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Mann oder Frau am Steuer gesucht: eklatanter Busfahrermangel

23.10.2019 - Dass der Bus nach Fahrplan fährt, ist für viele selbstverständlich. Doch mittlerweile fragt sich, wer all die Überland- oder Stadtlinien steuern soll. Es mangelt an Busfahrern zwischen Westerwald und Pfalz - und eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

  • Die Mainzer Skyline spiegelt sich in einem Stadtbus auf der Theodor-Heuss-Brücke. Foto: Andreas Arnold/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Mainzer Skyline spiegelt sich in einem Stadtbus auf der Theodor-Heuss-Brücke. Foto: Andreas Arnold/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa/lrs) - Ob Schüler, Pendler oder Touristen - viele Menschen nutzen das öffentliche Verkehrsmittel Bus. Im ländlichen Raum geht für Menschen ohne Auto kaum etwas ohne Busse. Wie gravierend die Folgen sein können, wenn kein Bus kommt, zeigte sich vor einiger Zeit in der Hunsrück-Verbandsgemeinde Kirchberg. Dort brach der Schulbusverkehr wegen der Pleite zweier Busunternehmen zeitweise zusammen. Unabhängig von solchen Turbulenzen leidet die gesamte Branche unter einem eklatanten Mangel an Fahrern.

Schon längst suchen Betriebe auch in Rheinland-Pfalz Hilfe bei spezialisierten Agenturen, um an Personal zu kommen. Experten sagen, es gebe Wege, den Pool an potenziellen Fahrern zu vergrößern. Dafür müsse aber an mehreren Stellschrauben gedreht werden.

In einer Umfrage des Bundes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) unter seinen Mitgliedern im vergangenen Jahr gaben satte 79,1 Prozent an, unter Fahrermangel zu leiden. Zudem werden laut BDO viele der bundesweit rund 103 000 Busfahrer in den kommenden Jahren in Rente gehen. Die Lage ist so ernst, dass hierzulande der Verband des Verkehrsgewerbes (VDV) Rheinland und der VDV Rheinhessen-Pfalz kürzlich einen «Tag der Fahrerrekrutierung» organisierten, um dem Fahrermangel in der Bus-, Logistik- und Güterverkehrsbranche entgegenzuwirken.

Unternehmensvertreter diskutierten mit Vertretern von Agenturen, die sich auf das Vermitteln von Fahrpersonal spezialisiert haben. Im Anschluss befand der Vorsitzende des VDV Rheinland, Ralf Bernards: «Es gibt nicht den Königsweg, um das Problem des Fachkräfte- beziehungsweise Fahrermangels in den Griff zu bekommen.» Nötig sei ein Zusammenspiel von Maßnahmen. «Dazu gehört in den letzten Jahren verstärkt das Thema Recruiting durch professionelle Agenturen.»

Die Verbände wünschen sich etwa, dass Fahrern aus Drittstaaten der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtert wird. Es sei unter anderem an der Zeit, den Kraftfahrerberuf sowohl im Güterkraft- als auch im Omnibussektor als Mangelberuf anzuerkennen. Fördermöglichkeiten für die Verkehrsbranche bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern müssten ausgebaut und zielgerichteter werden, teilten die beiden VDV-Geschäftsführer Heiko Nagel und Guido Borning mit.

Bernd Albrecht macht als einen Grund für die Misere die Pflicht aus, Leistungen des öffentlichen Busverkehrs EU-weit auszuschreiben. Albrecht ist Chef der Agentur Con Y Cam GmbH in Kirchheimbolanden, die beim «Tag der Fahrerrekrutierung» dabei war. Wegen der Ausschreibungspflicht konkurriere der gewachsene Mittelstand der Branche mit internationalen Konzernen. Wenn nur das billigste Angebot zähle, entstehe ein Kostendruck weit über das gesunde Maß hinaus.

«Das hat Folgen für das Personal in der Branche», sagt Albrecht. Die Betriebe hätten immer weniger Möglichkeiten, in Ausbildung und Anwerbung neuer Kräfte zu investieren. «Das Ergebnis sehen wir jetzt: Ein fast vollständig ruiniertes Berufsbild mit schlechtem Image, einem auf die Anforderungen und die Verantwortung bezogen niedrigem Einkommen und zweitklassigen Arbeitsbedingungen.»

Der Fahrermangel äußert sich nach Einschätzung von Carsten Kamphausen von der Servicekraft Bus GmbH aus dem mittelhessischen Amöneburg, die ebenfalls Personal im Busgewerbe vermittelt, auf mehrere Arten. Es fielen Fahrten aus, zudem stellten Unternehmen Fahrer ein, die etwa wegen «bunter Lebensläufe» oder mangelnder Sprachkenntnisse vor ein paar Jahren noch keine Chance gehabt hätten. Er selbst müsse keine Kunden mehr suchen, permanent suchten Betriebe bei ihm Unterstützung.

Auch die Deutsche Bahn, die mit mehreren Geschäftsfeldern im Busverkehr engagiert ist, kennt den Fahrermangel bestens. «Wir brauchen viele neue Busfahrer, gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt eng und der Wettbewerb um Personal hart», sagt Annamaria Dahlmann, Leiterin der Personalgewinnung im Unternehmen in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Um Menschen für das Unternehmen zu begeistern, werde zum Beispiel auf innovative Rekrutierungsformate wie Fachkräfte-Castings gesetzt. Eines ist etwa an diesem Freitag (25. Oktober) am Mainzer Hauptbahnhof. Die Bahn bildet selbst Busfahrer aus, in der dualen Ausbildung und Quereinsteiger.

Albrecht von der Agentur Con Y Cam verweist auf das seit Jahrzehnten negative Bild des Busfahrerberufs. «Der Busfahrer als Wunschberuf bei Schulabgängern kommt kaum oder gar nicht vor», sagt er. Eine schnelle Lösung sei daher nicht in Sicht. «Image- und Werbekampagnen für den Busfahrerberuf, die es immer wieder einmal gibt, laufen regelmäßig ins Leere.» Lohnsteigerungen in der Vergangenheit hätten den Job zwar etwas attraktiver gemacht, doch Geld sei nicht alles.

«Was viele Busfahrer im Alltag stört, sind die steigende Stressbelastung und die Schichtzeiten, die mitunter geprägt von langen, unbezahlten Pausen bis in die private Lebensplanung hineinwirken», sagt er. Auch Kim Alexander Zickenheiner hält die Bezahlung der Fahrer nicht für das einzig Entscheidende. Es gehe etwa auch darum, Dienstpläne möglichst angenehm für die Mitarbeiter zu gestalten, sagt Zickenheiner. Zickenheiner ist Assistent der Geschäftsführung bei der in Koblenz sitzenden Bus-Unternehmensgruppe Zickenheiner, die Linien in der Rhein-Mosel-Stadt, im Westerwald, an der Mosel, dem Rhein-Hunsrück-Kreis sowie den Kreisen Mayen-Koblenz und Neuwied bedient und über 100 Busse und auch Fahrer hat.

Was also tun? «Ohne Zuwanderung geht es nicht», meint Kamphausen. Das sei im Busfahrermarkt nicht anders als in anderen von Fachkräftemangel geplagten Branchen. Fahrer aus dem Ausland müssten unbürokratischer an Arbeitsvisa kommen, ausländische Führerscheine müssten einfacher anerkannt werden. Es sei beispielsweise kaum nachvollziehbar, dass serbische Führerscheine uneingeschränkt überschreibbar seien, bosnische begrenzt und kosovarische gar nicht.

Sein Agentur-Kollege Albrecht sagt, Lohnsteigerungen seien für viele Betriebe «eine schwere Hypothek für die Zukunft». Die Mehrkosten könnten kaum durch höhere Einnahmen kompensiert werden - das verhinderten feste Abrechnungsstrukturen. «Es ist deshalb mit weiteren Betriebsaufgaben im Mittelstand zu rechnen», warnt Albrecht.

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