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Lehrer fordern Gesamtkonzept für Digitalisierung an Schulen

06.05.2019 - Protokolle von Elternbesprechungen werden auf Privatcomputern von Lehrern gespeichert, da es an den Schulen keine Dienstcomputer für alle gibt. Darauf weist die Lehrergewerkschaft VBE hin. Das Land stockt Mittel auf.

  • Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, spricht am Mikrofon. Foto: Arne Dedert/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, spricht am Mikrofon. Foto: Arne Dedert/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa/lrs) - Die Lehrergewerkschaft VBE hat Landesregierung und kommunale Schulträger zu einem Gesamtkonzept für die Digitalisierung an den Schulen aufgerufen. Nötig seien klare Zielsetzungen, bis wann welche Standards der digitalen Ausstattung erreicht sein sollten, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Lars Lamowski, am Montag in Mainz.

Bislang seien die Schulen in Rheinland-Pfalz nur unzureichend mit digitaler Technik ausgestattet, kritisierte der Mitgliedsverband des Deutschen Beamtenbunds (DBB) bei der Vorstellung einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Demnach verfügen nur an jeder fünften Schule alle Lehrkräfte über einen dienstlichen PC und an einem Drittel der Schulen hat kein einziger Lehrer einen Dienst-PC. An 47 Prozent der Schulen gebe es dies für einige, aber nicht alle Lehrer.

An vielen Grundschulen hätten nur der Schulleiter und der Konrektor einen dienstlichen Computer, sagte Lamowski. Daher müssten Lehrer oft hochsensible Daten wie Zeugnisse, Notenlisten oder Protokolle von Elterngesprächen auf ihrem Privatcomputer speichern. Dies sei allein schon aus Gründen des Datenschutzes ebenso problematisch wie der Umstand, dass nur an 45 Prozent der Schulen alle Lehrer eine dienstliche Mail-Adresse hätten.

«Das Land hat seine Hausaufgaben an dieser Stelle nicht gemacht», kritisierte Lamowski. «Das ist ein Investitionsstau, der in die Milliarden geht.» Es gebe kein Gesamtkonzept, um die Versäumnisse aufzuholen. VBE-Landesvorsitzender Gerhard Bold sagte, die Gewerkschaft arbeite eng mit dem Gemeinde- und Städtebund sowie dem Landkreistag zusammen, «damit die Digitalisierung auch in den Schulen sinnvoll umgesetzt wird».

An 37 Prozent der Schulen gibt es der Umfrage zufolge Klassensätze mit Tablet-Computern und Smartphones für die Nutzung digitaler Medien im Unterricht. An 52 Prozent der Schulen in Rheinland-Pfalz haben alle Klassen und Fachräume einen Internetzugang mit hoher Bandbreite - bundesweit ist dies nur an 36 Prozent der Schulen der Fall. Für die Erhebung hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa von Januar bis März bundesweit 1232 Schulleiter befragt, darunter 101 in Rheinland-Pfalz.

Kritisiert wird von den Lehrervertretern die verbreitete Praxis, einen Lehrer oder eine Lehrerin mit dem Support für Schulcomputer oder digitale Tafeln zu betrauen. Der Verband fordert hier die grundsätzliche Wartung durch externe IT-Fachkräfte. «Lehrer werden in ein Aufgabengebiet gesteckt, für das sie nicht ausgebildet sind», sagte Ann-Christin Wirth vom Jungen VBE. «Zugleich stehen sie dann nicht für ihre eigentliche Aufgabe zur Verfügung, Kinder zu erziehen.»

Ein Gesamtkonzept des Bildungsministeriums sei schon lange überfällig, kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Anke Beilstein. Die Landesregierung «hat nicht nur über Jahre versäumt, unsere Schulen fit für moderne Kommunikationstechnologien zu machen, sondern offensichtlich auch keinen Plan, wie das in der Zukunft besser werden soll».

Für die sogenannte Anwendungsbetreuung kündigte das rheinland-pfälzische Bildungsministerium am Montag an, die dafür vorgesehenen Mittel von drei auf sechs Millionen Euro zu verdoppeln. «Damit gehen wir einen entscheidenden Schritt nach vorne und unterstützen unsere Schulen deutlich mehr beim Lernen und Lehren in der digitalen Welt», erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Grundschulen erhalten mindestens 1000 Euro, Schulen mit Sekundarstufe I 1500 Euro und Schulen mit Sekundarstufe II 2000 Euro. So könne jede Schule und jeder Schulträger vor Ort «passgenaue Lösungen» entwickeln. «Damit gehen wir einen großen Schritt voran und wissen: der Weg ist noch länger. Und auch die Schulträger müssen jetzt liefern.»

Ab dem kommenden Schuljahr sollen alle Schulen eine Lehrkraft als Koordinator für digitale Bildung benennen können. «Gemeinsam mit der Schulleitung und dem Kollegium werden sie Lehren und Lernen mit und über digitale Medien an ihrer Schule voranbringen.» Dafür erhält die Schule Zeitkontingente in Form von sogenannten Anrechnungsstunden, je nach Schülerzahl zwischen einer halben und vier Stunden pro Woche.

Der Philologenverband Rheinland-Pfalz begrüßte die Ankündigung des Ministeriums als notwendig und richtig. Jetzt seien die Schulträger in der Pflicht. «Natürlich kann man schnell einmal digitale Geräte kaufen und einer Schule bereitstellen», erklärte die Landesvorsitzende Cornelia Schwartz. «Dies ist allerdings reine Geldverschwendung, wenn nicht gleichzeitig der technische Support mitbedacht wird.» Hier geht der Philologenverband über die Ankündigung des Ministeriums hinaus und fordert «für je 200 digitale Endgeräte die Einstellung mindestens einer IT-Vollzeitkraft, die die Geräte dann wirklich warten kann, damit sie für die Schule jederzeit einsatzbereit sind».

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