf eine Intensivstation des Krankenhauses in Saarburg im benachbarten Rheinland-Pfalz gekommen und habe sich als Notarzt ausgegeben. Dem Personal habe er gesagt, er müsse an einem Patienten eine besondere Untersuchung vornehmen. Dabei habe er eine Notarztjacke angehabt und einen Defibrillator sowie einen Monitor dabei gehabt. Zu der Behandlung kam es aber nicht, Polizisten nahmen den Mann vorläufig fest.

Eine Überprüfung habe ergeben, dass er eigentlich als Pfleger auf einer Intensivstation im Uniklinikum Homburg arbeitete und dort nicht zur Nachtschicht erschienen war. Es habe sich herausgestellt, dass in Homburg bereits klinikinterne Ermittlungen gegen den Mann liefen, weil er einer Patientin ein nicht verordnetes Medikament verabreicht haben soll.

Inzwischen sitzt er laut Staatsanwaltschaft aufgrund eines Urteils des Amtsgerichts Saarbrücken in anderer Sache - wegen Betrugs - in dreijähriger Strafhaft im Gefängnis der saarländischen Landeshauptstadt. Nach Angaben der SHG-Klinik ermittelten Beamte der Kriminalpolizei im Juni 2016 wegen des Missbrauchs von Titeln. So soll dem Beschuldigten vorgeworfen sein, er habe sich als Arzt ausgegeben. Dies habe aber nicht die SHG-Kliniken betroffen.

Der 27-Jährige war nach Auskunft der Staatsanwalt Saarbrücken zuvor in Kliniken in Wiesbaden und Frankfurt beschäftigt gewesen. Die zuständigen Ermittlungsbehörden in Hessen würden über die neuen Erkenntnisse informiert. Es gebe vorerst keine konkreten Hinweise auf ähnliche Taten in Wiesbaden und Frankfurt - das dortige Wirken des Beschuldigten müsse aber geprüft werden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiesbaden sagte am Freitag, ein entsprechender Hinweis der Kollegen in Saarbrücken sei an die Polizei zur Prüfung weitergeleitet worden. Weitere Details nannte er nicht. Auch von der Klinik Völklingen gab es vorerst keine Stellungnahme.

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