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Mehr Rheinland-Pfälzer arbeitslos: 10 000 Azubistellen frei

30.07.2020 - Nochmal mehr Arbeitslose, nochmal mehr Anzeigen von Kurzarbeit - auch im Juli belastet die Corona-Krise den Arbeitsmarkt - beim Abschluss von Azubi-Verträgen sorgt die Pandemie für Unsicherheiten, gleichzeitig bringt sie einen wahren Digitalisierungsschub.

  • Der Schriftzug der «Agentur für Arbeit» an einem Gebäude. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Schriftzug der «Agentur für Arbeit» an einem Gebäude. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Krise hat im Juli für einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz gesorgt. Seit vielen Jahren mal wieder ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Land zuletzt zwei Monate in Folge gesunken, wenn auch nur geringfügig, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Donnerstag mitteilte.

Man habe sich vor einem Jahr nicht vorstellen können, dass der Arbeitsmarkt nun so aussehe, sagte die Chefin der Regionaldirektion, Heidrun Schulz, am Donnerstag in Koblenz. Saisoneffekte würden in diesem Jahr durcheinandergewirbelt und von der Pandemie überlagert. Die gestiegene Arbeitslosigkeit treffe alle Personengruppen, überdurchschnittlich Menschen ohne Ausbildung und Menschen mit ausländischem Pass. Das produzierende Gewerbe sei betroffener als Dienstleistungsberufe, damit auch Männer mehr als Frauen. Deutlich weniger Menschen als sonst gelinge derzeit der Schritt von der Arbeitslosigkeit zurück in Erwerbstätigkeit. Wie es weitergehe, werde stark von der Entwicklung der Gesundheitslage abhängen, sagte Schulz.

Doch die Agentur sieht nicht nur trüb, verweist darauf, dass die Zahl Jobsuchender und der Anzeigen von Kurzarbeit längst nicht mehr so steigt wie in den Monaten davor. Verändert hat die Pandemie die Arbeitswelt bereits jetzt. Sie habe dem Thema Digitalisierung einen Schub gegeben, in Unternehmen und bei Bildungsangeboten, die nun vielfach online über die Bühne gingen. «In der Bildungswelt haben die letzten drei Monate Revolutionen ausgelöst», sagte Schulz.

Insgesamt waren im Juli in Rheinland-Pfalz 128 800 Menschen ohne Job und damit 2300 mehr als im Juni sowie 28 200 mehr als im Juli 2019. Die Arbeitslosenquote kletterte von 5,6 Prozent im Juni auf 5,7 Prozent, vor einem Jahr lag sie noch bei 4,5 Prozent.

Zwischen Westerwald und Pfalz meldeten sich im Juli 9600 Frauen und Männer neu arbeitslos, nochmal über elf Prozent mehr als im Vormonat. Seit Jahresbeginn beläuft sich ihre Zahl auf ungefähr 80 500, ebenfalls elf Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig fanden im Juli 7400 Personen den Weg zurück in die Erwerbstätigkeit, ein Prozent weniger als im Juni. Seit Jahresbeginn sind es 51 100 - 9,5 Prozent weniger als ein Jahr davor. Die Zahl der offenen Stellen lag mit 28 400 im Juli ein Drittel unter dem Stand von vor zwölf Monaten.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Land sank im Mai - das ist der aktuellste Datenstand - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,5 Prozent, im April waren es bereits minus 0,2 Prozent gewesen. Davor hatte es laut Agentur letztmalig einen Rückgang im Dezember 2009 - also vor mehr als zehn Jahren - gegeben.

Kurzarbeit haben in der Corona-Pandemie laut Agentur bislang 41 100 rheinland-pfälzische Betriebe für über 472 000 Beschäftigte angemeldet - vor allem in den Monaten März bis Mai. Das heißt nicht, dass alle die Kurzarbeit auch umgesetzt haben. Hochrechnungen liegen nun für den April vor, in dem Monat galt Kurzarbeit in 29 000 Betrieben im Land für rund 213 100 Mitarbeiter. Kurzarbeit sei das Instrument, das den Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Grenzen halte, Menschen im Job halte und Unternehmen die Fachkräfte auch in der Krise sichere, erklärte Schulz.

Ähnlich positiv äußerte sich zum Kurzarbeitergeld die Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU). «Wie auch in der letzten Krise ist das Kurzarbeitergeld ein zentrales Element der Krisenbewältigung», sagte Hauptgeschäftsführer Karsten Tacke. Derzeit gebe es keine Anzeichen, dass das Vorkrisen-Niveau innerhalb der kommenden zwei Jahre wieder erreicht werde.

Junge Menschen auf dem Sprung ins Berufsleben haben trotz der Corona-Krise recht gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz, etwa 10 000 gemeldete Stellen sind noch nicht vergeben. Das sind lediglich 2,6 Prozent weniger als im Juli vergangenen Jahres. Zu haben sind vergleichsweise viele Stellen unter anderem für angehende Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer, Handelsfachwirte, Kaufleute für Büromanagement, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Anlagenmechaniker oder auch Fachkräfte in der Lagerlogistik.

Den offenen Azubi-Stellen stehen in Rheinland-Pfalz 7100 Bewerber ohne Azubiplatz gegenüber. Das sind mit über elf Prozent deutlich mehr als vor zwölf Monaten. Insgesamt wurden den Arbeitsagenturen und Jobcentern im Land zwischen Oktober 2019 und Juli dieses Jahres 24 600 Ausbildungsstellen gemeldet - rund acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

«Sowohl aufseiten der Unternehmen wie auch bei den Bewerberinnen und Bewerbern gibt es in diesem Jahr pandemiebedingt Unsicherheiten, die dazu führen, dass Entscheidungen geschoben werden», sagte die Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Agentur für Arbeit, Heidrun Schulz. Sie ermutigte, den endgültigen Schritt hin zu einem Vertragsabschluss bald zu gehen.

Zu den Unsicherheiten kommen Schulz zufolge Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt. So passe beispielsweise der Berufswunsch nicht zu einer offenen Stelle oder diese sei in einer anderen Region, die für die jeweiligen Jugendlichen nicht oder nur schwer zu erreichen sei.

«Schon in normalen Zeiten ist der erfolgreiche Berufseinstieg nicht für alle Jugendlichen ein Selbstläufer», sagte Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). «Die Corona-Pandemie verschärft dieses Problem und erschwert aus verschiedenen Gründen die Findung einer geeigneten Ausbildungsstelle.» Angebote der Berufsorientierung hätten teils nicht wie geplant stattfinden können, viele Unternehmen zögerten, ob und in welchem Umfang sie Ausbildungsplätze anbieten.

Um junge Menschen und ausbildende Unternehmen auch oder gerade in der Pandemie zusammenzubringen, werden teils regional auch außergewöhnliche Wege gegangen. Die Arbeitsagentur Koblenz-Mayen etwa führt in Kooperation mit Handwerks- sowie Industrie- und Handwerkskammer Gespräche mit jungen Menschen im Freien - «Walk & Talk» heißt das Projekt, wie Agenturleiter Frank Schmidt berichtete.

In dem Agenturbezirk läuft ein weiteres Projekt namens «Fit4Bit!», das Arbeitgeber, Arbeitgeber und Arbeitssuchende fit für das digitale Zeitalter machen soll. Es gebe Betriebe, die sich bislang kaum mit dem in der Krise noch wichtiger gewordenen Thema befasst hätten, sagte Schmidt. «Wer sich nicht rechtzeitig auf die Veränderungen einstellt, könnte zum Verlierer dieses gewaltigen und schnell fortschreitenden Prozesses werden.»

Individuell wird je nach Firma oder Mensch geschaut, was an Wissen, Qualifikation oder Technik benötigt werden könnte, wie Daniela Anhäuser vom Berufsförderungswerk Koblenz erzählte. Bei einem Dachdeckerbetrieb könne es zum Beispiel darum gehen, wie er digital mit Kunden kommunizieren oder Mitarbeiter gewinnen könne oder wie sich Drohnen bei der Untersuchung von Dächern nutzen lassen könnten.

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