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Öffentlichen Verwaltung fehlt es an Technik fürs Homeoffice

13.02.2021 - Das für viele Arbeitnehmer coronabedingte Homeoffice macht auch vor der öffentlichen Verwaltung nicht Halt. Wie gut hier die Arbeit von zuhause funktioniert, hängt nicht nur vom Willen der Arbeitgeber ab. Allzu häufig scheitert es an der Technik.

  • Eine Frau arbeitet am Küchentisch an ihren Laptops. Foto: Lisa Ducret/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Frau arbeitet am Küchentisch an ihren Laptops. Foto: Lisa Ducret/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Einigen öffentlichen Verwaltungen in Rheinland-Pfalz fehlt es an der nötigen Technik, um noch mehr Mitarbeitenden in der Corona-Pandemie die Arbeit von zu Hause zu ermöglichen. «Eine kommunale Beschaffung dauert aufgrund der Wartezeiten und Formalien derzeit drei Monate und mehr», erklärt Karl-Heinz Frieden, Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz. Der Markt sei hart umkämpft, neben den Verwaltungsmitarbeitern müssten auch Schüler und Schülerinnen sowie Ratsmitglieder mit Geräten und Software versorgt werden.

Von den rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung Mainz-Bingen etwa arbeiten aktuell nach Angaben einer Sprecherin bis zu 215 im Homeoffice. Weitere 130 Heim-Arbeitsplätze würden derzeit eingerichtet, die Geräte von der EDV konfiguriert. Die dafür benötigte Technik sei zum großen Teil bereits im Oktober des vergangenen Jahres bestellt, aber erst jetzt ausgeliefert worden. Zusätzlich seien weitere 50 Laptops bestellt worden. Eine noch stärkere Ausweitung der Homeoffice-Arbeitsplätze sei jedoch derzeit nicht möglich, auch weil es schwierig sei, auf dem Markt noch weitere passende technische Geräte zeitnah zu bekommen.

Verdi-Landesfachbereichsleiter Volker Euskirchen zeichnet ein gemischtes Bild - von Kommunen, die sich kaum gekümmert hätten, bis zu Verwaltungen, in denen alles optimal laufe. Die Stadtverwaltung Idar-Oberstein etwa erlaube zwar ihren Angestellten, ins Homeoffice zu gehen, diese müssten sich jedoch selbst um die gesamte Technik kümmern. Wie ein Sprecher der Stadtverwaltung auf Anfrage bestätigte, verfüge die Stadt nicht über «freie Kapazitäten an Endgeräten».

In den meisten Verwaltungen arbeiteten 50 bis 60 Prozent der Mitarbeiter von zuhause, sagt Euskirchen. Viele Behörden hätten zwar die technische Ausstattung für einen externen Datenzugriff ermöglicht, aber nur in wenigen Fällen werde das Personal entsprechend ausgestattet. Heißt: Die Mitarbeiterin kann zwar beispielsweise auf den Server der Kommune zugreifen, aber nur von ihrem heimischen PC aus.

Wo Laptops bereits vorhanden gewesen seien, hätten die Mitarbeitenden sie nach Hause mitnehmen dürfen. Um zusätzliches Equipment hätten sich im vergangenen Herbst nur wenige Kommunen, Stadt- oder Kreisverwaltungen ausreichend gekümmert.

In Bernkastel-Kues (Landkreis Bernkastel-Wittlich) und Prüm im Eifelkreis Bitburg-Prüm wurden nach Angaben der Verbandsgemeindeverwaltungen zusätzliche Laptops angeschafft. Gleiches gilt etwa für Pirmasens und den Landkreis Altenkirchen.

Bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen waren nach Angaben eines Pressesprechers im März 2020 etwa 250 Notebooks für das Mobile Arbeiten im Umlauf. Die Stadtverwaltung gehe davon aus, dass bis April dieses Jahres dann insgesamt rund 1500 Laptops verfügbar sein werden. In Koblenz dagegen sollen zwar weitere Homeoffice-Plätze geschaffen werden, wenn möglich einem Sprecher zufolge jedoch mit privater Hardware.

Die Stadt Mainz hat während der Pandemie 130 zusätzliche temporäre Telearbeitsplätze eingerichtet, für die die Mitarbeitenden ihre eigene Technik nutzen und sich in das städtische Netzwerk einwählen. Nach Angaben eines Sprechers nutzen somit derzeit insgesamt etwa 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Telearbeitsmöglichkeiten der Stadtverwaltung, mindestens 42 weitere reguläre Telearbeitsplätze sollen dazu kommen.

Zu wenig, findet der Kreisverband der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Er wirft der Stadt vor, keine schlüssige Strategie zu haben, um möglichst vielen Mitarbeitern die Arbeit von zu Hause zu ermöglichen.

Auch ohne mobile Arbeitsplätze täten die kommunalen Arbeitgeber alles, um ihr Personal bestmöglich zu schützen, meint Frieden. Neben Schichtsystemen seien die Arbeitsplätze mit Bürgerkontakt mit Schutzwänden versehen worden, Masken bereitgestellt und wo möglich Einzelarbeitsplätze eingerichtet worden.

Viele Kommunen schildern, den Publikumsverkehr dahingehend eingeschränkt zu haben, dass der Zutritt nur nach vorheriger Terminabsprache möglich ist. So könnten auch bereits telefonisch oder per Mail einige Anliegen geklärt werden, ohne dass es unmittelbaren Personenkontakt bedürfe.

Die Landesvorsitzende des Deutschen Beamtenbunds, Lilli Lenz, sieht vor allem in schlechten Internetverbindungen ein Problem. «Auf dem Land kommt nichts an und in der Stadt ist die Leitung überlastet», erklärt Lenz. Außerdem gebe es kaum eine elektronische Akte. Stattdessen reisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Reisekoffern an, um in der Verwaltung die Akten zu tauschen und neue mit nach Hause zu nehmen.

Dazu kommt: In manchen Verwaltungen dürfe zu Hause nichts ausgedruckt werden. Also steuerten die Angestellten die dienstlichen Drucker an, wo die gedruckten Dokumente jedoch häufig liegen blieben. Beim Thema Digitalisierung bleibt auch nach Einschätzung des Gemeinde- und Städtebundes noch Luft nach oben. «Je digitaler die Verwaltung, desto besser funktioniert das mobile Arbeiten», sagt Frieden. Im digitalen Rathaus sei man noch nicht angekommen.

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