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Kühlturm des AKW Mülheim-Kärlich ist Geschichte

09.08.2019 - Nach jahrelanger Vorarbeit ist es vollbracht: Der Kühlturm des AKW Mülheim-Kärlich steht nicht mehr. Er wurde am Freitag gezielt zum Einsturz gebracht. Beim Ende eines Symbols der Kernenergie in Rheinland-Pfalz war auch Politprominenz dabei.

  • Der Kühlturms des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich stürzt kontrolliert zusammen. Foto: Thomas Frey © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Kühlturms des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich stürzt kontrolliert zusammen. Foto: Thomas Frey © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mülheim-Kärlich (dpa/lrs) - Eine große Rauchwolke, übrig blieb dann Schutt: Der Kühlturm des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich ist am Freitag gezielt zum Einsturz gebracht worden. Über 30 Jahre, nachdem der Meiler nach nur 13 Monaten Laufzeit vom Netz ging, ist das einst das Neuwieder Becken nördlich von Koblenz dominierende über 160 und zuletzt noch rund 80 Meter hohe Betonkonstrukt Geschichte.

Zuvor hatten zwei ferngesteuerte Bagger - einer mit einem Meißel und einer mit einer Zange - stundenlang mehrere von insgesamt 72 Stützen am unteren Ende des Turms weggerissen. In den Tagen zuvor war der Turm zudem gezielt geschwächt worden, indem Schlitze in den Beton gesägt wurden.

Mit dem Kühlturm, der früher sogar den Kölner Dom überragte, verschwindet das augenfälligste Bauwerk des schon lange stillgelegten 1300-Megawatt-Reaktors am Rhein, des einzigen Atomkraftwerks in Rheinland-Pfalz. Die obere Turmhälfte hatte seit Sommer 2018 ein eigens dafür konstruierter Abrissbagger mit einer Zange samt Zacken regelrecht abgeknabbert. Er arbeitete sich langsam auf der Mauerkrone des Turms entlang. Im unteren Teil des Turmes konnte er nicht weiterarbeiten, da die Neigung zu groß wurde. Eine Sprengung des Turmrests war nach RWE-Angaben unter anderem wegen der Nähe zum noch stehenden Reaktorgebäude nicht infrage gekommen.

Zum finalen Schritt des Kühlturm-Abrisses kamen auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) nach Mülheim-Kärlich. «Es ist ein Riesenereignis», sagte Dreyer. Mit dem Turm verschwinde ein Symbol für eine verfehlte Energiepolitik, das mache den Ausstieg aus der Atomenergie greifbar. Der Abriss sei auch Zeichen einer Wende in der Energiepolitik. Heutzutage komme jede zweite erzeugte Kilowattstunde aus erneuerbaren Energiequellen.

Umweltministerin Höfken erinnerte daran, dass nach kurzer Laufzeit enorme Folgekosten angefallen seien. «Hier in Mülheim-Kärlich begann der Atomausstieg, als es Bürgerinnen und Bürgern gelang, durch Klagen aufgrund von gravierenden Sicherheitsproblemen den Betrieb eines AKW zu stoppen.» Der Fall des Kühlturms sei auch das «Ende einer Ära.» Noch liefen aber einige AKWs, auch die Altlasten der Kernenergie blieben. Ihrem Ministerium zufolge ist der Rückbau in Mülheim-Kärlich bis zur grünen Wiese genehmigt. Im Reaktorgebäude sind unter anderem noch der Dampferzeuger und der Reaktordruckbehälter.

Die Anti-Atomkraft-Initiative «Ausgestrahlt» mahnte, der Turm sei zwar verschwunden, der Rückbau dauere aber noch lange. Und der sei trotz der kurzen Laufzeit des Werkes teuer. «Eigentlich hätte man den Kühlturm als Mahnmal für den teuren Irrweg der Atomenergie-Nutzung stehen lassen sollen.»

RWE baut das Kraftwerk seit 2004 zurück, insgesamt wird das rund eine Milliarde Euro kosten und wohl noch ein ganzes Jahrzehnt dauern. Verantwortlich für die nach August 1987 nur kurze 13-monatige Laufzeit war eine Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts, die die Abschaltung zur Folge hatte. Grob gesagt ging es um die Gefahr einer unterirdischen Verwerfungslinie - einer Bruchstelle im Gestein -, die nicht ausreichend berücksichtigt worden war. Offiziell hieß es in der Begründung: Eine Teilgenehmigung des Kraftwerks ist wegen eines Verfahrensfehlers nicht rechtskräftig. Es folgte ein langer Rechtsstreit, der im Jahr 2000 mit dem Beschluss der rot-grünen Bundesregierung zum Ausstieg aus der Kernenergie hinfällig wurde.

Auch an anderen Orten in Deutschland werden AKWs zurückgebaut, Beispiele sind Neckarwestheim bei Heilbronn, Isar I in Essenbach nahe Landshut, das AKW Unterweser nahe Bremerhaven, das im niedersächsischen Stade oder die einst ebenfalls von RWE betriebenen AKWs in Lingen im Emsland sowie im südhessischen Biblis. Bereits bis zur grünen Wiese zurückgebaut sind etwa die Kraftwerke Großwelzheim und Kahl in Unterfranken.

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