Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Online-Konkurrenz, hohe Belastung: Zahl der Apotheken sinkt

28.06.2020 - Sie sind wichtige Anlaufstellen für Patienten, beraten und geben Medikamente aus. Doch in Rheinland-Pfalz geht die Zahl der Apotheken zurück. Das hat Branchenvertretern zufolge mehrere Gründe.

  • Das Logo an einer Apotheke. Foto: picture alliance / Uli Deck/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Logo an einer Apotheke. Foto: picture alliance / Uli Deck/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mehr Notdienste, viel Aufwand bei Abrechnungen und steigende fachliche Anforderungen - das sind nach Einschätzung der Landesapothekenkammer drei wesentliche Gründe für die seit Jahren sinkende Zahl an Apotheken in Rheinland-Pfalz. Dies treibe Nachwuchs nicht gerade in die Selbstständigkeit und in inhabergeführte Apotheken, sagte Andreas-Georg Kiefer der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Er ist Inhaber einer Koblenzer Apotheke, Präsident der Kammer im Land sowie der Bundesapothekerkammer.

Wie genau sich die Apothekenlandschaft in Rheinland-Pfalz entwickelt hat, zeigt eine Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Große Anfrage der SPD-Landtagsfraktion von April. Waren es 2010 noch 1119 Apotheken, davon 149 Filialapotheken, sank deren Zahl bis 2015 auf 1039 Apotheken samt 203 Filialapotheken und bis zum vergangenen Jahr unter die 1000er Marke auf 964 Apotheken, davon 218 Filialapotheken.

Das Ministerium konstatierte, es sei auch in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zehn Jahren eine kontinuierliche Abnahme der Apothekenzahl im einstelligen Prozentbereich festzustellen. Die Apothekendichte liege bei 24 pro 100 000 Einwohner, etwas mehr als die 23 im Bundesschnitt. EU-weit liegt der Wert demnach bei 31 Apotheken je 100 000 Einwohner, also deutlich darüber.

Kiefer von der Apothekerkammer sagte, es sei eine «sehr schwierige Arbeit» in den Apotheken. Sie sei zwar reizvoll, werde aber fachlich immer anspruchsvoller etwa bei komplexen Behandlungen. Auch hätten die Kunden berechtigterweise steigenden Beratungsbedarf, beispielsweise wenn sie eine ganze Reihe an Medikamenten einnähmen.

Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens führe darüber hinaus zu einem enormen Abrechnungsaufwand im Zusammenspiel mit gesetzlichen Krankenkassen, sagte Kiefer. Und das sei nun mal das Kerngeschäft. Ähnlich klingt das in der Antwort des Ministeriums. Dort heißt es: «Das deutsche Gesundheitssystem - und damit auch die öffentlichen Apotheken - befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel, der auch durch eine zunehmende Ökonomisierung geprägt ist.»

Die rot-gelb-grüne Landesregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag von 2016 die «große Bedeutung» der Arzneimittelversorgung über inhabergeführte Apotheken festgeschrieben, betonte das Ministerium. Konkret steht in dem Vertrag: «Zur angemessenen und flächendeckenden Arzneimittelversorgung setzen wir auf das bewährte System der inhabergeführten Apotheken vor Ort. Eine besondere Bedeutung gewinnt die Arzneimitteltherapiesicherheit, die vor dem demografischen Hintergrund und angesichts zunehmender Demenzerkrankungen eine intensive pharmazeutische Betreuung und Beratung erfordert, um Fehl- und Mehrgebrauch von Arzneimitteln zu vermeiden.»

Das Gesundheitsministerium betonte, derzeit sei eine flächendeckende Arzneimittelversorgung bundesweit gewährleistet. Entscheidend sei nicht die Zahl der Apotheken, sondern deren Verteilung. Um weitere Schließungen vor allem kleiner Apotheken in der Fläche zu verhindern, sehe die Landesregierung das Bundesgesundheitsministerium in der Pflicht, «um gesetzgeberische Maßnahmen zur Stärkung der Präsenzapotheken umzusetzen».

Auch Kammervertreter Kiefer würde sich auf Bundesebene einiges wünschen. So müsse das vom Kabinett bereits abgesegnete Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken kommen. Doch noch hat es der Bundestag nicht beschlossen. Es soll regeln, dass für gesetzlich Versicherte bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln überall der gleiche Preis gilt - egal ob bei einer Versandapotheke oder einer um die Ecke.

Aus dem Mainzer Ministerium heißt es dazu, die große Koalition habe das Gesetz auf Eis gelegt mit dem Hinweis, dass mit der EU-Kommission noch Rechtsfragen zu klären seien. «Mit jedem Monat des Fortbestehens der unfairen Wettbewerbsbedingungen verschlechterten sich aber die Rahmenbedingungen für deutsche Apotheken im europäischen Wettbewerb. «Dadurch kommt es bundesweit und auch in Rheinland-Pfalz zu weiteren Apothekenschließungen aus wirtschaftlichen Gründen.»

Dem Ministerium zufolge haben allem kleinere Apotheken auf dem Land mit der Konkurrenz durch den europäischen Versandhandel zu kämpfen. Das Apotheken-Stärkungsgesetz würde zwar Rahmenbedingungen verbessern, es sei aber zu bezweifeln, ob dies vor dem Hintergrund ausreiche, dass europäische Versandapotheken weiter Privatversicherten oder Selbstzahlern Rabatte gewähren dürften. Die Landesregierung sehe weiteren Handlungsbedarf, beispielsweise im Sinne der Einführung eines Versandhandelsverbotes für verschreibungspflichtige Arzneimittel.

Kiefer wünscht sich neben dem Stärkungsgesetz auch, dass die Honorierungen für von Apotheken erbrachte Leistungen steigen. Sein dritter Wunsch steht im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. In der hätten Eilverordnungen Apotheken mehr Gestaltungsspielraum gewährt. Das müsse nun in die Regelversorgung getragen werden. Es gehe insgesamt darum, Menschen für den Apothekerjob zu begeistern. Das werde kaum gelingen, wenn Apotheken verschwänden und die verbliebenen mehr Notdienste übernehmen müssten, sagte der Kammerpräsident.

Die Suche nach Nachfolgern für die eigene Apotheke sei längst sehr schwierig, berichtete Kiefer weiter - selbst für wirtschaftlich sehr attraktive Standorte. Und das, obwohl in den vergangenen Jahren die Zahl der Absolventen der Pharmazie deutlich gestiegen ist, wie das Ministerium schrieb. Apotheken stehe grundsätzlich mehr approbiertes Personal zur Verfügung, dabei sei aber auch zu berücksichtigen, dass rund 75 Prozent des approbierten Personals in Apotheken Frauen seien, «die in ihrer Familienphase dem Arbeitsmarkt nur begrenzt zur Verfügung stehen». Es bestehe unter dem Strich eine hohe Nachfrage nach Apothekerinnen, die von Studienabsolventen in der Regel nicht vollständig abgedeckt werden könne. Das sieht auch Kiefer so. Außerdem würden Fachkräfte von der Industrie abgeworben.

Der sozialpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Sven Teuber, sagte: «Das Berufsbild des Apothekers oder der Apothekerin ist im Wandel.» Künftig werde es eine engere Verzahnung von Hausarztpraxen und Apotheken geben, etwa durch die Einführung des elektronischen Medikationsplans in Rheinland-Pfalz. Nach dem Vorbild Niedersachsens sollten Apotheker vermehrt auch im stationären Bereich zum Einsatz kommen und dort als Stationsapotheker etwa das Entlassmanagement von Patienten fachlich begleiten. «Wenn es darum geht, den Apothekerberuf zeitgemäß weiterzuentwickeln, sollte zudem der Work-Life-Balance sowie den Bedürfnissen von Frauen im Apothekenwesen noch stärker Rechnung getragen werden.»

Trotz aller aktuellen Widrigkeiten sieht das Ministerium Wege, wie sich Apotheken besser aufstellen können. Sie könnten sich mit Video-Sprechstunden in der Beratung und anderen digitalen Tätigkeiten bei der Nutzung des elektronischen Rezepts qualifizieren. Denkbar seien auch Angebote der Ernährungsberatung oder Beratung für gesunde Lebensführung.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren