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Lüftungsgeräte im Unterricht: Fachberatung gefordert

21.10.2020 - Regelmäßiges Stoßlüften soll nach den Herbstferien zu jeder Unterrichtsstunde gehören. Wo Fenster fehlen, können mobile Geräte helfen. Wie viele gebraucht werden, ist aber noch unklar. Schulträger und Gewerkschaften fordern klare Vorgaben für Kauf und Nutzung.

  • Stefanie Hubig (SPD), Ministerin für Bildung in Rheinland-Pfalz, trägt einen Mundschutz. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Stefanie Hubig (SPD), Ministerin für Bildung in Rheinland-Pfalz, trägt einen Mundschutz. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die meisten Schulen haben nach Einschätzung des Städtetags Rheinland-Pfalz kein Problem mit dem Lüften ihrer Unterrichtsräume und sind daher auch nicht auf mobile Geräte angewiesen. «Uns ist kein flächendeckendes Problem bekannt», sagte der geschäftsführende Direktor, Fabian Kirsch, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht dagegen gerade an größeren Schulen durchaus Bedarf für solche Geräte, etwa in Werkstätten der Berufsschulen, aber auch in Räumen mit Oberlichtern. Er glaube aber nicht, dass Millionen von Geräten angeschafft werden müssten, sagte der GEW-Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer und appellierte daran, beim Kauf auch an die Nachhaltigkeit zu denken.

Die Entscheidung von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) und dem Ministerrat, solche Geräte mit bis zu sechs Millionen Euro zu fördern, sieht GEW-Chef Hammer als «ein gutes Signal», das angesichts der vielen Anfragen auch zur Beruhigung beitrage. Die Landesregierung hätte dies nach seiner Auffassung auch schon vor zwei, drei Wochen entscheiden können, gehöre damit aber andererseits zu den Vorreitern in Deutschland.

Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Bold, meinte: «Entgegen der optimistischen Äußerungen von Ministerin Hubig scheint es wohl doch so zu sein, dass es an vielen Schulen noch immer beziehungsweise mehr Klassenräume als angenommen gibt, in denen Fenster nicht geöffnet werden können und die für den Unterricht somit nicht geeignet sind.» Bold kritisierte: «Nach und nach erfahren wir scheibchenweise, dass die Situation doch ernster ist als bislang angenommen, bisherige Maßnahmen offensichtlich doch nicht ausreichend sind.» Das Recht auf körperliche Unversehrtheit stehe über dem auf Bildung. «Wir müssen uns Gedanken darüber machen, die Maskenpflicht in den Schulen nicht doch auszuweiten.»

«Auch wenn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen regelmäßiges Lüften das beste Mittel der Wahl ist, kann dieses leider nicht überall in unseren Schulen umgesetzt werden», sagte Agneta Psczolla vom Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, ohne eine Größenordnung zu nennen. «Deshalb ist es gut, dass das Bildungsministerium nunmehr eine Förderung für mobile Lüftungsgeräte für innenliegende Räume wie zum Beispiel Werkräume oder dort, wo keine Fenster geöffnet werden können, in Aussicht gestellt hat.»

Einig sind sich Gewerkschaften und kommunale Spitzenverbände, dass die Schulen bei der Anschaffung der Geräte Handreichungen und Beratung brauchen. «Die Geräte sind auch keine triviale Angelegenheit», betonte Kirsch vom Städtetag. Darin seien sich hochkarätig besetzte Expertenrunden einig gewesen. Es komme sowohl auf das richtige Gerät als auch auf den richtigen Standort und die Wartung an. Wenn alle drei Bedingungen erfüllt seien, könnten sie eine Unterstützung sein.

«Nicht nur Schulträger, sondern auch Schulfördervereine brauchen jetzt seitens des Landes klare Vorgaben, welche technischen Standards die Geräte für die jeweilige Raumsituation erfüllen müssen, damit am Ende nicht nutzlose Geräte angeschafft werden», sagte Psczolla. Das Land müsse schnell klare Vorgaben machen, «damit das Beschaffungsverfahren schnell eingeleitet und eine sachgerechte Wartung sichergestellt werden kann».

Eine gute Beratung der Schulträger von Fachleuten ist auch nach Hammers Einschätzung entscheidend. Bold sagte: «Wie auch bei der Digitalisierung müsste das Land hier behilflich sein und Empfehlungen (Anbieter/Geräteeigenschaften) vorhalten.»

Die CDU-Landtagsfraktion schlägt eine Prioritätenliste für die Anschaffung von Raumluftfilteranlagen vor. «Die Punkte «Unterrichtsausfall vermeiden», «Virenlast in Klassenzimmern verringern» und «Schulen mit Lüftungsproblemen vorrangig unterstützen» stehen ganz oben auf dieser Liste», sagte der Spitzenkandidat für die Landtagswahl und Oppositionsführer im Landtag, Christian Baldauf. «Wäre die Landesregierung unserem Vorschlag im September gefolgt, hätten die Herbstferien dazu genutzt werden können, um effektive Lüftungsanlagen in den Schulen zu installieren.»

Das Kabinett hatte am Dienstag beschlossen, mobile Lüftungsgeräte für Schulen mit bis zu sechs Millionen Euro zu fördern. «Das Lüften der Klassenräume bleibt - neben der Einhaltung der AHA-Regeln - das A und O», hatte Bildungsministerin Hubig betont. Diese Geräte könnten aber für wichtige, nicht zu lüftende Unterrichtsräume eine Lösung sein. «Voraussetzung dafür ist, dass die Fenster nicht zu ertüchtigen sind und die jeweiligen Räume für den Unterricht gebraucht werden.»

Die Grünen sehen bei der Finanzierung dieser Geräte vor allem den Bund in der Pflicht. Landtagsfraktionschef Bernhard Braun sagte: «Das gerade in Kraft getretene 500-Millionen-Euro-Programm der Bundesregierung zur Aufrüstung bestehender, stationärer Klima- und Belüftungsanlagen muss unbedingt auf mobile Anlagen erweitert werden.» Es beinhalte keine Versorgung mit mobilen Filtergeräten, obwohl diese viel flexibler, bedarfsgerechter und vor allem wesentlich schneller einsatzbereit seien.

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